Montag, 30. Dezember 2013

Paris, Andalusien und New York!

Was haben diese drei Orte gemeinsam? Ganz genau, alle drei habe ich dieses Jahr bereist und möchte euch jetzt als Jahresrückblick ein paar meiner Lieblingsfotos zeigen. :-)

Paris - In die Stadt der Liebe bin ich Anfang Juni mit meiner besten Freundin gefahren - unser Hauptziel war jedoch nicht die Stadt selbst (wo wir nur einen Tag verbracht haben) sonder Disneyland. Damit haben wir zwei uns einen Kinheitstraum erfüllt und ja, das war's wert. ;-)

Andalusien - Mitte Oktober waren mein Freund und ich dann auf einer Andalusien-Rundreise - wir haben uns da für eine geführte Reise entschieden, weil man dort ohne Auto aufgeschmissen wäre. Wir haben so viel gesehen, nur leider sind wir etwas durchgehetzt worden. Trotzdem war es wunderschön und ich muss sagen, Andalusien ist der schönste Fleck Erde, den ich bis jetzt gesehen habe (auch wenn ich im Sommer nicht dort sein wollen würde).

New York - Wie ja schon angekündigt habe ich Weihnachten dieses Jahr zusammen mit meinem Bruder in New York verbracht. Für mich war es das erste Mal, dass ich Europa verlassen habe und so weit gereist bin - eine sehr interessante Erfahrung auch, diese Stadt im Winter zu sehen, vor allem der Central Park am Weihnachtsmorgen hatte trotz fehlendem Schnee seine ganz eigene Magie.

Wo seid ihr dieses Jahr überall gewesen? :-)

Und natürlich einen guten Rutsch und ein frohes Jahr 2014!!!

Dienstag, 24. Dezember 2013

3. Das unbekannte Land

Behutsam versuchte ich die Augen zu öffnen und spuckte sofort heftig Salzwasser aus. Mühsam rollte ich mich auf eine Seite, während ich innerlich wegen der Prellungen, die ich mir zugezogen hatte, fluchte.
Ich versuchte die Schmerzen zu ignorieren und mich auf meine anderen Sinne zu konzentrieren. Verschwommen erkannte ich, dass ich auf etwas Weichen und Hellem lag. Ich blinzelte ein paar Mal und schließlich begriff ich, dass es sich dabei um Sand handelte.
Langsam kehrte auch mein Gehör zurück und ich vernahm das leise Rauschen von Wellen. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob es an meinen eingeschränkten Sinnen lag, aber dann wurde mir bewusst, dass es nicht dieselben Wellen waren, die mich verschlungen hatten, sondern nur ein sanftes Brausen, das am Ufer leckte.
Erst da wurde mir das Wunder, das mir gerade zu Teil wurde, wirklich bewusst – ich hatte überlebt und noch besser, wir hatten Land gefunden! Und mit einem Schlag wurde mir bewusst, dass ich keine Ahnung hatte, was aus Sei geworden war. Mühsam versuchte ich mich aufzurichten und sah mich um.
Tatsächlich, ein paar Meter entfernt sah ich eine Gestalt im Sand liegen, deren langes Haar mir verdächtig bekannt vorkam.
Langsam robbte ich in seine Richtung und als ich schließlich bei ihm war, schüttelte ich ihn.
„Sei!“ krächzte ich und merkte wie wund mein Hals durch das Salzwasser geworden war. Aber noch immer rührte er sich nicht. Er war doch nicht etwa…? Nein, das durfte nicht sein, das konnte nicht sein! Wenn sogar ich, ein gewöhnlicher Mensch, das überlebt hatte, so sollte das für einen Halbdämon doch nicht der Rede wert sein, oder?
Ich schüttelte ihn verzweifelt weiter und wimmerte nun schon: „Sei!
Was soll ich nun tun? Ganz alleine in der Fremde?
Endlich vernahm ich eine Bewegung seiner Hand und schließlich öffnete er blinzelnd die Augen.
„Herrin?“ krächzte er und hörte sich genauso schlimm an wie ich es von mir vermutete.
„Ja.“ antwortete ich erleichtert während er sich langsam aufrichtete.
Nun hatte ich endlich Nerven dafür meine Umgebung wahr zu nehmen. Ich blickte über das türkisblaue, offene Meer, das nun friedlich und ruhig wirkte, ganz anders als die dunkle, stürmische See, die uns in der vergangenen Nacht fast verschlungen hatte. Der feine Sand, auf dem wir saßen, glitzerte wie Juwelen in der Sonne und spiegelte sich in dem Wasser, das immer wieder sanft gegen den Strand klatschte.
Vorsichtig drehte ich mich um und erkannte, dass sich hinter uns eine blühende Wiese befand. Lauter verschiedene, exotische Pflanzen reihten sich nebeneinander und bildeten ein buntes, duftendes Meer. Der Wind, der die Düfte zu mir trug, fühlte sich warm auf meiner Haut an und ich hatte das Gefühl, als würde er mich sanft streicheln.
Plötzlich merkte ich, wie Sei neben mir aufstand und misstrauisch in die Ferne hinter der Wiese schaute. Behutsam folgte ich seinem Beispiel, aber ich konnte die Quelle für eine Beunruhigung nicht erkennen. Im Gegenteil, es ging genauso wunderschön weiter, wie es begonnen hatte – am Ende der Wiese war ein kleines Wäldchen. Hell und in sattem, lebensfreundlichem Grün und nicht so düster und bedrohlich wie die, die ich aus meiner Heimat kannte.
Langsam begann ich durch die Wiese zu wandern und Sei folgte mir zögerlich. Auf einmal hörte ich ein sanftes Plätschern, dass sich von dem der Wellen unterschied und ich wusste sofort, was das bedeutete: Ein Bach! Und damit Trinkwasser!
Obwohl mein Körper so ausgezerrt war begann ich zu Laufen und wirklich, aus dem Wäldchen trat ein kleines Flüsschen hervor. Ich stürzte mich an sein Ufer, tauchte begierig meine Hände hinein und trank. Sei war hinter mir aufgetaucht und tat das Gleiche, allerdings viel zögerlicher.
Was war bloß los mit ihm? Wieso freute er sich nicht? Wir waren beide noch am Leben und noch viel besser, wir hatten Land gefunden – ein Land, das wie das Paradies aussah! Mit einem Mal fuhr mir ein Schreck durch die Knochen. Ich sah mich nochmal genau um – das friedvolle Wäldchen, die blühende Wiese, der kristallene Sand, die ruhige See… ich kannte diese Fauna und Flora!
Einst, nach meinem Tod, als ich in den Himmel auffuhr… dort sah es genauso aus! Die gleichen Blumen, dieselbe, friedliche Stille… waren wir also am Ende doch Tod?!
Nein, das konnte nicht sein – nach allem, was ich getan hatte, wäre ich nie in den Himmel gelangt. Und Sei als Halbdämon erst recht nicht – zudem wurde man nicht an die Ufer des Himmels geschwemmt. Und Schmerzen hatte man auch keine mehr! Wieso also sah es hier dann so ähnlich auf? Und war das etwa der Grund, wieso Sei so misstrauisch war? Nein, das konnte nicht sein, woher sollte er auch wissen wie der Himmel aussah? Dämonen würde er für immer verwehrt bleiben, das hatte mir Alon einst deutlich erklärt!
Trotzdem, ich beschloss auch etwas vorsichtiger zu sein und so tasteten wir uns nach einer kurzen Rast unter einem Baum weiter durch den Wald. Zu trinken hatten wir zwar genug gehabt, aber meine letzte Mahlzeit schien eine Ewigkeit her und ich merkte, wie der Hunger an meinen Kräften zerrte.
Sicherheitshalber blieben wir trotzdem in Hörweite des Baches – schließlich hatten wir all unsere Ausrüstung, wenn man von Hevshire, das ich niemals ablegte, absah im Schiff zurückgelassen. Auch Sei hatte nur ein Schwert bei sich, aber nichts, womit man hätte Wasser transportieren können.
Langsam begann sich der Wald zu lichten und in der Ferne erkannten wir so etwas wie Häuser! Ich war so erleichtert, dass ich all meine Vorsicht vergaß und sofort los gelaufen wäre, wenn Sei mich nicht zurückgehalten hätte.
„Wartet!“ zischte er. „Wir haben keine Ahnung, was das für Leute sind und ob sie uns gegenüber Wohlwollen zeigen würden!“
Ausnahmsweise musste ich mir eingestehen, dass er Recht hatte. Wir waren in der Fremde und wussten nichts über die Gebräuche der Leute und die Gefahren, die hier lauerten. Zudem würde es wahrscheinlich eher einen bedrohlichen Eindruck machen, wenn eine Fremde mit einem Schwert an ihrer Hüfte auf sie zugelaufen kam.
Also schlichen wir uns bis zum Rand des Waldes und hielten von dort Aussicht. Auf einem Feld vor einem der Bauernhäuser sahen wir einen älteren Mann und seine Frau emsig arbeiten. Er zog mit seinem Esel, der einen Pflug zog, Rinnen in die Erde und sie streute danach Samen hinein. Mit anderen Worten: Ganz normale Bauersleute, die ihre Ernte bestellten. Nichts, vor dem wir hätten Angst haben müssen!
Doch plötzlich hörten wir Hufgetrampel und sahen, wie zwei Reiter den Weg hinunter kamen. Sie waren in schwere, goldene Rüstung gekleidet und das weiße Fell ihrer Pferde schimmerte fast im Sonenlicht. Ich spürte, wie Sei sich neben mir verkrampfte als würde er Schmerzen leiden, aber er sagte nichts. Und ich wagte es nicht ihn anzusprechen, zu groß war meine Befürchtung entdeckt zu werden.
Die berittenen Soldaten hielten vor den Bauersleuten, die im selben Moment total verschreckt wirkten. Es wurden ein paar Worte gewechselt, die ich jedoch nicht verstand, da sie zu weit weg waren. Ich sah nur, dass die Frau eifrig den Kopf schüttelte und der Mann sich keinen Zentimeter rührte. Dann ritten die Soldaten weiter den Weg entlang und ich sah, wie erleichtert das Pärchen war, als sie verschwanden.
Ich jedoch war ganz und gar nicht erleichtert – denn der Weg führte direkt in unsere Richtung! Und wenn schon die Einwohner hier offensichtlich Angst vor diesen Gestalten hatten, dann wäre es für uns beide sicher ganz und gar nicht gut von ihnen entdeckt zu werden.
Sei hatte offensichtlich den gleichen Gedanken und wir duckten uns tiefer, auch wenn das Wäldchen leider kaum Bodenwuchs hatte, aber was blieb uns über als zu hoffen, dass es ausreichen würde?
Und wie es aussah hatten wir Glück, denn sie ritten direkt an uns vorüber, bis einer der beiden plötzlich stehen bleib und sich zurück in unsere Richtung wandte. Reflexartig hielt ich die Luft an, aber es war zu spät.
„Wer ist da?“ schrie der Ritter. „Zeig dich, Feigling!“
Geistesgegenwärtig packte mich Sei am Handgelenk und begann in Richtung des Dorfes zu laufen. So lange wir uns noch im Wald hielten, würden sie uns schwerer folgen können, doch ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie uns erwischten. Trotzdem würde ich nicht aufgeben – ich hatte auch gar keine andere Wahl, denn Sei ließ nicht locker und gab ein strenges Tempo vor und ich musste alle Kraft, die in meinem geschunden Körper noch über war, dazu einsetzten mit ihm mithalten zu können.
Das Hufgetrampel hinter uns wurde immer lauter und ich machte mich drauf gefasst, jeden Moment gepackt zu werden, als Sei eine scharfe Kurze machte und direkt in das Dorf hineinlief. Wir sausten zwischen zwei Karren hindurch und verschwanden zwischen eng zusammenstehenden Häusern. Immer wieder bog Sei im Zickzack um Häuserecken und versuchte so unsere Verfolger abzuschütteln.
Doch so leicht gaben sie nicht auf – ich riskierte einen Blick über meine Schulter und sah, dass sie uns noch immer folgten. Es war aussichtlos, denn lang würden wir – besonders ich – dieses Tempo nicht mehr durchhalten können. Ich war kurz davor einfach nur mehr zu Boden zu fallen und mich meinem Schicksal zu ergeben, als wir aus einer Gasse eine leise Stimme hörten.
„Schnell, hier her!“ rief sie und eine Hand winke uns zu.
Sei zögerte eine Sekunde, weil er der Sache nicht traute, aber was für eine Wahl hatten wir? Er folgte der Stimme und sah, dass die Gestalt, die uns gerufen hatte, in einem Keller verschwand. Sofort folgten wir und im nächsten Moment wurde die Tür hinter uns zugeschlagen.
Keuchend brach ich am Boden zusammen und hoffte einfach, dass wir nun in Sicherheit wären. Sei hielt immer noch mein Handgelenk und ich sah ihm an, dass er sich nicht sicher war, ob er mich gegen das, was draußen auf uns wartete oder gegen das, was im Keller lauerte, verteidigen sollte, also stelle er sich möglichst nah neben mich.
Langsam war ich wieder etwas zu Atem gekommen und sah mich in dem Keller um, in der Hoffnung unseren Retter zu entdecken. Aber ich entdecke noch viel mehr, einen ganzen Haufen von Leuten, die uns genauso gespannt ansahen wie wir sie.
Wo, in aller Welt, waren wir da nur hineingeraten?

Frohes Nicht-Weihnachten!

Hallo meine Lieben, wenn ihr das lest bin ich gerade in New York um dort Weihnachten zu verbringen! Ja, ich habe endlich meinen Traum wahr gemacht und bin über Weihnachten weg gefahren - und noch dazu nach NY, wo ich schon seit ich als Kind "Kevin allein in New York" gesehen habe, immer zu Weihnachten hin wollte!

Trotzdem wollte ich es nicht versäumen euch schöne Nicht-Weihnachtsgrüße da zu lassen und wir lesen uns noch im alten Jahr, weil am 28.12. bin ich wieder da!

P.s.: Ist es eigentlich DAS Nicht-Weihnachten (von DAS Nichts) oder DIE Nicht-Weihnachten, ich hab mich für Ersteres entschieden, das hört sich besser an, finde ich. *grübel*

P.p.s.: Heute um 12 Uhr geht auch noch der Weihnachts-Extra-Teil von "Durch die Finsternis" online! Viel Spaß! :-)

Sonntag, 1. Dezember 2013

2. Der schwere Sturm

Die kleine Lampe, die an der Decke meiner Kabine befestigt war, schaukelte unruhig hin und her und ich hatte das Gefühl, als würde sie versuchen mich zu hypnotisieren. Ich wand meinen Blick seufzend ab und stand von dem Stuhl, der bei meinem kleinen Tischchen stand, auf.
Es waren schon mehrere Wochen vergangen seitdem wir aufgebrochen waren und es war immer noch kein Land in Sicht. Sei wurde mit jedem Tag, der verging unruhiger und ich wusste, dass er sich überlegte um zu drehen, doch er würde es nicht wagen, so offen gegen meinen Befehl – und damit auch gegen seinen Schwur – zu verstoßen.
Aber es würde nicht mehr lange dauern, bis er seine Gedanken offen ansprach, schließlich waren unsere Vorräte schon fast zur Hälfte aufgebraucht und bald wäre es zu spät noch kehrt zu machen. Das war auch der Grund, wieso ich mich in den letzten Tagen in meine Kajüte zurückgezogen hatte, obwohl ich die braunen Balken, die in dem Dämmerlicht aussahen wie Ungeheuer, schon gar nicht mehr sehen konnte. Zu groß war meine Befürchtung, dass er sich ein Herz fassen und mich offen auf unsere schlechte Situation ansprechen würde.
Doch es half nichts, ich konnte ihm nicht ewig aus dem Weg gehen und außerdem hatte ich langsam Hunger. Also machte ich mich durch die schaukelnden Gänge auf zur Schiffsküche, wo ich hoffte, noch etwas vom Eintopf des Vortags zu finden. Ich öffnete die quietschende Tür, nahm mir etwas von dem dicklichem Gebräu und dazu ein Stückchen Brot, das inzwischen schon recht hart geworden war. Ich seufzte erneut als ich das geschmacklose Zeug herunterwürgte und musste kurz an die fabelhaften Tafel in Yasha denken, die immer so über und über mit Köstlichkeiten beladen waren, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen sollte zu essen. Ich nahm an, dass es auch nur an Alons Magie gelegen hatte, dass ich nicht auseinander gegangen bin wie ein Germteig.
Schnell schüttelte ich den Kopf um diese Gedanken zu vertreiben – ich hatte jetzt wirklich andere Probleme als der Vergangenheit nach zu weinen, besonders dann, wenn es nur ums Essen ging!
Ich wusch meine Schale und mein Besteck in etwas bereitgestelltem Salzwasser und machte mich dann auf den Weg an Deck um mich Sei zu stellen. Das würde kein angenehmes Gespräch werden, soviel war sicher – aber umso eher ich es hinter mich brachte umso besser.
Ich fand ihn – wie immer hinter dem Steuerrad und seine eiserne Miene war gegen den Horizont gewandt, wo wir schon seit Tagen hofften Land zu sehen.
„Sei…“ begann ich, nachdem ich mich neben ihn gestellt hatte. „…ich weiß, was du denkst, aber ich glaube immer noch, dass wir den Kontinent finden werden, wir dürfen bloß die Hoffnung nicht aufgeben!“
Sei rührte keine Miene und die Stille wurde nur durch das Rauschen der Wellen und das Flattern der Segel durchbrochen. Fast hätte ich gedacht, er hatte mich gar nicht und wollte ihn erneut ansprechen, als er schließlich schnaufte: „Hoffnung?
Er sah mich grantig an und setzte fort: „Worauf? Dass uns ein Sturm versenkt bevor wir hier draußen elendig verhungern?“
„Sei!“ pfauchte ich ihn an und stemmte wütend die Hände in die Hüfte. „Wie kannst du so was sagen? Das ist nicht lustig!“
„Nun, das war auch nicht lustig gemeint! Das ist die bittere…“ setzte er an, aber weiter kam er nicht, denn plötzlich wurden wir von einem heftigem Ruck fast umgeworfen.
„Was war das…?“ fragte ich und im nächsten Moment kam ein zweiter Ruck, wenn auch nicht ganz so fest.
Ich schaute über das Geländer und fand sofort den Grund für das Geschüttelte: Große Wellen brachen an der Schiffswand und schubsten uns hin und her wie ein kleines Stöckchen. Reflexartig sahen Sei und ich hinter uns und rissen beide entsetzt die Augen auf: Der Himmel hinter uns war schwarz - aber nicht, weil langsam die Nacht herein brach, sondern weil sich dort tatsächlich ein Sturm zusammen braute!
Blitze schossen dort ins Wasser und ich spürte, wie der Wind langsam stärker wurde – das Unwetter kam direkt auf uns zu! Hilfesuchen sah ich zu Sei auf – normal hätte ich es nicht lassen können, ihm um die Ohren zu schmieren, dass er es verschrien hatte, aber die Worte blieben mir in Anbetracht der Gefahr im Hals stecken.
„Geht unter Deck!“ befahl Sei. „Und macht alle Feuer aus!“
Er scherte sich überhaupt nicht darum, dass es eigentlich ich bin, die ihm Befehle erteilen konnte und genau das zeigte mir, wie ernst die Lage wirklich war. Ohne Widerworte folgte ich seinen Worten und begab mich zuerst in die Küche, wo ich das Kochfeuer mit dem Kübel Salzwasser löschte.
Dann erinnerte ich mich an meine kleine Lampe, die vergessen hatte aus zu machen, als ich meine Kabine verließ und stolperte in diese Richtung. Immer wieder und immer stärkere wurde ich gegen eine Seite der Gänge gestoßen und merkte so, dass der Sturm schnell näher kam – viel zu schnell.
Endlich erreichte ich meine Kajüte und sah, dass meine Lampe bedrohlich hin und her schaukelte und kurz davor war hinunter zu fallen. Schnell griff ich nach ihr und hätte mir dabei um ein Haar die Hand verbrannt. Gerade noch rechtzeitig konnte ich sie ausmachen, als ein noch viel stärkerer Stoß kam und mich und die Lampe zu Boden beförderte, die daraufhin in tausend Teile zerbrach.
Verzweifelt rappelte ich mich auf und versuchte irgendwie auf die Füße zu kommen, doch die Wellen kamen immer schneller und stärker. Endlich schaffte ich es irgendwie auf zu stehen und machte mich weiter auf den Suche nach evtl. noch übersehen Brandgefahren, wurde jedoch nach ein paar Metern wieder nieder geschleudert.
Ich wollte mich wieder hochhangeln, als ich plötzlich Feuchtigkeit um meine Füße spürte. Entsetzt drehte ich mich um und sah, dass aus der anderen Richtung des Gangs langsamer aber sicher immer mehr Wasser in meine Richtung schwappte. Das Schiff war leck!
Sofort sprang ich auf und ignorierte die Schmerzen, als es mich immer wieder gegen die Wände und auf den Boden schleuderte – ich musste zu Sei, koste es was es wolle! Ich machte einen kurzen Seufzer der Erleichterung als ich endlich wieder bei der Küche angekommen war, denn von hier aus war es nur noch eine kurze Strecke bis an Deck.
„Sei!“ rief ich, aber meine Stimme ging in den Knacken der Holzbalken und dem hereinströmenden Heulen des Windes unter.
Also kämpfte ich mich weiter vor, hielt mich am Geländer der Treppe fest und zog mich so in Freie. Der Wind riss augenblicklich an mir und ich musste mich mit all meiner Kraft fest klammern um nicht davon und in die wütende See getragen zu werden. Der Regen und die spritzenden Wellen durchnässten mich in Sekunden als ich den ersten Schritt an Deck setzte und ließen meine tiefschwarze Kleidung an meinem Körper kleben. Einen Augenblick verschwendete ich drauf, dankbar dafür zu sein, eine Hose, Stiefel, eine Bluse und ein Korsett zu tragen und nicht die weite, ausladende Kleidung, die man bei Hof trug. Dann suchte ich durch zusammengekniffene Augen das Deck nach Sei ab und war über die Lage hier oben noch mehr geschockt als über das Leck unten. Riesige Wellen türmten sich auf und fegten immer und immer wieder über uns hinweg. Ein Blitz nach dem anderen schoss ins Meer und erleuchtete so den tiefschwarze, schwer bewölkte Himmel. Das Tosen der See dröhnte in meinen Ohren und vermischte sich mit dem Heulen des Windes und dem Prasseln des Regens.
„Sei!“ schrie ich erneut so laut ich konnte da ich ihn nirgends entdeckt hatte und nahm hinter mir eine Bewegung war. Er war immer noch auf der Brücke und klammerte sich an das Steuerrad, während er verzweifelt mit all seiner Magie versuchte das Schiff irgendwie unter Kontrolle zu halten, als er mich schließlich entdeckte.
„Herrin!“ schrie er geschockt durch den Sturm. „Was macht ihr hier oben?!“
„Das Schiff…“ brüllte ich ihm verzweifelt zu während mir Gicht ins Gesicht spritzte. „…es …es ist leck!“
Ich hätte nicht geglaubt, dass sein Gesichtsausdruck noch verzweifelter sein konnte, aber er wurde es tatsächlich, dann versuchte er sich wieder zu fassen.
„Wo?“ fragte er nur und hangelte sich zu mir hinunter.
„Ich weiß es nicht genau!“ antwortete ich panisch. „Auf einmal schwappte Wasser durch die Gänge…“
Sei versuchte es zu verbergen, aber ich merkte, wie ihn das traf – wenn schon Wasser durch die Gänge lief, dann war das Leck wahrscheinlich viel zu groß um es noch zu reparieren – selbst mit Magie! Plötzlich erstarrte Sei und ich wanderte seinem entsetzten Blick nach – direkt zum dem Abgang hinter mir, wo das Wasser langsam zu steigen begann.
„Sei!“ schrie ich entsetzt und spürte in nächsten Moment, wie er mich am Arm packte.
„Zu dem Rettungsboot!“ brüllte er und schleppte sich mit einer Hand an einem Geländer fest haltend, das andere um mein Handgelenk geschlossen zu dem Rettungsboot.
Wir hatten es fast erreicht, als auf einmal eine noch viel riesigere Welle über uns hinwegbrach und uns mit schleuderte als wären wir Blätter im Wind.
Ich spürte, wie ich umhergewirbelt wurde und schließlich ins tosende Meer eintauchte. Der Aufprall drückte mir sämtliche Luft aus den Lungen und ich versuchte verzweifelt an die Oberfläche zu gelangen, aber die Strudel drückten mich immer tiefer.
Plötzlich wurde ich mit einem Ruck in die Höhe gehoben und mein Kopf brach durch die Wasseroberfläche und ich holte tief Luft. Danach wurde mir bewusst, was – oder besser gesagt – wer mich gerettet hatte: Sie hielt immer noch mein Handgelenk und versuchte verzweifelt uns ober Wasser zu halten.
Doch im nächsten Moment schon kam die nächste große Welle, noch größer als zuvor und drückte uns unter Wasser, immer tiefer und tiefer, bis ich schließlich nicht mehr wusste wo unten und wo oben war. Verzweifelt versuchte ich in irgendeine Richtung zu strampeln, aber die See zog mich in die Tiefe und beschwerte meine Glieder schließlich so sehr, dass ich ihr nichts mehr entgegen setzen konnte.
Das ist es also, mein Ende? Dafür hatte ich all das durchgestanden? Dafür hatte ich Alon verlassen? Wie sinnlos…
Doch es war zu spät, meine Lider fielen mir zu und schließlich wurde alles schwarz…