Donnerstag, 31. Dezember 2015

Guten Rutsch!

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch in neue Jahr!

Prosit 2016!

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Epilog

Sanft spürte ich den weichen, dunklen Teppich unter meinen Füßen als ich unser Schlafgemach betrat. Ich blinzelte ein paar Mal bis sich meine Augen an das schummrige Licht gewohnt hatten und strich inzwischen haltsuchend mit meiner Hand über die edel verzierten Kommoden.
Langsam näherte ich mich unserem mit aufwendigen Schnitzereien, Samt und Spitze geschmückten Himmelbett und mein Herz hüpfte als ich sah, das Alon mich schon erwartete. Er hatte nur mehr seine Hose an und machte den Eindruck als würde es schon einige Zeit hier so sitzen.
„Du hast ganz schön lange gebraucht...“ lächelte er mich herausfordernd an als er bemerkte wie ich näher kam.
„Nun, hat sich das Warten nicht gelohnt?“ fragte ich während ich mich ihm in meinem schwarzem Seidennachtkleid präsentierte.
„Das Warten auf dich lohnt sich immer, Esmeralda!“ gab er mit einem verheißungsvollem Blick in den Augen zurück und ergriff dann meine Hand um mich sanft zu ihm ins Bett zu ziehen.
Meine freie Hand stütze sich zuerst auf seiner Schulter ab und begann dann über seinen Körper zu wandern. Vorsichtig fuhr ich mit meinen Fingern durch seine langen, schwarzen Haare und betrachte dabei, wie sie im Kerzenlicht edel glänzten. Aber nicht nur sie – auch der Ring an meinem Finger – schimmerten in der wohligen Halbdunkelheit.
Die Erinnerung dran wie wir uns erneut einen Schwur für die Ewigkeit geben hatten und uns gegenseitig unsere neuen Eheringe angesteckt hatte flammte in meiner Erinnerung auf.
Noch weiter wanderten meine Gedanken zurück – bis nach Lotus, das nun ein Teil des Kaiserreichs Satos war. Ich unterdrückte ein Lachen – sie hatten wahrlich den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Viele würden sich nun ob Alons Herrschaft Angelos wohl zutiefst zurückwünschen, aber diese Chance war für sie verspielt, ihr Land war endgültig der Finsternis anheimgefallen.
Und doch konnte ich mich dafür nicht mehr hassen, obwohl ich wusste, dass dies meine Schuld war – ich hatte Alons Wunsch folgegeleistet und mich meiner dunklen Seite hingegeben – und ihm!
Am Ende hatte mein Herz wieder über meinen Vernunft gesiegt und ich wusste, wie oft ich es auch versuchen mochte, das Ergebnis blieb immer das Gleiche – ich würde immer und immer wieder in Alons Arme zurückkehren. Zu stark waren die Gefühle, dass ich für ihn empfand – und ich hatte endlich aufgehört den sinnlosen Kampf gegen sie zu führen! Nun war ich wirklich befreit – von meinen eigenen Zwängen! „Worüber denkst du nach?“ fragte Alon mich schließlich und riss mich damit aus meinen Gedanken. Er sah mir tief in die Augen und musterte mich leicht besorgt.
„Nichts Wichtiges...“ antwortete ich lächelnd und verband meine Hände mit seinen, so dass ich auch seinen Ehering betrachten konnte.
Es war nur die Wahrheit – denn nichts von all dem war nun mehr wichtig. Alon hatte Recht behalten – nichts von all dem war noch von Bedeutung. Nur die unzerstörbare Liebe, die uns auf ewig verband. Meine Augen wanderten sanft über seine Lippen, bevor ich mich zu ihm hinter beugte und ihn zärtlich küsste.
„Esmeralda...“ hauchte er schließlich während er mich näher an sich heranzog und ich mich bereitwillig in seine Arme fallen ließ.
„...was auch immer es ist, ich werde dafür sorgen, dass du es vergisst...“ versprach er verheißungsvoll während er mir sanft über meinen Rücken strich.
„Ist das ein Versprechen?“ fragte ich ihn neckend während meine Fingerspitzen über seine Lippen glitten.
„Ja!“ antwortete er und küsste mich dann plötzlich leidenschaftlich.
Meine Gedanken lösten sich endgültig auf und es gab nur noch eine Sachen, die ich wusste – er würde dieses Versprechen auf jeden Fall halten!

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche euch allen ein schönes Fest...

...und natürlich ganz viele Geschenke! ;-)

Dienstag, 1. Dezember 2015

14. Die dunkle Armee

Langsam rieb ich mir mit meiner Hand über meine linke Schulter. Die Wunde tat immer noch weh, doch ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen – ich war nun die Kaiserin von Lotus und als diese durfte ich mir keine Schwäche leisten. Also hatte ich meine Wunden selbst genäht und verbunden und verbarg sie nun unter meiner neuen Harnisch, der an den Ärmel mit schwarzen Federn besetzt war. Im Brustbereich bestand er nun aus mit dornenbesetzten Rosen und Totenköpfen verzierten Metall und natürlich aus dunklem Leder bestand. Der Rest meiner Kleidung war bis auf einen langen Umhang und einer Stirnkette, die meine Krone ersetzte, ziemlich gleich geblieben.
Und so saß ich nun auf meinem Thron und fragte mich, was ich nun tun sollte – meine Rache für Seis Tod hatte ich bekommen... aber es war nichts als Leere zurückgeblieben. Ich hätte mir gewünscht, dass er mich so hätte sehen können – als wahre Herrscherin, die er schon immer in mir gesehen hatte. Doch ich wusste, dass sich dieser Wunsch nie verwirklichen hätte können...
...und selbst wenn, es fühlte sich ohnehin falsch an. Am Ende war dies nicht mein Land, auch wenn es durch die Finsternis, die ich hierher gebracht hatte, ein wenig mehr nach Zuhause anfühlte, so war es doch nur ein fader Abklatsch des Originals. So sehr ich mich auch bemühte, es würde niemals Sato werden...
Doch mir blieb keine Wahl – ich war nun Herrscherin und ich würde herrschen. Meinen ersten Schritt hatte ich schon getan indem ich alle Rebellen festnehmen und einen nach dem anderen hinrichten ließ. Die alte Grete hatte ich mit sehr viel Vergnügen sogar selbst getötet - für sie war ich nur ein Mittel zum Zweck gewesen von dem sie dachte, sie könnte mich leicht manipuliere. Aber ich hatte den Spieß umgedreht und ich würde nicht zulassen, dass je wieder jemand in Versuchung kam mich zu seiner Marionette zu machen!
Plötzlich hörte ich ein Horn ertönen und im nächsten Moment stürmte einer meiner Wachen zur Tür hinein.
„Meine Königin – wir werden angegriffen!“ schrie er und ich sah die Fassungslosigkeit in seinen Augen glänzen. „Von einer riesigen Armee!“
„Versetzt alle Truppen in Kampfbereitschaft und schickt die Generäle zu mir!“ befahl ich ihm reflexartig und als er aus der Tür hinaus war eilte ich zu meinem Balkon.
Mir stockte der Atem als ich sah, dass der ganze Horizont voller dunkler Gestalten war, die immer schneller auf meine Stadt zumarschierten. Wie konnten sie schon so nah sein? Und wer um alles in der Welt konnte das sein? Soweit ich wusste war der ganze Kontinent von Angelos – und nun von mir – beherrscht worden!
Plötzlich konnte ich einzelne Banner ausmachen und meine Beine gaben fast nach als ich das Wappen erkannte: Alon!
Doch bevor ich einen weiteren Gedanken fassen konnte hörte ich Drachen über die Spitze des Schlosses hinwegfegen und im nächsten Augenblick sah ich wie ein Feuer Teile der Stadt erfasste. Die Erde bebte und wusste, dass ein paar der Tiere gelandet waren.
Auf einmal hörte ich ein Krachen hinter mir und sah wie die Türe meines Thronsaals barst und meine Wachen gegen die Seitenwände geschleudert wurden, an denen sie tot herunterrutschten.
Im nächsten Moment betrat ihr Mörder den Raum – mir stockte der Atem als ich erkannte, dass er sich kein bisschen verändert hatte – er war genauso wunderschön wie in meiner Errinnerung! Seine prunkvolle, schwarz-silber Rüstung glänzte im Dämmerlicht, sein rabenschwarzes, langes Haar war wie immer in seinem Nacken zusammengebunden und seine weiße Haut was matt wie feiner Samt. Er hielt sein tiefschwarzes Schwert in seiner rechten Hand und es glühte dunkel ob der Tatsache, dass es gerade zwei Seelen verschlungen hatte und ich konnte in Alons Blick erkennen, dass er gedachte, es weiter zu füttern.
Noch hatte er mich nicht entdeckt, seine Augen suchten den Thronsaal ab - offensichtlich in der Hoffnung einen Engelslord töten zu können. Ich wagte es nicht, mich zu rühren – noch nicht mal zu atmen. Wie oft hatte ich davon geträumt in wiederzusehen und doch war es gleichzeitig das, was mir am Meisten Angst machte!
Schließlich wand er sich in meine Richtung und seine glänzenden Augen wurden spielten alle Emotionen als er mich erkannte.
„Esmeralda...?“ fragte er schließlich unsicher und ließ dabei sein Schwert sinken. „Wie...? Bist etwa du die Herrscherin dieses Landes...?“
Ich war leicht beleidigt ob seiner Überraschung und so war es mir leichter meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen – obwohl ich trotzdem all meine innere Kraft dafür brauchte - und antwortete so kühl wie möglich: „Ja – ich bin die Zwielichtkönigin!“
Er musterte mich kurz immer noch überrascht, doch dann schüttelte er den Kopf. „Sieht so aus, als hätte der Halbdämon dich unterschätzt...“
Nun war ich baff – was hatte Alon mit Sei – zumindest konnte ich mir keinen anderen Halbdämon vorstellen, den Alon meinen konnte – zu tun gehabt? Vor allem, da Sei tot war...
Er sah mir meine Verwirrung offensichtlich an und erklärte schließlich: „Jeder Dämon – und auch Halbdämon – kehrt nach seinem Tod in die Hölle zurück... über die immer noch ich herrsche.“
„Als seine Seele zurückkehrte, wusste ich, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste und suchte ihn auf – er hatte offensichtlich genau drauf spekuliert und flehte mich an, hierher zu kommen und dich zu retten!“ erläuterte er. „Aber wie es aussieht, braucht du meine Rettung nicht...“
Nun machte alles einen Sinn – Sei hatte sich in Wirklichkeit absichtlich töten lassen! Er tat es um von Alon Hilfe zu holen und so Angelos zu besiegen – er hatte sich selbst geopfert um mich zu retten!
Ich schluckte und kämpfte schwer damit meine abgeklärte Maske aufrecht zu erhalten. Ich wollte mir auf keinen Fall eine Blöße geben, so schwer es auch war!
„Nein, brauche ich nicht – ich habe mein Land sehr gut unter Kontrolle!“ setzte ich so hart ich konnte entgegen und versuchte zum Gegenangriff über zu gehen. „Zumindest bevor du mit deiner Invasion begonnen hast!“
Er betrachte mich einige Zeit eindringlich, dann schloss er schließlich: „So, das ist es also was du dir immer gewünscht hast...“ schloss er. „Nicht Liebe, nicht Freiheit... sondern Macht! Wahre Macht!“
„Pff...“ machte ich und drehte mich zur Brüstung um während ich eine Hand auf selbige legte. „Du machst es dir sehr einfach, Alon... wieder einmal!“
Ich drehte mich wieder zu ihm um damit ich die Wirkung meiner nächsten Worte in seinem Gesicht lesen konnte.
„Also ob du nichts mit meiner Verwandlung in ein Monster zu tun hättest!“ warf ich ihm entgegen. „Wer hat denn zugelassen, dass Kantos meine Seele in die Hölle zog?!“
Ich genoss es zu sehen wie der Schmerz sein Gesicht zerfraß.
„Das ist unfair, Esmeralda!“ stieß er schließlich hervor. „Du weißt, dass es nicht so gewesen ist! Ja, es war mein Fehler – der größte, den ich je begangen habe – aber ich habe ihn bereut! Und ich habe gebüßt! Jahrtausende lang!“
„Und trotzdem... war es der Anfang von Ende, nicht wahr? Der Beginn des Falls meiner unschuldigen Seele...“ setzte ich fort und genoss dabei sein Pein. Ich wollte ihn leiden sehen... so wie ich gelitten hatte.
„Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, damit du vergessen und mit mir glücklich werden kannst...“ wehrte er sich weiter.
„Ist das so? Das letzte Mal, als ich in Yasha war, saß ich in einem Kerker!“ schrie ich ihn an. „Ich habe alles aufgegeben um zu dir zurückzukehren – meine einzige Chance auf Erlösung und du hast mir so misstraut!“
„Das wäre nie passiert, wenn du mir gehorcht und Yasha geblieben wärst!“ schnauzte er zurück. „Und ich habe auch das bereut!“
„Bereuen alleine ist nicht genug!“ gab ich zurück und zog Hevshire.
Ich sah kurz Erstaunen in seinem Gesicht aufflackern, doch dann wurden seine Züge hart.
„Ist das wirklich was du willst, Esmeralda?“ fragte er gespenstig ruhig. „Dir ist klar, dass es keine wahre Macht ist, wenn ich sie dir aufgrund meines Schwurs einfach machen würde, oder?“ Ich wusste, was diese Worte zu bedeuten hatten – wenn ich mich auf diesen Kampf einlassen würde, dann entband ich ihn damit von seinem Versprechen mir gegenüber. Doch ich hatte keine Angst! Ich machte einen Schritt auf ihn zu und sah im fest in die Augen.
„Gut, wie du willst...“ sagte er selbstgefällig während er sein Schwert hob. „Aber in diesem Kampf hast du weit mehr zu verlieren, als nur dein Leben – wenn du verlierst, wird deine Seele auf alle Ewigkeit mir gehören und dieses Mal gibt es nichts, was dich je daraus befreien könnte!“
Ich antworte ihm indem ich ihn mit Hevshire angriff - doch er wich mir geschickt aus. Im nächsten Moment drehte ich mich wieder nach ihm um aber auch dieses Mal erwischte ich ihn nicht – dafür spürte ich wie seine Hand über meinen Rücken glitt.
„Hmm... du bist immer noch so geschmeidig wie eh und je...“ bemerkte er süffisant und wich meinen Angriffen weiter aus – ohne jedoch selbst einen zu setzten. Er spielte mit mir wie eine Katze mit einer Maus!
Voller wut griff ich ihn weiter an – immer schneller und fester, aber es gelang mir noch nicht mal ihn auch nur zu streifen! Er war einfach viel zu schnell und meine Schulter begann unerträglich zu schmerzen.
Mein Atem ging stoßweise und mir wurde bewusst, dass ich nicht ewig so weiter machen konnte.
Also beschloss ich , alles auf eine Karte zu setzen – ich lud Hevshire mit dunkler Energie auf so dass sogar Funken und Blitze um seine Klinge sprühten. Dann stürzte ich mich auf Alon und feuerte ihm alles entgegen, was ich hatte.
Die Kraft entlud sich in einer Explosion und ich spürte wie der Boden unter mir brach und die dabei entstehende Kristallwolke raubte mir Sicht und Atem gleichermaßen. Als sich der Staub wieder zu legen begann verschlug es mir erneut den Atem. Alon stand immer noch an genau der gleichen Stelle wie zuvor. Seine Rüstung hatte zwar ein paar Schrammen anbekommen, aber seine Haut war vollkommen unverletzt! Heshires Macht war praktisch an ihm abgeprallt!.
Meine Beine gaben unter mir nach und ich sank zu Boden – ich hatte meine ganze Kraft verbraucht und das Ergebnis war... nichts! Ich konnte Alon nicht besiegen – ich hatte nicht die leiseste Chance! Noch schlimmer, ich hatte nie eine besessen!
Ich ließ meinen Kopf hängen und spürte wie mir Tränen in meine brennenden Augen schossen. Das Geräusch von Alons langsam auf mich zu kommenden Schritte drang an mein Ohr und als es verstummte sah ich zu ihm auf.
Das war es also - mein Ende. Er würde mich dafür bestrafen, dass ich ihn herausgefordert hatte und meine Seele verschlingen!
Plötzlich ging er vor mir in die Knie und sah mir tief in die Augen.
„Du bist eine verdammt schlechte Lügnerin, weißt du das?“ fragte er schließlich und sein Blick wirkte unendlich traurig. „Ich weiß, nach was du in Wirklichkeit sehnst...“ Ich sah in nur perplex an während er fortfuhr: „Du wünscht dir weder Freiheit noch Macht – du wünscht dir Frieden! Du hattest nie vor, Angelos zu besiegen - du wusstest, dass auch sein Schwert die Macht hat, eine Seele zu zerstören! Der absolute Frieden, den nur der endgültige Tod schenken kann... das ist es, was du von Angelos wolltest... und da er versagt hat, hoffst du nun, es von mir zu bekommen, nicht wahr?“
Ein Zittern ergriff meinen ganzen Körper und ich spürte, wie mir weitere Tränen über die Wangen liefen.
„Ich... ich...“ stammelte ich. „...ich kann einfach nicht mehr!“
„Ich kann nicht zu dir zurück, aber ich kann auch ohne dir nicht glücklich sein!“ purzelte es aus meinem Mund. „Ich bin ein Monster geworden, das alle ins Verderben gestürzt und nur Unglück gebracht hat! Ich will das nicht mehr ertragen... es wäre für alle besser, wenn ich verschwinde!“
Plötzlich spürte ich Alons Lippen auf meinen - sein leidenschaftlicher Kuss nahm mich gefangen und raubte mir den Atem.
„Hör auf, deine dunkle Seite zu bekämpfen, Esmeralda...“ flüsterte er schließlich nachdem er den Kuss gelöst hatte. „...nimm sie an... gibt dich ihr hin... und genieße sie!“
Er sah mir tief in die Augen. „Vergiss was war oder was sein wird – nichts davon hat Bedeutung außer der Tatsache, dass ich dich immer lieben werde!“
„Trotz allem...?“ fragte ich schließlich und hörte mich selbst kaum so leise war meine Stimme. Der Blick in seinen Augen sagte mehr als tausend Wort und mir wurde bewusst, wie ungerecht auch ich die ganze Zeit gewesen war – ich hatte mehr als einmal geglaubt, Alon würde mich töten für das, was ich getan hatte. Aber er hatte nie aufgehört mich zu lieben - selbst als er geglaubt hatte, ich hätte ihn betrogen und nachdem ich ihn verlassen! Er war trotzdem immer gekommen um mich zu retten!
„Alon...“ seufzte ich und sank in seine Arme.
„...ich liebe dich auch, ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben.“ gestand ich ihm schließlich als ich mich an seine Brust drückte. Es war, als wäre alle Last von mir genommen worden, als hätte sich alles Leid und all die Verzweiflung mit einem Mal in Luft aufgelöst.
Ich spürte wie er mich zärtlich auf die Stirn küsste, dann hob er mich hoch und sagte: „Dann lass uns Nachhause zurückkehren...“

Sonntag, 1. November 2015

13. Der gewaltige Ansturm

Es kam mir vor, als würde die Ironie gar nicht mehr aus meinem Leben weichen wollen - als wäre nicht einmal eine Sekunde vergangen seitdem ich mir geschworen hatte, dass ich nie wieder an diesen Ort zurückkehren würde und nun stand ich gerade hier! Aber ich wusste, dass es nun kein Zurück mehr gab, ich würde diese Schlacht kämpfen müssen - bis zum bitteren Ende!
Ich schüttelte leicht den Kopf um die aufkeimenden Zweifel zu vertreiben und spürte dabei plötzlich das Gewicht der Kaputze meines schweren Umhangs als würde das Schicksal der ganzen Welt auf mir lasten – nun, im Prinzip war auch genau das der Fall!
Schließlich drückte ich die riesige, goldene Türe auf um ins Innere zu gelangen und als ich dann meinen unausweichlichen Weg fortsetzte verspürte ich plötzlich eine seltsame Ruhe und Gelassenheit in mir aufkommen. Es war, als hätte ich eine unsichtbare Grenze übertreten und all meine Angst auf der anderen Seite zurückgelassen. Denn egal, was nun auf mich zukam - es würde nun endlich enden, hier und jetzt!
Ich sah meine dunkle Gestalt in dem hellen Boden spiegeln und musste an das erste Mal, als ich durch diese Gänge ging, denken. Damals hatten meine Augen von dem Anblick geschmerzt, doch nun spürte ich die Finsternis, die meine Anwesenheit hier verbreitete und es war, als würde sie allem, was mit mir in Berührung kam, den Glanz rauben. Ich genoss die Stille, die nur durch meine an den kristallenen Wänden widerhallenden Schritte unterbrochen wurde. Es war schon fast gespenstisch - vor allem wenn man bedachte was für eine unerbittliche Schlacht sich die Stadtwache und die Rebellen außerhalb der Schlossmauern lieferten.
Der Gedanke dran ließ mich beschleunigen - ich hatte keine Zeit um meinen Gedanken nachzuhängen, die Rebellen würden Angelos Soldaten nicht lange beschäftigen können und es hätte mich nicht gewundert, wenn nicht schon das Blut unzähliger Menschen die Straßen rot färben würde.
Endlich kam die Türe zu Angelos Thronsaal in Sichtweite und hier waren sogar noch Wachen aufgestellt - alle anderen schienen abgezogen worden zu sein um sich an den Kämpfen in der Stadt zu beteiligen. Ich machte mir gar nicht die Mühe, langsamer zu werden als sie unwissend ihre Schwerter zogen - ich schwang Hevshire und als die Druckwelle sie erfasste zerfielen sie zu Staub noch bevor ein Ton ihre Lippen verlassen konnte. Ein Teil von mir hoffte, dass es mit Angelos auch so einfach werden würde, aber gleichzeitig wusste ich tief in mir, dass es ein erbitterter Kampf werden würde. Nachdem ich Hevshire wieder weggesteckt und die Türe zum Saal aufdrückt hatte sah ich Angelos neben seinem Thron stehen und aufgeregt mit einem seiner Berater diskutieren. Das Licht, dass durch die von mir geöffnete Pforte strömte ließ ihn aufschauen und seine Augen weiteten sich als er beobachtete, wie ich seelenruhig in die Mitte des Raumes schritt.
Seine Berater zogen sich vorsichtig hinter Angelos zurück – sie waren alle eindeutig keine Kämpfer, einige von ihnen noch dazu alt und gebrechlich, es sah ganz danach aus als hätte Angelos wirklich seine ganze Armee mobilisiert!
Der Engellord selbst aber richtete sich auf und es war offensichtlich, dass er vor einer Konfrontation nicht zurückschreckte – im Gegenteil, ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, dass erahnen ließ, dass er sich wohl sogar auf einen Kampf freute. Umso erstaunter war sein Gesichtsausdruck als ich meine Kapuze anhob und auf meine Schultern gleiten ließ.
„Esmeralda... du lebst?“ fragte er verblüfft und verwirrt gleichzeitig.
„Prinzessin... wir waren so in Sorge um euch...“ schloss sich einer der Ratgeber unsicher an.
Ich lächelte ob der Tatsache, dass sie keine Ahnung hatten, was sie erwartete – meine Verschleierungstaktik eindeutig hatte Wirkung gezeigt. Doch nun war die Zeit für offene Worte gekommen!
„Nicht Prinzessin – Kaiserin! Kaiserin Esmeralda von Satos, Herrscherin über Yasha und Gemahlin des Dämonenlords Alon!“ erklärte ich – obwohl ich wusste, dass es eigentlich gelogen war – und warf dabei meine Umhang ab um meine Lederrüstung darunter zu entblößte.
Es handelte sich dabei um die gleich schwarze Kleidung, die ich trug, als ich Sato verlassen hatte – die Rebellen hatte sie, inklusive des kaiserlichen Emblems auf meiner Brust, restauriert und an der Hose und am Korsett verstärkt. Auch meine Bluse war durch ein Shirt in einem festeren Material ausgetaucht worden und die geschnürten Stiefel hatten sie ebenfalls komplett neu gefertigt.
Angelos riss die Augen weit auf uns starrte mich ein paar Sekunden fassungslos an, doch dann schloss er sie plötzlich, schüttelte den Kopf und als er seine Augen wieder öffnete lag etwas Mitleidiges darin.
„Wenn euer armer Vater sehen könnte, wie tief ihr gefallen seid, dann wäre er bestimmt traurig...“ sagte er schließlich während er sein Schwert zog.
„Wie traurig ihr dann wohl wärt, wenn ihr gesehen hätten, mit welcher Wut und Hass eure Tochter erfüllt war, als sie ihr Leben ließ?“ antwortete ich mit einem dunklen Lächeln während ich Hevshire zog. „Wut und Hass, der sich tief in der Schwert fraß, das ihre Seelenenergie in sich aufnahm...“
Angelos riss erneut die Augen auf, doch dieses Mal dauerte es keine Sekunde bis er sich gefangen hatte – im nächsten Moment stürzte er mit einem wütenden Schrei auf mich zu.
„Das werdet ihr büßen! Verfluchte Mörderin!“ brüllte er während ich mit Hevshire seinen Schlag blockte.
Obwohl ich mit einer solchen Reaktion gerechnet, ja, sie sogar erhofft hatte blieb mir von der Wucht des Aufpralls kurz die Luft weg – dass dieser Kampf anders sein würde, war mir ja schon von Anfang an klar gewesen, aber wie stark er wirklich war überraschte mich nun doch!
Ich schaffte es jedoch ihn zur Seite zu stoßen und rollte mich in Sicherheit – als ich etwas Raum zwischen uns geschaffen hatte, schwang ich Hevshire und schleuderte den Energiesturm sofort in Angelos Richtung. Doch er war schneller und rollte sich ebenfalls zur Seite und startet mit wütendem Gebrüll den nächsten Angriff. Unsere Klingen kreuzten sich erneut, doch dieses Mal war ich besser vorbereitet – ich hatte Hevshire mit dunkler Energie aufgeladen, die sich nun entlud.
Angelos stolperte ob der unerwarteten Wucht ein paar Schritte zurück und ich nutzte meine Chance um einen weiteren Sturm in seine Richtung zu feuern. Dieses Mal traf ich ihn frontal – und war im nächsten Moment bitter enttäuscht.
Zwar schmolzen Teile seiner Rüstung weg und sein Haar war teilweise versengt, doch sein Körper hatte nur oberflächliche Wunden davon getragen. Ich hatte ihn eindeutig unterschätzt!
Doch ich hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn schon im nächsten Augenblick kam sein Gegenangriff und ich wurde gegen die Wand hinter mir geschleudert. Ich spürte wie dabei das Leder meiner Rüstung an einigen Stellen riss und ich rutschte keuchend zu Boden.
Er sprintete mir nach, doch bevor er mich mit seinem Schwert aufspießen konnte schwang ich mich zur Seite und schnitt ihm dabei leicht in die seitlichen Rippen. Ich sah wie sich sein Gesicht vor Schmerz verzerrte, den Hevshire hinterließ eine brennende Wunde - ähnlich wie die, die Sei das Leben gekostet hatten.
Ich taumelte ein paar Schritte von ihm weg und beobachtete den Schnitt in der Hoffnung, dass er ebenso zu Asche zerfallen würde – aber das Glück war nicht auf meiner Seite. Der Brandherd beschränkte sich auf ein paar Zentimeter um die Wunde herum und glühte dann aus. Schlagartig wurde mir klar, dass es wohl nur eine Möglichkeit gab, ihn zu besiegen: Ich musst ihm mit der Klinge einen letalen Schlag zufügen – am Besten einen Stich direkt ins Herz!
Endlich kam ich wieder halbwegs zu Atem – aber auch Angelos hatte sich erholt und ging nun erneut zum Angriff über. Ich blockte seinen Schlag und versuchte seine Deckung dabei zu durchbrechen, aber auch er hatte aus unserem letzten Zusammenstoß gelernt und war nun vorsichtiger geworden.
Nach einem weiteren erfolglosen Versuchen beschloss ich meine Taktik zu ändern und attackierte ihn frontal. Doch erblockte meinen Schlag ab und stieß mich zu Boden – ein schwerer Fehler, den so erwischte ich ihn an seinem Bein. Aber auch ich konnte mich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und so erwischte er mit seinem Schwert meine linke Schulter.
Mit einem Schmerzensschrei krümmte ich mich zur Seite und entging so einer weiteren Attacke. Reflexartig stieß ich ihn mit einem Tritt von mir weg und verschaffte mir so genug Zeit um aufzustehen und wieder in Verteidigungsposition zu kommen. Doch er ließ mir keine Verschnaufpause – ich konnte sehen, wie er aufgrund meiner Verletzung seinen Sieg witterte und sofort auf mich zustürmte.
Doch sein Freudentaumel hatte einen entscheidenden Nachteil – er wurde unaufmerksam. Ich nutzte meine Chance, tauchte unter seinem Angriff hindurch und rammte ihm mein Schwert direkt in den Bauch. Seine Augen schienen förmlich aus einem Kopf zu quellen als sich Hevshires Macht in ihm ausbreitete und im nächsten Moment sank er vor mir auf die Knie.
„Ver...verfluchtes Weib!“ krächzte er als ich die Klinge wieder aus ihm herauszog.
„Was für edle Letzte Worte für einen Engellord...“ schmunzelte ich süffisant während ich wieder mit Hevshire ausholte.
Dann trennte ich mit einem gezielten Schlag seinen Kopf von den Schultern und beobachte wie das Leben aus seinen Augen verschwand während sein Haupt über den kristallenen Boden rollte.
Ein Teil von mir wollte nur noch zu Boden sinken und mich vor Schmerzen krümmen – aber ich wusste, dass meine Aufgabe noch nicht beendet war. Also bückte ich mich, hob Angelos Kopf auf und schritt auf wackeligen Beinen in Richtung des Balkons.
Ich schluckte und nahm meine letzte Kraft zusammen für das, was nun kommen musste – ich ging zur Brüstung und hob den Kopf des toten Engellord in die Höhe während ich schrie: „Der Engellord Angelos ist tot!“
Die paar Kämpfenden, die mich gehört hatten, drehten sich um und sahen zu mir hinauf. Ihre Augen waren voller Erstaunen und es war, als hätten Angelos leblose Augen sie erstarren lassen – immer mehr bemerkten, dass etwas Bedeutendes geschehen war und nach und nach blickten sie zu mir auf – Engel wie auch Rebellen geleichermaßen stellten die Kämpfe ein und starrten mich an. Plötzlich brauch unter den Rebellen wilder Jubel aus während von den Engelritter Klangen tiefster Verzweiflung zu hören waren.
Als ich mir sicher war, dass ich auch die Aufmerksamkeit des letzten Wesens in Lotus hatte, ließ ich Angelos Kopf auf den Balkon direkt unter meinen und damit nur wenige Zentimeter von den Füßen eines seiner Generäle entfernt, fallen. Im nächsten Augenblick sprang ich selbst vom Balkon und durchstach mit meinem Schwert in der Landung Angelos Kopf. Im selben Moment ging von Hevshire eine Welle aus, die den Glanz als allen Kristallen zog und sie matt und verwittert erscheinen ließ und das Gold der Stadt verwandelte sich in ein geschwärztes Silber.
Die Engelritter krümmten sich vor Kummer, doch als sie von der Weller erfasst wurden verstummten sie augenblicklich. Ihre weißen Flügel färbten sich schwarz und auch das Gold ihrer Rüstung wurde zu dunklem Silber.
Im nächsten Moment knieten sie sich vor mir nieder und schrien: „Lang lebe die Königin!“
Meine eigene, tiefe Verwunderung spiegelte sich in den Gesichtern der Rebellen bis ich endlich verstand, was passiert war – durch Angelos Hass und Wut, die er im Moment seinen Todes verspürt hatte, war nun das ganze Land – und mit ihm alle Engel, die sich hier befunden hatten - gefallen. Und wem sollten gefallene Engel folgen wenn nicht der gefallenen Nachfahrin eines Erzengels?
Es sieht so aus, als ob ich nun endlich mein eigenes Reich habe...

Montag, 19. Oktober 2015

Salzkammergut - Hallstatt & Bad Ischl

Nachdem ich im Sommer aufgrund eines wichtiges Projekts keinen Urlaub nehmen konnte und mein Freund im Herbst keinen bekommen hat, ist es dieses Jahr nur eine kleine Reise mit meinem Bruder geworden. Zuerst wollten wir sogar nur in die Therme, weil ich nach den Anstrengungen mit der Wohnung auch eher Erholung wollte, aber im Endeffekt wurde es doch mal wieder eher ein Sightseeing-Urlaub geworden und wir waren nur einen Tag in der Therme in Bad Ischl. ;-)

Zuerst haben wir uns Hallstatt angesehen, wo sich auch unser Hotel befand. Das Bild vom See von dem Balkon des Zimmers aus - echt eine wunderschöne Aussicht!

Die historische Altstadt ist wirklich toll, leider ist es selbt in dieser Jahreszeit recht voll, in Ruhe schauen konnte man eigentlich nur an Vormittag gut. Wir haben auch einen Abstecher ins Museum gemacht, da war es eher ruhig. :-)

Dann waren wir noch in den Salzwelten in Hallstatt - dazu sind wir mit einer Seilbahn den Berg hinaufgefahren und haben dort die Führung durch das Bergwerk gemacht. Sehr hübsch fand ich die Lichtershow und die Muster im Gestein. Es gibt dort sogar Rutschen, ich hab mich aber nur bei der kurzen getraut, die lange war dann eher nix für mich. ^^"

Zum Abschluss waren wir dann noch in Bad Ischl, wo wir eine Führung durch die Kaiservilla gemacht haben (leider durfte man innen nicht fotografieren) und wir waren natürlich bei der KuK Hofkonditorei Zauner - sehr schlecht für die Waage, das sag ich euch. ;-)

Alles in allem eine sehr schöne Reise - auch wenn das Wetter nicht so mitgespielt hat. Auf der anderen Seite - gerade die Nebenschwaden um die Berge haben etwas sehr Mystisches und im Bergwerk hat es so und so 8 Grad, auch im Sommer. ;-)

Samstag, 10. Oktober 2015

12. Die alten Verbündeten

Das wunderschöne Glitzern des Meeres vor mir hatte schon etwas Ironisches an sich. Nicht nur, wenn man bedachte, dass es der Kontinent Sato war, der hinter dem Horizont lang - nein, irgendwo dort war auch das Schiff untergegangen, mit dem Sei und ich hierhergekommen waren.
Ich wand den Blick ab und drehte mich wieder in Richtung Wald um. Ein Seufzer der Frustration verließ meine Lippen - das hier auch alles gleich aussehen musste! So würde ich nie den Weg zu dem Dorf der Rebellen finden...
Erneut fiel mir das Verrückte an meiner Situation auf. Es kam mir wie gestern vor, dass Sei und ich von ihnen gefunden wurden und dann versuchten sie los zu werden, weil wir nichts von ihrem Kampf gegen Angelos wissen wollten - und nun suchte ich sie verzweifelt um mit ihnen genau diesen Krieg zu führen. Wie schnell sich das Leben doch komplett ändern konnte!
Ziellos begann ich durch die Bäume zu stapfen und hoffte einfach das Glück zu haben die richtige Richtung einzuschlagen. Das Einzige, das mich tröstete, war die Tatsache, dass ich aufgrund meines neuen Hevshire keine Angst mehr davor haben brauchte von den Engeln entdeckt zu werden... sie würde die Begegnung mit mir gewiss nicht überstehen, soviel war sicher!
Langsam lichtete sich der Wand und ich sah wie in einiger Entfernung Gebäude auftauchten. Doch ich hatte Pech, die Häuser sahen nicht so aus wie in dem Dorf, das ich in Erinnerung hatte - ich war offensichtlich irgendwo anders gelandet!
Ich versuchte die Fustration abzuschütteln und machte mich trotzdem weiter in Richtung des Dorfs auf. Denn ob es nun das Rebellen-Versteck war oder nicht - in erster Linie brauchte ich auch Verpflegung. Ich hatte seit Tagen nichts anderes als ein paar Beeren und Nüsse sowie vereinzelt ein paar Kräuter gegessen und war am Verhungern. So beeindruckend Hevshires neue Fähigkeiten waren - zum Jagen taugte es nicht!
Langsam näherte ich mich der Siedlung und beobachtete sie aus dem Schutz einiger Büsche - ich hoffe, den Marktplatz ausfindig machen zu können sowie geeignete Fluchtwege zu entdecken. Nachdem ich gestohlen hatte, was ich brauchte, musste ich sehen, dass ich so schnell wie möglich wieder weg kam.
Tatsächlich - in der Mitte des Dorfes befanden sich einige Stände an denen diverse Lebensmittel wie Brot, Obst und Käse verkauft wurden. Allein der Anblick ließ mir das Wasser im Mund zusammenfließen und meinen Magen knurren. Doch plötzlich erregte etwas anderes - oder besser gesagt jemand anders - meine Aufmerksamkeit: Peter, der alte Mann, der Sei und mich in die Hauptstadt gebracht hatte!
Das war nun wohl das, was man Glück im Unglück nannte! Ich verließ mein Versteck unauffällig und machte mich zum Marktplatz auf - ich wollte nicht zu offensichtlich auf Peter zusteuern, denn obwohl keine Engelsritter zu sehen waren, wusste ich doch nicht wer von den Menschen dem Regime treu ergeben war und wer zu dem Rebellen zählte. Lieber kein Risiko eingehen war immer noch eine gute Einstellung.
Ich hielt Hevshire fest unter meinem Rock versteckt und zog das Tuch um meinen Kopf fest an mich - es war schon das zweite Mal innerhalb von kurzer Zeit, dass ich dankbar für die weite, wallende Kleidung war. Sonst hätte ich es wohl nicht geschafft unbemerkt mit Hevshire aus dem Tempel zu entkommen - doch die Dunkelheit der Nacht und der trotzdem ungebrochene Andrang hatten es mir erlaubt mit der Masse hinauszuschwimmen. Die Tatsache, dass ich alle Wachen, die mich entdeckt hatten, sofort ausschalten konnte, hatte natürlich zudem geholfen...
Endlich war ich bei Peters Marktstand angekommen und mir fiel nun auf wie abgekämpft und hoffnungslos er aussah. Die Rebellen hatten wohl auch schon bessere Zeiten gehabt - ich nahm an, dass sie für die Aktion am Kristallsee einen hohen Preis bezahlen haben mussten...
Ich tat so, als würde ich mich umsehen und nachdem ich mich vergewissert hatte, dass niemand nah genug war um uns zu hören, sah ich zu ihm auf und zischte: "Peter!"
Zuerst dachte ich, er hatte mich nicht gehört, doch dann sah er mich irritiert an. Es dauerte ein paar Sekunden bis er mich erkannte und dann bemerkte ich, wie seine Augen zu leuchten begannen.
"Prinzessin!" flüsterte er erstaunt. "Ihr... ihr lebt?! Was für ein Glück..."
"Psst! " unterbrach ich ihn. "Wer weiß, wer uns hören könnte!"
"Könnt ihr mich zu Mutter Grete und den anderen bringen?" fiel ich gleich mit der Tür ins Haus. "Ich habe eine Neuigkeit, die sie erfahren sollten..."
Und eine, die ihnen gefallen wird...
"Natürlich!" antworte er fast ein bisschen zu laut für meinen Geschmack.
"Willi!" rief er über seine Schulter hinweg. "Kannst du auf den Stand aufpassen? Ich... muss kurz weg..."
Ein bulliger Mann mittleren Alters kam mit einem grantigen Gesichtsausdruck aus der Gasse hinter dem Stand und sah zuerst Peter, dann mich und dann wieder Peter an.
Peter nickte freudig und ich sah, wie sich Willis Laune schlagartig besserte. Er war wohl auch einer der Rebellen, auch wenn ich mich nicht erinnern konnte ihn in dem Lager gesehen zu haben.
"Kommt!" wand Peter sich dann wieder mir zu und führte mich zu seinem alten Pferdekarren. Ich dachte daran wie ich mit Sei dort gesessen hatte und die Erinnerung an ihn traf mich wie ein Sperr ins Herz - aber schon im nächsten Moment schob ich die innerlichen Bilder zur Seite. Es gab keinen besseren Weg als um ihn zu trauern als seine Mörder zur Strecke zu bringen - und dafür durfte ich mir keine Fehler oder Träumereien erlauben!
Ich stieg hinten auf die Kutsche, die sich im nächsten Augenblick in Bewegung setzte - offensichtlich konnte Peter es genauso wenig erwarten mich zu Grete zu bringen wie ich es konnte zu ihr zu gelangen.
Natürlich hätte ich auch versuchen können Angelos alleine zu bekämpfen, aber trotz Hevshire wäre das ein sehr riskantes und gefährliches Unterfangen gewesen. Es war nicht auszuschließen, dass er einen Weg finden würde ein gefallenes Schwert zu besiegen, wenn er zu früh dahinter kommen würde, dass ich eines besaß. Im Moment hatte ich ja dafür gesorgt keine Spuren zu hinterlassen und auch Crystalins Leiche sah nicht anders aus als wenn sie von einem normalen Schwert getötet worden wäre. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war mein Trumpf also noch geheim - und ich war drauf bedacht, dass Angelos erst so spät wie möglich von ihm erfahren würde!
Plötzlich hielten wir mitten im Wald vor einer Felsformation an und Peter sprang von dem Fahrersitz. Er schnappte sich die Zügel und machte sich auf zu den Steinen. Plötzlich entdeckte ich einen Spalt im Gestein auf den wir zusteuerten. Als wir unter der Erde verschwunden waren entzündete er eine Fakel und langsam fuhr die Kutsche den schmalen Weg entlang. Ab und ab musste ich meinen Kopf einziehen, damit ich mir selbigen nicht an herunterstehenden Felszapfen stieß und das Tropfen von kleinen Wasserläufen erzeugte eine gespenstige Atmosphäre, wie ich sie nicht mehr erlebt hatte seitdem ich Satos verlassen hatte. Mir wurde mal wieder schmerzhaft bewusst wie sehr ich meine Heimat vermisste...
Endlich tauchte vor uns eine Türe auf und Peter ließ die Zügel los und machte sich dorthin auf. Ich stieg ebenfalls ab und folgte ihm.
Nachdem er geklopft hatte wurde ein Augenschlitz aufgeschoben und jemand baffte heraus: "Wer ist da?"
"Ich bin es, Peter!" erklärte mein Begleiter hastig. "Ich muss sofort zu Mutter Grete! Ich habe die... die Prinzessin gefunden!"
Naja, eigentlich habe ich ja dich gefunden... aber wir wollen nicht so genau sein!
Es polterte auf der anderen Seite der Türe und Sekunden später wurde sie aufgerissen. Der Wächter, der im Türrahmen stand, musterte mich mit großen Augen und ich nahm meinen Umhang ab um damit alle Zweifel zu beseitigen.
"Kommt schnell!" schloss er als er erkannte, dass Peter Recht hatte und wir folgten ihn durch die unterirdischen Gänge. Ob der massiven Gestalt des Wächters sprangen alle Menschen in unserem Weg praktisch zur Seite und bevor sie noch einen guten Blick auf uns werfen konnten waren wir schon weiter. Es dauerte nur gefüllte Sekunden bis wir in einen großen Saal landeten, in dem offensichtlich gerade eine wichtige Versammlung stattfand. Ich konnte Mutter Grete entdecken, die in der Mitte auf einem Podest stand und eindringlich auf die Menge einzureden schien.
Hier hatte selbst der Hühne von einem Wächter Probleme durchzukommen, deswegen erhob er einfach seine Stimme und schrie: "Mutter Grete! Mutter Grete! Die Prinzessin lebt - Peter hat sie gefunden!"
Im nächsten Moment wand sich nicht nur eine zutiefst erstaunte Grete in unsere Richtung sondern auch die ganze Gesellschaft drehte sich zu uns um und starrte mich ungläubig an.
"Esmeralda! Kind!" fand Grete als erstes ihre Worte wieder und ich versuche ob der Bezeichnung „Kind“ nicht die Augen zu verdrehen. "Was für ein Glück... komm her und lass dich anschauen!"
Die Menge teilte sich um mich durch zu lassen und ich stieg zu ihr auf das Podest.
"Wir dachten, wir hätten euch für immer verloren nachdem die Befreiung am Kristallsee fehlgeschlagen und Sei nicht zurückgekehrt war..." begann sie zu erläutern.
"...er war so verzweifelt, nachdem er - und Peter..." - als sie seinen Namen erwähnte blickte sie ihn leicht griesgrämig aus dem Augenwinkel an - "... euch in der Hauptstadt verloren hatten."
Als ich einen kurzen Blick in Peters Richtung riskierte, wurde mir klar, dass er wohl für meine Gefangenahme in der Hauptstadt mit verantwortlich gemacht worden war. Deswegen hatte er es also so aussehen lassen, als ob er mich gefunden hätte - das war seine Chance, seinen Ruf reinzuwaschen...
"Aber nun, da wir euch zurück bekommen haben, ist alles gut!" schloss sie, aber dann fiel ihr etwas auf. "Aber wo ist denn Sei?"
Ich schluckte und dann antwortete ich: "Er... er ist tot... er wurde auf unserer Flucht von dem Pfeil eines Engels getroffen..."
Grete schien ehrlich betrübt auch wenn ich glaubte, dass sie nur um seine Fähigkeiten und nicht um ihn als Person trauerte.
"Ihr Arme, ich weiß, wie schwer das für euch ist... wir alle haben schon Freunde und Familie an diese Engel verloren!" erklärte sie.
Ich konnte ein paar Leute aus dem Augenwinkel nicken sehen, aber ich ließ mir nichts anmerken - ihr Mitleid war das Letzte, was ich wollte!
"Aber es gibt noch eine weitere - viel bessere - Neuigkeit..." erklärte ich während ich Hevshire unter meiner Kleidung hervorzog.
Grete riss ihre Augen auf als sie Hevshires neue Form sah.
"Ist das..." stammelte sie.
"Ja!" antwortete ich. "Ein gefallenes Engelschwert - gestärkt von dem Hass und dem Blut der Halbprinzessin! Es ist nun gegen Engel so mächtige wie Engelsmagie gegen Dämonen..." "Die perfekte Waffe..." hauchte sie als sie Hevshire betrachtete.
Im Raum war es komplett still bis sich Grete wieder fing und erneut an die Masse richtete.
"Meine lieben Brüder und Schwestern! Unsere Gebete wurden erhört!" verkündete sie. "Die Prophezeiung hat sich erfüllt! Die Zwielichtkönigin hat ihre volle Macht erlangt und die Engel werden fallen!" Ein tosendes Freudengeschrei brach in der Menge aus und die Menschen begannen zu rufen: "Zwielichtkönigin! Zwielichtkönigin Esmerlda!"
Ich hatte zwar damit gerechnet, dass ihre Freude groß sein würde - aber dass sie mich so feiern würden - nein, das hatte ich nicht geahnt! Es verschlug mir den Atem und ich fühlte mich für eine Sekunde zu meiner Vermählung mit Alon zurückversetzt, als ich genauso gefeiert wurde. Nur dieses Mal war etwas anders – dieses Mal hatte ich es mir selbst erarbeitet! Ein Gefühl der Macht durchströmte mich – wahrer Macht!

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Structure

Heute hab ich mal ein Nail-Art für euch, dessen Besonderheit in Bilder gar nicht einzufangen ist - den hier geht es mehr um "Fühlen" als um "Sehen". Dazu habe ich jedem Nagel ein anderes Fishish verliehen, so dass sich kein Nagel gleich anfühl. Von Plüsch über Sand bis Matt ist alles dabei... ;-)

Verwendet:
Essence "Fun Fair" LE Nail Polish "01 You're mint-blowing"
Dance Legend Nail Polish "10 Serpent Tempter"
p2 Crisp + Color Polish "070 Cool Milkshake"
Essence "Fun Fair" Cotton Candy Nails Puder "02 Sugar for my honey!"
Essie "Matte about you" Topcoat

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Best of Cooking

Seitdem ich meine neue - und vor allem große - Küche habe, ist es viel lustiger zu Kochen. Der Geschirrspüler tut sein übriges und so habe ich in letzter Zeit viele Sachen gekocht und auch gebacken - hier nun ein kleiner Auszug aus meinen Küchenabenteuern!

Hühnerschnitzel in Taco-Kruste und Steakfries

Hühnerleber und Birnen in Preiselbeer-Teriyaki an dunklem Salat

Salat-Tacos mit Avocado-Sauce

Asiatischer Kartoffel-Rinds-Eintopf

Salat mit gebackenen Seitling und Wasabi-Eiern

Futo-Maki

Kürbis-Kokossuppe

Kern-Dinkel-Brot mit Chia

Apfel-Blätterteig-Rosen

Und, kocht ihr auch gerne? :-)

Dienstag, 6. Oktober 2015

Kuro got a kiss from a Rose...

Nachdem wir bei unserem Umzug nur Kuro, aber nicht Luna (die im Gegensatz zu Kuro der Mutter meines Freundes gehört) mitnehmen durften, brauchten wir natürlich eine neue Freundin für Kuro. Nach längerem Suchen durfte dann Rose bei uns einziehen - sie ist ebenfalls aus dem Tierschutz (eine Straßenkatze aus Bulgarien) und mit ihren 2 Jahren nur ein paar Monate jünger als Kuro. Die Zwei haben sich gegenseitig sehr schnell ins Herz geschlossen, schon nach einem (!) Tag haben sie miteinander gekuschelt... und stellen nun gemeinsam gerne unser Leben auf den Kopf. ;-)

Röschen hat auch den Spitznamen "Haarley Plüsch" - eine Anspielung auf "Harley Quinn" aus Batman (und auf "Haar" - sie ist nämlich sehr pülschig, grad jetzt im Winter ist sie ein Mini-Teddy). Einserseits wegen ihrer zweifärbigen Schnauze, zum Anderen... weil es einfach zu ihr passt! ;-)

Sie liebt es Kuro zu putzen, der ist allerdings nur mäßig davon begeistert. Am Anfang lässt er es sich gefallen und putzt auch zurück... aber irgendwann - wenn er schon waschelnass geschleckt ist - stolziert er dann meist beleidigt davon. :-D

Madam ist auch sehr verspielt und hüpft und springt leidenschaftlich gerne durch die Wohnung (und den gesicherten Balkon) - sehr ladylike ist sie dabei allerdings nicht. ;-)

Ich bin froh, dass wir sie gefunden haben und ich hab sie schon fest in mein Herz geschlossen! :-)

Dienstag, 1. September 2015

11. Der rote Tempel

Der Wind fuhr durch mein Haar als ich den Wald schließlich hinter mir lies und den Hügel vor mir hinaufstieg. Tage waren seit meiner Flucht... und Seis Tod... vergangen. Tage, in denen ich durch den Wald gewandert war und gehofft hatte, nicht entdeckt zu werden damit sein Opfer zumindest nicht komplett sinnlos gewesen war.
Und Tage, in denen meine einst weiße Robe immer mehr verdreckte und zerriss. Von dem engelhaften Aussehen war nicht viel übrig geblieben, mein Hochsteck-Frisur hatte ich sofort gelöst und meine langen Haare stramm zusammengebunden, damit sie nicht in allen Ästen und Zweigen hängen blieben. Aus dem gleichen Grund hatte ich alle unnötigen, flatternden Teile meines Kleides einfach abgerissen, was mein schäbiges Aussehen noch unterstrich. Ich war wirklich froh, dass die Mode hier flache Sandalen vorschrieb, denn in den hohen Schuhen, die in Yasha üblich waren, hätte ich es nie durch die Wildnis geschafft - selbst wenn diese so gezähmt war wie hier.
Endlich hatte ich den Kamm erklommen und die weite Ebene breitete sich vor mir aus. Die untergehende Sonne tauchte sie in ein rötliches Licht und ließ das große, kristallene Gebäude in der Mitte der Landschaft wie Flammen leuchten. Ein Seufzer der Erleichterung verließ meine Lippen - ich hatte tatsächlich den richtigen Weg gefunden obwohl die Orientierung im Wand - und die Wegbeschreibung, die ich hatte - denkbar schlecht waren. Trotzdem hatte ich es zum Haupttempel geschafft - dem Ort, an dem ich meine Rache beginnen würde!
Langsam machte ich mich an den Abstieg - ich musste vorsichtig sein, denn auf der offener Fläche gab es keinen Platz, an dem ich mich im Notfall hätte verstecken können. Und noch konnte ich mich auch nicht im Schutz der Nacht verbergen - denn mein Zeitplan war straff. Ich musste es wieder hinaus geschafft haben bevor die Sonne erneut aufging - würde ich zu lange warten, würde ich bei Tagesanbruch im Tempel festsitzen und dann wäre ein Fluch sicher fast unmöglich!
Vorsichtig bewegte ich mich vorwärts und schlich immer durch den Teil der Wiesen an dem die Gräser am höchsten und dichtesten waren. Langsam verwandelte sich das Rot der Dämmerung in ein Violett als die Häuser rund um den Tempel in Sichtweite kamen. Nun wanderte ich geduckt weiter und zum Glück gab es hier und da doch einen Strauch hinter dem ich mich verbergen konnte.
Ich schlich mich von hinten an die Hütten heran und konnte mein Glück gar nicht fassen, als ich im Hinterhof eines der Gebäude zum Trocknen herausgehängte Wäsche entdeckte. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass niemand in der Nähe war schnappte ich ein paar Kleidungsstücke von der Leine und machte mich davon.
Ein paar Seitenstraßen weiter begutachtete ich meine Beute - ein einfaches Kleid und ein Tuch, dass als kleiner Umhang taugte.
Genau das, was ich brauche!
Schnell zog ich mich in einer abgeschiedenen Ecke um und versteckte mein altes Kleid unter einem Heuhaufen. Ich warf mir den Umhang über den Kopf und machte mich zur geschäftigen Hauptstraße auf, wo ich mich unbemerkt der Masse von Pilgern anschloss, die selbst zu solch später Stunde noch zum Tempel drängten.
Mir zog sich der Magen zusammen, als ich plötzlich die Soldaten beim Eingang entdeckte und hoffte inständig, dass sie nicht zu genau kontrollieren und mich so enttarnen würden. Doch es sah so aus, als ob sie aufgrund der Masse der Menschen wohl den einzelnen nicht besonders viel Aufmerksamkeit schenken und Leute einfach durchmarschieren lassen würden.
Endlich war ich bei der Tür als mich plötzlich eine grobe Stimme hörte und es mir im selben Moment eiskalt dem Rücken hinunter lief.
"Hey, du..." motzte einer der Wächter mich an. "...im Haus der Engel ist das Bedecken des Kopfes verboten! Nimm sofort deinen Umhang ab!"
Ich schluckte und meine Gedanken überschlugen sich.
Was soll ich nur tun?
Aber sofort war mir klar, dass ich keine andere Wahl hatte als seinem Befehl Folge zu leisten - schließlich befand ich mich eingeschlossen in der immer weiter vorwärts drängenden Menschenmenge und somit wäre jeder Fluchtversuch zwecklos gewesen. Also blieb mir nichts anderes übrig als zu hoffen, dass er mich nicht erkennen würde...
Behutsam zog ich den Umhang von meinem Kopf und ließ ihn auf meine Schultern gleiten während mich die Masse weiterzog. Ich wartete nun drauf, dass er etwas sagen würde, aber als ich vorsichtig in Richtung des Ritters linste, bemerkte ich, dass er mich nicht mehr ansah - offensichtlich hatte es ihm gereicht zu sehen, wie ich das Tuch abnahm und nun interessierte er sich nicht weiter für mich. Erleichtert seufzte ich als ich es durch den Eingang geschafft hatte und in die große Vorhalle trat, wo sich selbst die vielen Menschen, die hier rein wollten, verloren.
Der ganze Saal wurde von einer schier unendlichen Anzahl von Säulen gestützt und in der Mitte standen verschiedene Altare und Statuen, die sich um einen riesigen Hauptaltar in der Mitte reihten, zu dem sich die meisten Gläubigen aufmachten. Ich ließ mich etwas von ihnen mittreiben und sah mich dabei unauffällig um - der ganze Komplex war bis ins kleinste Detail mit Gold, Kristall und hellem Marmor prunkvoll verziert worden sodass im Vergleich sogar das Schloss teilweise schlicht gewirkt hatte. Es fanden sich viel verschiedene Symbole, deren Bedeutung sich mir nicht erschloss sowie Abbilder von Heiligen, die ich nicht kannte, unter der Dekorationen - aber aufgrund der Menschentrauben vor den Bildern konnte ich ahnen wer wichtiger und er nicht ganz so bedeutend war.
Doch das Objekt meiner Begierde hatte ich nicht entdecken können und so wuchs mein Frust langsam aber deutlich immer weiter an. Sofort versuchte ich das Gefühl zu unterdrücken, denn ich war mir sicher, dass es hier irgendwo war! Schließlich hatte Angelos bei einem Abendessen verkündet, dass er Hevshire in den Haupttempel hatte bringen lassen würde, da er der Meinung war, das wäre der beste Ort für so ein bedeutendes Schwert... damals hatte mich das natürlich entsetzt, weil es so für mich noch viel schwerer erschien, es je wieder zurückzubekommen. Doch nun war ich froh, dass es nicht mehr in seinem Schloss war – denn dort konnte ich auf keinen Fall zurück!
Plötzlich fiel mir in einer kleine, etwas abgeschottet Ecke eine Tür auf, aus der zwei Priesterinnen kamen, die auf dem Weg zu einem Altar waren - sie beachten die Menschen um sich herum gar nicht, so beschäftigt waren sie mit den Artefakten, die sie in ihren Händen trugen. Ich schaute mich schnell um, ob mich jemand beobachtete - aber auch die Pilger waren zu sehr mit Gebeten beschäftigt als ihren Mitmenschen Beachtung zu schenken, also nutzte ich die Chance und drückte mich schnell durch die Tür bevor diese wieder zu ging.
Ich hörte, wie sie hinter mir klickend ins Schloss fiel und im nächsten Moment war es komplett still - noch stiller als in der Gebetshalle, aus der ich gerade kam. Hier war weit und breit keiner zu sehen - die Einzigen, die mich vorwurfsvoll zu beobachten schienen waren die Heiligenstatuen, die den Gang, den ich entlang zu schleichen begann, säumten.
Eine Weile wanderte ich so umher und traute mich dabei kaum zu atmen, denn ich hatte das Gefühl, das jeder Atemzug laut in den Gewölben über mir wiederhallte, auch wenn ich wusste, dass das nur meine eigene Angst war. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was mir blühte, sollte mich jemand hier erwischen...
Schließlich ging der Korridor in einige große Halle über und als ich mich vorsichtig hineinbewegte machte mein Herz einen kleinen Sprung. In der Mitte des Saals stand ein großes Podest - und auf diesen gebetet stand eine verzierten Ständer, der mein Hevshire hielt!
Ich musste einen Freudenschrei unterdrücken und vergaß fast meine Vorsicht als ich hin lief um mir mein Schwert endlich zurückzuholen. Zitternde vor freudiger Erregung streckte ich meine Hand danach aus als ich hinter mir eine vertraute Stimme hörte.
"Du hast hier nichts zu suchen! Nur Priester dürfen in diese Hallen betreten!!" donnerte Crystalin hinter mir und ich drehte mich reflexartig zu ihr um. Ihre Augen weitet sich als sie mich erkannte und es dauerte ein paar Sekunden bis sie ihre Sprache wiederfand.
"Prinzessin... Esmeralda?" fragte sie erstaunt. "Man sagte mir, ihr seid tot... das euch die Rebellen entführt und dann ins Meer gestoßen hatten!"
Sie versuchte es zu verbergen, aber ich konnte die Enttäuschung in ihrer Stimme hören. Hätte ich nicht für sie genauso eine Abneigung empfunden wie sie offensichtlich für mich, dann wäre ich fast beleidigt gewesen.
Ich nutzte ihre Verblüffung und nahm Hevshire von seinem Platz. Ich konnte die Verwirrung sich in ihren Augen spiegeln sehen, als verstand sie nicht, was hier vor sich ging.
"Nun, ich glaube, Ihr habt da etwas falsch verstanden..." begann ich lächelnd. "Die Rebellen haben mich nicht entführt - sie haben mich zu befreit!"
Ich konnte es förmlich in ihrem Kopf rattern hören und schließlich schloss sie kurz die Augen und schüttelte den Kopf - als sie mich wieder ansah lag pure Verachtung in ihrem Blick.
"Ich wusste von dem ersten Augenblick, an dem ich Euch sah, dass mit Euch etwas nicht stimmt!" schoss sie mir wie Pfeile entgegen. "Mein Vater ist einfach zu gutgläubig..."
"Aber ich muss zugeben, ich hätte euch für schlauer gehalten..." fuhr sie in überheblichem Ton fort. "...habt Ihr wirklich geglaubt, Ihr könntet hier einfach reinspazieren und unbemerkt mit Hevshire entkommen?"
"Und nun habt ihr euch noch mir gegenüber verraten..." redete sie weiter als ich keine Miene bewegte. "...selbst dem dümmsten Menschen sollte klar sein, dass auf euer Verbrechen eine Strafe steht, die das Ertrinken im Meer im Vergleich wie ein Geschenk wirken lässt."
Langsam hob ich Hevshire und lächelte sie dabei finster an: "Ich musste nur unbemerkt hier herein kommen - nun, wo ich Hevshire habe, brauche ich mich nicht mehr zu verstecken..."
Sie blinzelte mich einige Sekunden ungläubig an und brach dann in schallendem Gelächter aus während sie ein paar Schritte auf mich zukam.
"Das ist ein Engelschwert, seine Magie kann einem Engel nichts anhaben... das ihr nicht einmal das wisst!" lachte sie währendes sie dabei mitleidig den Kopf schüttelte.
Ich ging ebenfalls auf sie zu und blickte ihr tief in die Augen während ich antwortete: "Stimmt, seine Magie ist gegen Euch machtlos... aber es ist trotz allem noch ein Schwert aus Gold und... Stahl!"
Mit dem letzten Wort rammte ich ihr Hevshire tief in die Brust sodass seine Spitze auf ihrem Rücken wieder austrat. Sie sah mich mit vor Schrecken geweiteten Augen an und wollte etwas sagen, doch das Einzige, was ihren Mund verließ war Blut. Eine Sekunde fragte ich mich, ob ich auch so ausgesehen hatte, als ich mein erstes Leben verlor, aber ich schob die Erinnerung sofort wieder beiseite. Das war weder die Zeit noch der Ort um sentimental zu werden!
Mit einem Ruck zog ich das Schwert aus ihr heraus und ihr Körper fiel wie ein nasser Sack zu Boden - zuerst sah sie mich voller Hass und Verachtung an, doch dann verschwand das Leben aus ihren Augen und im nächsten Moment wurde ihr Blick glasig und leer. Ihr Blut breitete sich in einer immer größer werdenden Lack am Boden aus und tropfte von Hevshire auf den edlen Marmor.
Plötzlich spürte ich das Schwert in meiner Hand pulsieren - ich sah es an und bemerkte, wie das Blut sich auszubreiten begann. Als es die ganze Klinge benetzte wurde es von dem Schwert aufgesogen, das im selben Moment düster zu leuchten anfing. Das Gold verfärbte sich gräulich und der Stahl wurde immer dunkler - die Verzierungen bewegten sich plötzlich und ihre Form verzerrete sich langsam. Die fröhlichen Engelsgesichter verfielen zu Totenköpfen und die Blätter der Rosen wurden zu Dornen - aber die größte Veränderung, die ich spürte, war die Kraft des Schwertes selbst! Es war nicht mehr sie leichte und sanfte Magie der Engel - es war eine dunkle, fast dämonische Energie, die nun von der Waffe ausging!
Als die Verwandlung vollzogen war verschwand das Leuchten langsam und ich starrte mein Schwert an - so, wie es nun aussah, hätte es in Alon's Waffenkammer hängen können! Und doch war es anders als ein Dämonenschwert... man konnte seine edle Abstammung immer noch erkennen, es war... als wäre das Schwert selbst gefallen!
Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen - genau das war es nun: Ein gefallenes Engelsschwert!
Ich hätte mich im nächsten Moment fast selber ohrfeigen mögen - Alles machte Sinn! Was für eine größere Sünde hätte es geben können als einen Engel - oder Halbengel in dem Fall - zu töten?! Wenn man davon nicht fiel, wovon sonst? Crystalins Hass hatte die Wirkung wahrscheinlich sogar noch verstärkt...
Im nächsten Moment jedoch wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als ich das Stampfen von schweren Schritten hörte - plötzlich standen zwei Soldaten in der Halle und starrten ihre tote Prinzessin an.
"Hohepristerin Crystalin!" schrie der eine entsetzt während der andere mich mit tiefsten Hass anstarrt.
"Mörderin!!" jaulte er und zog sein Schwert als er auf mich zustürmte.
Mehr aus Reflex als wirklich darüber nachzudenken schwang ich Hevshire in Verteidigungposition - und riss ob der Wirkung erstaunt Mund und Augen auf!
Das Schwert erzeugte eine gewaltige Druckwelle, die gleich beide Soldaten zu Staub zerfallen lies und Crystalins leblosen Körper durch den gesamten Raum schleuderte. Ein paar Sekunden starrte ich mein Schwert ungläubig an bis sich ein finsteres Grinsen in meinem Gesicht ausbreitete. Das gefallene Engelsschwert hatte auf Engel offensichtlich die gleiche Wirkung, die es zuvor auf Dämonen hatte!
Nun, ich glaube, ich habe das perfekte Werkzeug für meine Rache gefunden...

Sonntag, 26. Juli 2015

Exotisches Hühnergeschnetzeltes

In meiner neuen Küche ist das Kochen aufgrund der Platzverhältnisse um einiges lustiger, daher wage ich mich wieder öfter an die Kochtöpfe. Ein neues Pezept, dass ich gerne mag, ist ein asiatisch/indisch angehauchtes Hühnergeschnetzeltes, das ich heute mit euch teilen möchte!

Zutaten für 4 Personen:
500g Hühnerfleisch
500g gefrorene Sojabohnen oder Zuckerschoten
400g Kokosmilch
3 Stiele Koriander (oder 2 EL TK-Koriander)
1 Zwiebel
1 Stamperl Rum
2 EL Sojasauce
2 EL Avjar scharf (oder mild und dazu Chili/Tabasco-Sauce nach Geschmack)
100 ml Wasser
Knoblauch (TK oder eine frische Zehe)
Salz, Pfeffer, Ingwergewürz

Zubereitung:
Hühnerfleisch in Stücke schneiden und mit etwas Salz und Ingwer würzen (gut durchmischen). Zwiebel (und eventuell Knoblauch) klein würfeln und Koriander von den Stielen zupfen und haken (entfällt beim TK-Koriander natürlich). Sojabohnen oder Zuckerschotten etwas antauen lassen und dann kurz mit heißem Wasser abschrecken.
In einer heißen Pfanne zuerst Zwiebel und Knoblauch anschwitzen, dann das Hühnerfleisch dazugeben und scharf anbraten. Dann mit Kokosmilch, Rum und Wasser ablöschen, Avjar und Sojasauce einrühren und die Sojabohnen/Zuckerschoten dazu geben.
Das Ganze solange kochen bis die gewünschte Sämigkeit (ca. 5-10 Minuten) erreicht ist, nach Geschmack würzen und zusammen mit einer Beilage (z.B. Reis) servieren.

Guten Appetit!

Donnerstag, 23. Juli 2015

Aphrodite

Doch, doch - mich gibt's noch (:-D)! Allerdings hab ich ein ziemlich turbulentes Jahr hinter mir - ich bin mit meinem Freund zusammen gezogen (und leider sind wir immer noch nicht ganz fertig mit der Wohnung fertig *hust*), ich hab einen neuen Job und auch sonst ist mir nicht fad geworden. Da ist für Hobbies (wie auch der Blog eines ist) einfach keine Zeit mehr gewesen... aber so langsam normalisiert sich wieder alles und ich hoffe, dass ich dann wieder öfter hier posten und vorallem meine Stories weiterschreiben kann! Als Erstes gibt es mal was von den Nägeln, denen die Lack-Auszeit wirklich gut getan hat, die wachsen iM nämlich wie verrückt. :-o

Verwendet:
Diamond Cosmetics Nagellack "256 Seafoam Spray"
Douglas Glitter Topcoat "Greek Princess"