Dienstag, 1. Oktober 2013

Prolog

„Was?“ schrie Sei mir fast ins Ohr. „Das ist nicht euer Ernst, oder?“
Das Pferd, auf dem wir saßen, wurde von seinem Gebrüll ganz unruhig und ich musste die Zügel etwas anziehen, damit es nicht mit uns über die Klippe direkt ins Meer sprang.
Mit einer hochgezogen Braue drehte ich mich zu Sei um und sah ihn mit meinen smaragdgrünen Augen herausfordernd an. „Hast du nicht gerade noch behauptet, du würdest mir überall hin folgen?“ fragte ich arrogant. „Ihr Halbdämonen seid wohl doch wankelmütig…“
„Das hat nichts damit zu tun, Herrin!“ schnaufte er beleidigt. „Aber… wer weiß, was auf der anderen Seite des Meeres – wenn es denn eine andere Seite überhaupt gibt – liegt? Niemand, der versucht hat es herauszufinden, ist je zurückgekehrt!“
„Ich weiß es.“ antwortete ich schlicht und kühl, während ich meinen Blick wieder auf das Meer richtete.
„Mein Vater, der König, wusste, dass er auch mit Hevshire nur geringe Chancen hatte, dauerhaft gegen Alon zu gewinnen, also machte er einen Notfallplan. Er schickte seine Boten über das Meer und ging eine Allianz mit dem dortigen Herrscher ein, der uns dann Hilfe schicken oder zumindest Zuflucht gewähren sollte.“
Einige Zeit schwieg Sei bevor er – nun deutlich ruhiger – fortfuhr: „Ich verstehe… aber, bei allem Respekt, Herrin, glaubt ihr, nach über 2000 Jahren erinnert sich dort jemand noch an eure Allianz? Und wenn ja, wie wollt ihr erklären, dass ihr… nun, immer noch… lebt? Die Lebenspanne eines Menschen habt ihr bei Weitem überschritten.“
Ich lachte kurz auf und antwortete ihm dann, während ich ihm neckend in die Augen sah: „Natürlich nicht! Das würde ich auch gar nicht wollen, schließlich war ein Teil des Paktes zwischen unseren Reichen, dass ich den Herrscher dort – wahrscheinlich irgendein alter Knacker – hätte heiraten sollen. Aber es heißt, dass dort ein Land ist, auf das Alon keinen Einfluss hat, ja, noch nicht mal ahnt, dass es existiert – ein Land, wo wir uns in Frieden niederlassen können!“
„Hmm…“ machte Sei und ich sah ihm an, dass er immer noch nicht ganz überzeugt war. „Aber was, wenn der Kontinent inzwischen untergangen ist? Man hat seit damals nichts mehr von dort gehört…“
„Ich nehme an, sie waren schlau genug, ihre Existenz zu vertuschen, nachdem sie mitbekommen hatte, was Alon uns angetan hatte. Schlafende Hunde weckt man ja besser nicht…“ antwortete ich ihm kühn.
„Trotzdem, ein solches Risiko…“ setzte er dagegen.
„Pff.“ Machte ich mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass du solch ein Feigling bist!“
„Ich bin kein Feigling!“ brauste er erneut auf. „Ich mache mir nur Sorgen um euch! Ich kann nicht zulassen, dass ihr euch auf solch eine Selbstmordaktion begebt!“
„Wenn es die Leute meines Vater hin und wieder Retour geschafft haben, dann schaffen wir das aber locker!“ erwiderte ich. „Davon abgesehen, was für Alternativen haben wir sonst? Wenn wir hier bleiben, wird uns Alon auf ewig jagen, wir werden niemals Frieden finden! Und wer auch immer so lebensmüde sein sollte, uns Zuflucht zu gewähren, wird unter seinem Zorn leiden müssen! Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche!“
Ich atmete ein paar Mal tief durch um mich zu beruhigen und wieder verging einige Zeit der Stille. Dabei sah ich die verschiedensten Emotionen über Seis Gesicht wandern: Von Wut, Sorge und Verzweiflung war alles dabei und jede davon spiegelte sich auch in seinen violetten Augen wieder. Schließlich seufzte er und sah mich resigniert an.
„Und wie gedenkt ihr eigentlich, dort hin zu kommen?“ fragte er nun abgeschlagen und gestand damit seine Niederlage ein.
„Mit einem Schiff natürlich.“ antwortete ich als wäre es das natürlichste auf der Welt.
Er zog eine beleidigte Schnute und fragte: „Ja, und wo sollen wir eines herbekommen?“
„Na, wir kapern eines.“ schlug ich vor und zuckte dabei mit den Schultern.
„Wenn sich nur Menschen auf dem Schiff befinden, sollte das für dich kein Problem sein.“ erläuterte ich weiter. „Und wenn es Dämonen sind…“ – reflexartig strich ich über mein Engelschwert Hevshire und grinste bösartig – „…noch besser!“
Damit gab ich unserem Pferd die Sporen und ließ die schwarze See, über der sich nicht mal die Sterne spiegelten, hinter uns. Leise verschwanden wir im Wald und machten damit die ersten Schritte auf einer Reise, deren Ende wir nicht einmal in unseren Albträumen hätten erahnen können…

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na, die Überraschung ist Dir ja voll gelungen!!!
Jetzt bin ich natürlich - wie immer - gespannt, wie es weitergeht und wie Du die Geschichte zu Ende bringen wirst. :-D

Ich freu mich! Wie wild! :-D

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Wie immer verrate ich nichts. ;-D

*knuddel*

Anonym hat gesagt…

wieder sehr sehr spannend!

heute war ich wieder ganz inmitten der finsternis und nun geht's weiter durch die finsternis.

ich freu mich auf die weiteren folgen :-)
glg bigs

Chinda-chan hat gesagt…

Danke! *blume*

Ach ja, ihr hattet heute ja Staatsfeiertag. In Ö fällt der dieses Mal leider auf einen SA. T.T

Am 1.11. ist es so weit. ;-)