Donnerstag, 23. August 2012

11. Love and Death

Reflexartig fuhr sich der junge CEO langsam mit den Fingern über die Lippen während er in den Abgrund vor sich blickte, in dem Kira verschwunden war. Er spürte ihren Kuss immer noch – so leidenschaftlich und fordernd und doch auch so zärtlich und voller Schmerz. Aber es war nicht ihr Kuss alleine, der ihn so versteinert hatte – auch die Tatsache, dass sie bereit war, ihr Leben einfach so für ihn zu opfern nachdem sie alles geben hatte um nicht zu streben.
Nein, würde es nicht enden - er schüttelte den Kopf um seine Starre zu lösen und hielt nach einem Abgang Ausschau, schließlich konnte er sich nicht so wie sie in die Tiefe schleudern. Am Rand des Geländers fand er auch eine kleine Leiter und machte sich an den Abstieg. Über ein paar Plateaus und andere Treppen musste er sich den Weg nach unten kämpfen – und obwohl er immer schneller wurde, nur hin und wieder durch kleine Hindernisse abgebremst, war ihm klar, dass seine Zeit knapper wurde.
Endlich unten angekommen rannte gegen Zentrum und wusste schon nach ein paar Metern, dass er am richtigen Weg war – Kira hatte eine Blutspur hinterlassen, allerdings nicht mit ihrem eigenen Blut… noch nicht.
Plötzlich sah er in der Ferne eine Gestalt auf sich zukommen und Erleichterung überkam ihn, als er seinen kleinen Bruder erkannte – er war am Leben und wohl auf!
„Ni-sama!“ schrie dieser und warf sich ihm in die Arme.
„Mokuba… bist du ok?“ fragte er perplex während er seinen Bruder an den Schultern hielt und sich zu ihm runter beugte.
„Ja!“ nickte dieser eifrig. „Kira-san hat mich befreit und…“
„Wo ist sie?!“ fuhr sein großer Bruder ihm über den Mund und Mokuba war leicht erschrocken über seine Impulsivität.
„Sie… sie hat gemeint ich solle dich suchen, sie hätte noch was zu erledigen und käme nach…“ stotterte er überfordert.
Wie er es befürchtet hatte – Kira hatte Mokuba eine Lüge aufgetischt damit er nicht versuchen würde sie an ihrem Märtyrer-Tod zu hindern.
„Ni-sama?“ fragte Mokuba vorsichtig und schaute in das Gesicht seines Bruders um zu sehen, dass dessen Augen in die Ferne gerichtet waren und folgte seinem Blick – es war die Richtung, in die Kira verschwunden war. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass es etwas nicht stimmte – nein, eigentlich hatte er das Gefühl schon, als sie ihn losgeschickt hatte um Seto zu suchen.
„Ni-sama… sie kommt nicht zurück, oder?“ fragte er schließlich und mit einem Ziehen in seinem Herzen wurde ihm bewusst, dass es stimmte – vielleicht auch deswegen, weil sich der Druck der Hände auf seiner Schulter bei der Frage kurz verstärkte.
Dann stand der CEO auf und sagte ohne seine Bruder anzusehen: „Lauf zum Ausgang, Mokuba – es sollten keine Wachen mehr unterwegs sein…“ – der Alarm hatte sie sicher aus dem Gebäude getrieben, schließlich würden auch sie nicht bei der Explosion sterben wollen – „…sei aber trotzdem vorsichtig – wir treffen uns da!“
„Ni-sama…“ antwortete der jüngere Bruder unsicher, er hörte das an dem Tag schon zum zweiten Mal, nickte aber mit einem „…ok.“, schließlich wollte er seinem Bruder vertrauen.
Seto hörte wie sich die Schritte Mokubas Schritte entfernten und machte sich wieder auf in die Richtung, in der Kira vermutete – er rannte so schnell er konnte, als er plötzlich von einer Erschütterung von den Beinen gerissen wurde und nur mit Not einer Wand, die auf ihn herunterstürzte, ausweichen konnte.
„Kira!“ keuchte er, als ihm bewusst wurde, dass er zu spät war – sie hatte die innere Bombe zur Detonation gebracht, denn die 30 Minuten waren noch nicht um und die Erschütterung war für alle 5 Bomben nicht stark genug gewesen.
Er zog sich wieder auf die Beine und machte sich weiter zum Zentrum auf – bevor er ihre Leiche nicht gesehen hatte, würde er sie nicht aufgeben! Den Gedanken, dass nicht genug von ihr übrig geblieben sein könnte, dass er überhaupt etwas fand, versuchte er zu verdrängen.
Nachdem er sich über einige Trümmer gekämpft hatte und Löchern in Boden ausgewichen war, entdeckte er am Ende des Ganges eine Tür, die aus den Angeln gerissen und verkohlt war – der Eingang zum Hauptcomputer-Raum, dort musste sie sein!
Er trat auf die Brücke, die wie durch ein Wunder großteils verschont geblieben war und seine Augen weiteten sich als er die Verwüstung sah – kaum ein Stein war auf dem anderen geblieben, die Einzelteile des Computers lange auf der ganzen mittleren Plattform verstreut, dazwischen Trümmer, große und kleine Glassplitter und verkohlte Leichen und Leichen…teile.
Frustriert senkte er den Kopf und ballte seine Hände zu Fäusten – eine… oder mehre dieser verbrannten Körper oder Körperteile musste Kira sein, er würde wahrscheinlich nicht mal herausfinden können welcher…
Plötzlich fiel sein Blick auf etwas Helles im Graben links neben der Brücke und als er genauer hinsah erkannte er Kiras platinblondes Haar. Sie lag zwischen den Trümmern und Blut floss aus zahlreichen Wunden, besonders eine in ihrem Bauch, in der ein großer Glassplitter steckte.
Sein Herz schlug schneller und schnell schaute er sich nach einem Weg zum Grund des Grabens um und fand eine kleine Treppe am Rand der Brücke, die er hinab sprintete. Er stürzte an ihre Seite und versuchte ihren Puls zu fühlen, als er sah, wie sich ihre Brust ganz leicht hob und senkte – sie lebte!
Langsam hob er sie an, worauf ihre Augen zu flattern begannen und sie ihn mit trübem Blick ansah.
„Seto…?“ fragte sie und ihre Stimme hörte sich verwaschen an, er hörte die Anstrengung, die ihr das Reden kostete. „Why? I… I should be in hell… I don’t… don’t deserve… heaven…“
Sie hält mich für einen Engel?!
„You’re not dead…and you won’t die! I won’t let you!“ antwortete er ihr bestimmt und glaubte mit jedem Wort dran.
Ihr Blick klärte sich etwas, als ob sie sich ihre Situation bewusst würde: „After everthing you know about me… you should hate me…“
Sie glaubte, er würde sie hassen?! Sie hatte ja keine Ahnung… doch bevor er etwas antworten konnte, fielen ihre Augen wieder zu, doch ihre Brust hob und senkte sich nach wie vor langsam.
„Hold on! I don’t allow you to die – you belong to me!” sagte er energisch, mehr zu sich selbst als zu ihr, denn sie war ohnehin nicht bei Bewusstsein und hob sie mit einem Ruck hoch.
Mit der jungen Frau in seinen Armen machte er sich auf den Rückweg, so schnell er konnte – es war nicht einfach, die Trümmer versperrten ihn den Weg und ohne Hände war es noch viel schwerer durch diesen Parcour zu kommen. Doch nicht eine einzige Sekunde dachte er dran aufzugeben und sie zurückzulassen. Es schien ihm genauso unmöglich wie es gewesen ihm wäre, Mokuba im Stich zu lassen.
Umso weiter er sich vorkämpfte umso weniger wurde glücklicherweise auch die Verwüstung und er kam schneller voran, bis nur noch ein paar Risse in den Wänden und etwas Unordnung an die Explosion erinnerten… und ein großes Loch in der Außenmauer?
Ihm wurde sofort bewusst, dass dieses einen anderen Ursprung haben musste, denn darum herum waren keine Spuren der Explosion zu sehen. Eigentlich hätte ihn das alarmieren müssen, doch er hatte keine Zeit vorsichtig zu sein – der Durchbruch führte direkt nach draußen und er würde unnötig Zeit vergeuden, wenn er einen anderen Ausgang suchte!
Als er unter freiem Himmel trat, erkannte er, dass er sich nicht weit weg von der Stelle befand, wo Kira gegen den Helikopter gekämpft hatte – seine Trümmer lange ein Stück rechts von ihm am Grund des Grabens, wo er sich nun auch befand. Wie zum Donner sollte er da rauf kommen? Kira und er hatte sich über ein Seil, das inzwischen ohnehin gerissen war, viele Meter über ihrem jetzigen Standort hinüber gleiten lassen… und wo war eigentlich Mokuba?
Plötzlich schrie jemand von links her seinen Namen und er sah, dass der Gesuchte dort von einem intakten Helikopter her angerannt kam – zusammen mit einer schwer bewaffneten Soldatin!
Reflexartig drehte er sich um, als hinter sich eine Bewegung ausmachte und vor sich zwei weitere Soldaten sah – verdammt, sie waren soweit gekommen nur um hier von den Überresten von Petersons Armee getötet zu werden?!
Er knirschte die Zähne zusammen – was konnte er jetzt noch tun? Gegen 3 bis an die Zähne bewaffnete Soldaten hatte er wohl kaum eine Chance… umso überraschter war er, als einer der beiden Soldaten, ein großer, kräftiger Mann, braungebrannter mit Muskel wie ein Bodybilder und einem Band um seine Stirn sowie unzähligen Narben im Gesicht, vor ihm salutierte.
„Mr. Kaiba, Ser, Miss Kira called us to escort you!“ sagte er dabei und als er ihren Namen erwähnte wanderte sein Blick kurz zu der verletzten Frau in den Armen des CEOs.
Er sah zu Kira hinab und im wurde schlagartig bewusst, dass Kira von Anfang an geahnt hatte, dass sie das hier nicht heil rauskommen würde!
Inzwischen war auch die Soldatin mit den kurzen, knallroten Haaren und der dunkelbraunen Haut zusammen mit Mokuba aufgetaucht und stellte nüchtern doch mit einem bedauernden Unterton fest: „Seem‘s like this time she had bite off a little bit more than she could chew…“
Einen Augenblick sah sie Kira noch an, dann hatte sich der CEO gefasst und forderte: „Bring me to the next hospital - immediately!“
Der große Soldat und die Soldatin schauten ungläubig, als hätten sie keine Hoffnung, dass Kira noch zur retten war, sagten aber nix und machten sich zusammen mit Mokuba, dem der Schock bezüglich Kiras zustand ins Gesicht geschrieben stand, auf zum Helikopter. Nur der dritte Soldat, ein schlacker, eher hellhäutiger Mann mit schwarz, glatten Haaren, die er im Nacken zusammengebunden hatte, zeigte sich von all dem uninteressiert und stapfte ausdruckslos hinter den anderen her.
Zu der Erleichterung des CEOs befand sich in dem Helikopter eine Barre, auf der er Kira ablegen konnte und schon im nächsten Moment hoben sie ab. Geschickt flog sie der große Soldat, der sich zwischenzeitlich als Joe vorstellte, über die Ruine. Er stellte auch noch die anderen zwei vor – Mia und Alex, die jedoch ihm Gegensatz zu ihrem bärenhaften Kollegen sehr schweigsam waren.
Endlich erreichten sie die Stadt und landeten am Hubschrauberplatz des Krankenhauses – sofort wurde die Barre mit Kira drauf von den Sanitätern übernommen und der CEO rannte mit ihnen die Gänge des Spitals entlang, bis sie den OP-Raum erreichten, vor dem er warten musste.
Durch ein Glasfenster hindurch beobachte er die Ärzte, die hektisch um sie herum hantierten, ihr eine Blutkonserve anhängten und versuchten, die Splitter aus ihrem Körper zu entfernen. Er merkte nicht, wie Mokuba und die drei Soldaten an seine Seite traten und ihn traurig beobachteten.
Die Zacken, die an einem der Monitore Kiras Herzschlag symbolisierte wurde immer kleiner und schließlich verwandelte sie sich in eine gerade Linie, die von einem monotonen Klang begleitet wurde.
Seto Kaiba ballte die Fäuste und schlug gegen die Glaswand während er schrie: „Kira!!!“
Mokuba beobachtete seinen Bruder, der auf seine Knie gerutscht war und flüsterte – zu leise, um von irgendjemand gehört zu werden: „Du hast sie geliebt, nicht war, Ni-sama…?“

Dienstag, 21. August 2012

Nachgebaut: Sportelicious "Innen und Aussen" Kollektion

Vor kurzem hat Paddy von Innen und Aussen ein cooles Gewinnspiel veranstaltet (das ich irgendwie übersehen hatte ^^"), wobei mal selbst eine Nagellack-Kollektion gestalten sollte. Da waren echt einige tolle Sachen dabei, besonders der Beitrag von Sportelicious hat mir super gefallen - so gut, dass ich ihn sogar nachmachen musste. ;-)

VLNR Essence Colour&Go "25 Glisten up!", Essence Colour&Go "136 Loves Recipe" + Essie "Matte about you",
Nubar "Green Tea" + Essence "Jungle Queen" LE "02 Jungle Princess"


100% ist es nicht geworden, ich hab leider nur einen ganz matten TC (Kann es sein, dass der semi-matte von Essence raus geht? Hab ihn heute nicht gefunden!) und Glitter-Stäbchen hab ich auch nur in Pink (mit grünen Lacken bin ich eher schlecht aufgestellt), trotzdem bin ich recht zufrieden. :-)

P.s.: "He's so flauschig"
fand ich auch ganz toll, Viskose-Flocken (die sind feiner als Samtpuder) sind in grau und schwarz schon auf dem Weg zu mir (bestellt hab ich sie schon vorher, den Trend gibt es ja schon etwas länger). ;-)

Donnerstag, 16. August 2012

Victorian Punk

Heute hab ich mal wieder ein MU für euch - eines, dass ich schon länger machen wollte, aber irgendwie nie Zeit und Muse hatte. Nun, was lange währt wird endlich... naja, gut. Ganz zufrieden bin ich damit nicht, vor allem, weil meine Haut leider immer noch rumspinnt. Diesen Sommer ist es wirklich schlimm. Ach ja, zu dem Farbhaarspray hab ich eine etwas geteilte Meinung - es ist zwar insofern toll, dass es wirklich selbst meine Haare rötlich färbt (sieht man in echt viel stärker als am Foto!), aber ich hatte es in der ganze Wohnung, selbst auf dem Rotorblättern vom Ventilator (Zumindest geht es aber einfach wieder runter und lässt sich auch gut auswaschen...).

Verwendet:
Keralock Color Hair Spray "Radical Red"
M.A.C Quad "Diana Eyes 2"
Essence Black Mania Carbon Black Eye Pencil
M.A.C Beauty Powder "Shell Pearl
Uma Permaent Lip Duo "03 Salt & Pepper"

Dienstag, 14. August 2012

Bruschetta

Ich liebe Tomaten - auch Tomatensalat und daher mag ich auch Bruschetta recht gerne. Bis jetzt hab ich noch nie welches selbst gemacht (Im Nachhinein frag ich mich echt, wieso!), aber nachdem ich noch einen Haufen Tomaten zu verbrauchen und ein Aufbackbaguette im Kühlschrank hatte, habe ich mich dran gewagt. Das Ergebnis war sehr lecker, leicht und sommerlich - und ich möchte deswegen mein Rezept mit euch teilen. ;-)

Zutaten für 6 Brötchen:
6 kleine oder 4 große Tomaten
1/2 Zwiebel
1 EL Honig
1 EL Olivenöl
2 EL Essig
1 Prise Salz
1 EL Italienische Kräuter
1 Knoblauchbaguette zum Aufbacken

Zubereitung:
Backrohr für das Baguette vorheizen (siehe Packungsanleitung). Tomaten zuerst in Achterl schneiden und dann die Achterl nochmal in kleine Stücke schneiden (ca. 1x1cm groß). Kerne nach Belieben entfernen und die Tomaten in eine Schüssel geben. Nun die Zwiebel klein hacken und hinzugeben. Dann Essig, Öl, Honig, Salz und Kräuter dazumischen und gut umrühren. Baguette aufbacken (laut Packungsanleitung) und das Bruschetta im Kühlschrank ziehen lassen. Das Baguette auskühlen lassen und in Stücke schneiden. Bruschetta abseihen und auf den Brötchen verteilen – fertig.

Gute Appedit!

Donnerstag, 9. August 2012

Labello "Vitamin Shake" Acai & Wilder Apfel

Erinnert ihr euch noch, wie ich euch letztes Jahr vom Labello "Vitamin Shake" Preiselbeere & Himbeere berichtet habe? Nun gibt es eine weitere Sorte (nachder ich damals sogar gefragt wurde, ich nehme also an, dass es die wo anders schon länger gibt), nämlich Acai & Wilder Apfel, die ich euch hier vorstellen möchte.

Nachdem ich die andere Sorte ja schon sehr gerne mochte, habe ich mich sehr gefreut, dass mir diese zum Testen zugeschickt wurde (Danke!) und hab sie natürlich gleich ausprobieren müssen. Was mir als Erstes aufgefallen ist, ist dass der Pflegestift leider deutlich schwächer duftet (leicht nach Apfel und Beeren) als meinem anderen Vitamin Shake. Das finde ich wirklich schade, gerade den Duft fand ich beim Preiselbeere & Himbeere wirklich toll.

Sonst ist der Stift seinem Kollegen sehr ähnlich und fühlt sich auf dem Lippen genauso toll an. Wie man sieht ist die Tönung der Stifte etwas anders, der Preiselbeere & Himbeere ist rötlicher und wärmer, während der Acai & Wilder Apfel in Richtung Pink/Lila und Kühl geht.

Fazit: Ein guter Pflegestift mit leichter, hübscher Tönung, dieses Mal eher für kühle Farbtypen - der schwache Duft ist für mich ein Minuspunkt, wem das aber nicht stört (oder vielleicht sogar leichten Duft bevorzugt), kann hier bedenkenlos zugreifen. Kosten soll er ca. 2,99 Euro und ist ab September im Handel erhältlich.

Der Labello "Vitamin Shake" Acai & Wilder Apfel wurde mir kosten- und bedingungslos zum Testen zur Verfügung gestellt.

Mittwoch, 1. August 2012

10. Die wütende Flucht

Überraschung traf mich wie ein Hieb, als ich die Person erkannte, die in meiner geöffneten Zellentür stand.
„Sei!“ rief ich erstaunt, doch im nächsten Moment überkam mich eine unglaubliche Wut – er war an all dem Schuld und hatte sich dann auch noch aus dem Staub gemacht, dieser Verräter!
„Was machst du hier?!“ zischte ich böse.
Er sah verwundert aus, als wäre das nicht die Reaktion, die er erwartet hatte und während er sich an den Schlössern meiner Ketten zu schaffen machte, antwortet er mit einer Stimme, die verriet wie selbstverständlich er das fand: „Na, euch retten…“
„Ich brauche nicht gerettet werden!“ blaffte ich beleidigt zurück während ich spürte wie der Ballast von meinen Handgelenken verschwand.
Eine Augenbraue hebend blickte er sich in meiner Zelle um bevor er mich ungläubig ansah.
„Ich habe nichts verbrochen und ich liebe Alon!“ fuhr ich ihn an bevor er noch ein blödes Kommentar abgeben konnte.
„Wie es aussieht glaubt er euch das wohl nicht?“ erwiderte er mit einer ausladenden Handbewegung.
„Das ist mir egal, ich werde ihn nicht verlassen!“ trotzte ich eingeschnappt. Nein, egal wie widersinnig es war, ich würde nicht flüchten – ohne Alon hatte meine Leben ohnehin keinen Sinn, ich war nur wiedergeboren worden um zu ihm zurückzukehren! Wie konnte ich ihn da verlassen?!
„Nun, dann bleibt hier und verrottet in dieser Zelle… oder kommt mit mir um Hevshire zu finden und eure Unschuld zu beweisen!“ erläuterte er mit einem überlegenen Unterton.
Daran hatte ich gar nicht gedacht – natürlich, hätte ich Hevshire, dann müsste mir Alon einfach glauben! Das war es – nach allem, was passiert war, gab es doch noch Hoffnung! Doch ich traute dem Braten nicht…
„Wieso sollte ich dir vertrauen, nachdem du mich so im Stich gelassen hättest?“ fragte ich mit eisiger Stimme.
Er stöhne frustriert als er antwortete: „Nachdem Kaiser Alon euch schon nicht glaubte, hätte er mich wohl kaum angehört, oder? Was hätte ich also tun sollen? Versuchen an Ort und Stelle gegen ihn zu kämpfen? Das hätte nur meinen Tod bedeutet und er wäre noch wütender auf euch! Ich hielt es also für eine viel bessere Idee mich zu verbergen und auf den richtigen Moment zu warten um euch zu befreien!“
Alles, was er sagte, hatte zwar Hand und Fuß, aber ich war nicht ganz überzeugt und immer noch stinkwütend auf ihn, also funkelte ich in zugleich skeptisch wie auch böse an.
Erneut stöhnte er, dieses Mal noch frustrierter: „Außerdem, wenn ich mir schon nicht glaubt, dass ich das euretwillen tue – ich stecke in der Sache mindestens genauso tief drin, oder was glaubt ihr, wird euer Gemahl mit mir machen, wenn er mich erwischt, solang er glaubt, ich wäre euer Liebhaber? Niemand wird je einen grausameren Tod gestorben sein, soviel ist sicher. Also bitte, kommt jetzt endlich – mit jeder Sekunde, die wir hier vertrödeln steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir entdeckt werden… und das sind wir endgültig verloren!“
Ich seufzte genervt, aber ich musste mir eingestehen, dass er recht hatte – das war die einzige Chance, die ich hatte. Also ging ich an Sei vorbei aus der Zelle und sah ihn durchdringend an während ich fragte: „Wohin?“
Er sah erleichtert aus während er an mir vorbeihuschte um die Führung durch die dunklen Gänge des Verlieses zu übernehmen, die sich optisch nur durch die Fackeln an ihren Wänden von meiner kleinen Zelle unterschieden. Aus seiner Hosentasche zog Sei einen zerknuddelten, schmuddeligen Fetzen Papier, der sich, als es entfaltete, als Karte herausstellte.
„Wir müssen gut aufpassen, dass wir den Weg nicht verlieren…“ erklärte er während er abwechselt auf die Karte und dann die Gänge schaute. „…der Kerker ist der reinste Irrgarten, wenn wir uns hier verlaufen, dann finden wir nie wieder hinaus.“
Er huschte zielstrebig um einige Ecken, in einem Tempo, das es meinem ausgezerrten Körper schwer machte, mit ihm Schritt zu halten, aber ich nahm alle meine Kräfte zusammen – ich wusste, für wen ich das tat: Alon.
Doch eine Frage brannte mir noch auf der Zunge: „Wie bist du zu der Karte… nein, überhaupt hier rein gekommen…?“
Es war schließlich nicht so, als ob Yasha gerade schlecht bewacht wurde und der Burggraben, an dessen Grund heiße Lava brodelte, tat sein Übriges.
Ohne sich von seiner zielstrebigen Wegsuche ablenken zu lassen erklärte er: „Ich habe ein paar Freunde bei den niedrigen Dämonen… sie mögen die arroganten Hochfürsten nicht besonders, sie dienen ihnen nur aus Angst… mit einem Halbdämon, der genauso minderwertig ist wie sie, fühlen sie sich einfach verbunden….“
Dann blieb er plötzlich stehen, vor uns eine erdige Wand – super, wir waren in eine Sackgasse gelaufen! Soviel zu seinem tollen Plan!
„Wir sind da!“ verkündete er nun zufrieden und steckte unter meinem ungläubigen Blick die Karte weg. Er musste diesen aufgefangen haben oder es war einfach nur voraussehbar, denn er erklärte während er die Wand scheinbar wahllos an einigen Stellen eindrückte: „Dies ist ein geheimer Ausgang!“
Im nächsten Augenblick glitt die Wand zur Seite und öffnete den Weg ins Freie – wenn ich aber gedacht haben sollte, dass wir damit schon in Sicherheit waren, dann hatte ich mich geirrt und zwar gründlich. Im Gegenteil, wir standen auf einem kleinen Vorsprung unterhalb des Schlosses und die Lava brodelte noch weiter abwärts. Was hatte ich auch erwartet? Die einzige Möglichkeit Yasha zu verlassen führte über die Brücke am Haupttor und wir befanden uns viel tiefer. Sowohl ober als auch unter uns war nichts weiter als ein steiler Abhang, genauso wie auf der anderen Seite und alles wurde in einem bedrohlichen Rot-Orange erleuchtet, das niemanden vergessen ließ, dass unter seinen Füßen ein heißer Tod wartete.
„Und nun?!“ fuhr ich Sei an, der sich den ganzen Plan offensichtlich nicht besonders gut überlegt hatte! Wie sollten wir hier wegkommen?
„Dort!“ deutete er auf einen Rand der Klippe und ich entdeckte einen schmalen Sims. „Dieser Pfad führt direkt unter die Brücke, an deren Unterseite gibt es einen Steg über den wir auf die andere Seite kommen…“
Das konnte unmöglich sein Ernst sein! Der Sims war gerade mal einen Fuß breit! Nie im Leben würden wir es bis zur Brücke schaffen ohne abzustürzen! Doch bevor ich protestieren hätte können, hatte sich Sei schon zum Sims aufgemacht und begann diesen entlang zu klettern während er mir über die Schulter zurief: „Ich gehe vor…“
Ich sah zurück zu der Wand, durch die wir gekommen war und die sich sofort, nachdem wir auf den Vorsprung getreten waren, wieder zugegangen war und dann zu dem Sims, an dem Sei sich langsam vorarbeitete. Ich seufzte, als mir bewusst wurde, dass ich keine Wahl hatte – ich konnte nicht zurück, dort würde mich wahrscheinlich ohnehin nur der Tod durch eine Hinrichtung erwarten. Was hatte ich also zu verlieren? Genau, da konnte ich ebenso in den Lavasee fallen während ich wenigstens versuchte, alles wieder zum Guten zu wenden!
Also folgte ich Sei, der etwas wartete, bis ich aufgeholt hatte und kletterte hinter ihm den Sims entlang, der in leichter Schräge aufwärts führte. Meine Hände und Finger begangen nach einiger Zeit von dem Gestein, in das ich mich klammerte, zu schmerzen, aber ich gab nicht auf und endlich kam die Brücke in Sicht. Ich hoffte, dass uns keine der fliegenden Kreaturen entdecken würden, doch dann rief ich mir ins Bewusstsein, dass dies niedere Dämonen waren, mit denen Sei wahrscheinlich befreundet war.
Endlich erreichten wir die Brücke und wechselten von dem Sims zu dem Steg, der noch schmaler war und eigentlich nur ein Teil der kunstfertigen Verzierung der Brücke. Über uns rollten Wägen hinweg und Pferde trabten von einer Seite zur anderen, nur durch den versteinerten Belag von uns getrennt. Vorsichtig bewegten Sei und ich uns auf die andere Seite und ich versuchte den Blick dabei gerade aus zu halten und nicht nach Unten zu schauen.
Schließlich erreichten wir diese und kletterten im Sichtschutz eines Stützpfeilers auf die Ebene, die um das Schloss ausgebreitet war. Es war ein lebensfeindlicher Ort, der nur aus schwarzer Erde und Stein bestand, die von Lavaflüssen, die wasserfallartig in den Burggraben hinter uns stürzten, durchzogen wurden und die ihn fast wie ein lebendiges Wesen mit pulsierenden Adern wirken ließen. Und was noch schlimmer war: Es gab praktisch keinen Sichtschutz! Wie sollten wir die Ebene überqueren und in die Sicherheit der Wälder flüchten ohne entdeckt zu werden?
Ich wand mich Sei zu um ihm genau diese Frage zu stellen, doch er deutete mir, leise zu sein. Dann lugte er um die Ecke und ich tat es ihm gleich. Ein schwer Wagen, der mit einer großen Last, die jedoch unter einer Abdeckung verborgen bleib, beladen war, fuhr langsam auf das Ende der Brücke zu, wo er kurz stehen blieb um vorsichtig auf den unebenen Pfad überzusetzen.
Sei nützte die Chance, packte mich am Handgelenk und zog mich blitzschnell unter den Wagen, wo wir uns augenblicklich festhielten. Im nächsten Herzschlag begann das Gefährt wieder sich zu bewegen – uns als blinde Passagiere unter sich mit.
So ließen wir uns über die Ebene tragen, bis wir nach einem Anstieg die Stämme der Bäume neben uns sahen. Sei wartet auf einen Augenblick, wo der Wagen wegen einer Steigung langsamer wurde und wir rollten uns in das Dickicht des Waldes neben dem Weg.
Für einige Zeit blieben wir dort und warten bis das Gefährt weit genug weg und die Luft rein war.
Geschafft! Wir haben es wirklich geschafft!
Erleichtert atmete ich auf und folgte Sei durch den Wald zu einem Baum, an dem er zwei Pferde angebunden hatte und mir die Zügel einer schönen, schwarze Stute reichte.
Dann sah er mich durchdringend an während er sagte: „Die Flucht hätte wir geschafft, aber wir sind noch lange nicht in Sicherheit.“
Nun stieg er auf und setzte fort: „Der schwierigste Teil kommt noch – wir müssen unentdeckt in den Norden kommen, die Schlucht wiederfinden, das Schwert bergen, damit zurück nach Yasha – und hoffen, dass das Kaiser Alon als Beweis unserer Unschuld überzeugt!“
Insgeheim wusste ich natürlich, das Sei recht hatte – um zu feiern, war es viel zu früh, trotzdem konnte ich mir eine gewisse Euphorie nicht verkneifen, als ich mich trotz meines müden, schmerzenden Körpers auf mein Pferd schwang. Allen Schwierigkeiten und Bedenken zum Trotz, hatte ich etwas, an dem ich mich mit aller Kraft festhalten konnte wie an einem rettendem Strohhalm: Hoffnung. Begründete Hoffnung, denn es gab ein Licht am Ende des Tunnels!
„Es gibt zwei Möglichkeiten…“ riss Sei mich nun mit der Erklärung seines weiten Plans aus den Gedanken, als er langsam zu reiten begann. „…entweder reiten wir durch den Wald, wo wir zwar langsamer sind, aber auch schwerer zu entdecken. Oder wir reiten in den Gebieten…“ – erneut hatte er eine Karte aus seiner Hose gezogen, dieses Mal war sie jedoch größer, wenn auch genauso mitgenommen wie die andere – „…die von Dörfer, Städten und gut bereisten Strecken entfernt sind, auf dem Pfad, wo wir wesentlich schneller sind, aber auch leichter zu entdecken.“
Dann sah er sich zu mir um, aber ich war inzwischen an seine Seite geritten.
„Wir dürfen auch nicht vergessen, es wird nicht sehr lange dauern, bis euer Verschwinden auffällt und dann haben wir sicher mehr als einen Suchtrupp am Hals, ganz zu schweigen davon, dass dann jeder Reisend genau unter die Lupe genommen wird…“ führte er noch weiter aus.
„Also wäre es wohl am Besten, wenn wir bis dahin schon weit gekommen wären, oder?“ schloss ich. „Das Gebiet im Norden ist dünn besiedelt, es gibt praktisch keine Handelsruten… und mit etwas Glück nehmen sie an, dass wir noch nicht so weit gekommen sind. Oder denken noch nicht mal, dass wir gerade dorthin zurück wollen…“
„Dann also der Pfad!“ stimmte er meiner Meinung zu und wir brachen aus dem Wald hinaus und galoppierten in Richtung Norden. Dazwischen mussten wir immer wieder Dörfern oder anderen Reisenden ausweichen und unseren Pferden zumindest zeitweise gemäßigteres Tempo gönnen.
Wir hatten schon eine beachtliche Strecke hinter uns gebracht, als Sei und ich müde nebeneinander her trabten. Gerne hätte ich ein Lager aufgeschlagen, denn ich hatte das Gefühl, das mir Hände Finger, Beine, Füße…. einfach alles, abfiel und ich konnte mich kaum mehr auf meiner Stute halten. Aber wir waren noch viel zu weit südlich, daher durften wir dieses Risiko nicht eingehen. Also nützte ich diese langsameren Phasen um zumindest auf meinem Pferd zu dösen, als mich plötzlich eine Stimme hinter uns aus meinem Halbschlaf riss: „Na, wen haben wir denn da…“