Donnerstag, 23. August 2012

11. Love and Death

Reflexartig fuhr sich der junge CEO langsam mit den Fingern über die Lippen während er in den Abgrund vor sich blickte, in dem Kira verschwunden war. Er spürte ihren Kuss immer noch – so leidenschaftlich und fordernd und doch auch so zärtlich und voller Schmerz. Aber es war nicht ihr Kuss alleine, der ihn so versteinert hatte – auch die Tatsache, dass sie bereit war, ihr Leben einfach so für ihn zu opfern nachdem sie alles geben hatte um nicht zu streben.
Nein, würde es nicht enden - er schüttelte den Kopf um seine Starre zu lösen und hielt nach einem Abgang Ausschau, schließlich konnte er sich nicht so wie sie in die Tiefe schleudern. Am Rand des Geländers fand er auch eine kleine Leiter und machte sich an den Abstieg. Über ein paar Plateaus und andere Treppen musste er sich den Weg nach unten kämpfen – und obwohl er immer schneller wurde, nur hin und wieder durch kleine Hindernisse abgebremst, war ihm klar, dass seine Zeit knapper wurde.
Endlich unten angekommen rannte gegen Zentrum und wusste schon nach ein paar Metern, dass er am richtigen Weg war – Kira hatte eine Blutspur hinterlassen, allerdings nicht mit ihrem eigenen Blut… noch nicht.
Plötzlich sah er in der Ferne eine Gestalt auf sich zukommen und Erleichterung überkam ihn, als er seinen kleinen Bruder erkannte – er war am Leben und wohl auf!
„Ni-sama!“ schrie dieser und warf sich ihm in die Arme.
„Mokuba… bist du ok?“ fragte er perplex während er seinen Bruder an den Schultern hielt und sich zu ihm runter beugte.
„Ja!“ nickte dieser eifrig. „Kira-san hat mich befreit und…“
„Wo ist sie?!“ fuhr sein großer Bruder ihm über den Mund und Mokuba war leicht erschrocken über seine Impulsivität.
„Sie… sie hat gemeint ich solle dich suchen, sie hätte noch was zu erledigen und käme nach…“ stotterte er überfordert.
Wie er es befürchtet hatte – Kira hatte Mokuba eine Lüge aufgetischt damit er nicht versuchen würde sie an ihrem Märtyrer-Tod zu hindern.
„Ni-sama?“ fragte Mokuba vorsichtig und schaute in das Gesicht seines Bruders um zu sehen, dass dessen Augen in die Ferne gerichtet waren und folgte seinem Blick – es war die Richtung, in die Kira verschwunden war. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass es etwas nicht stimmte – nein, eigentlich hatte er das Gefühl schon, als sie ihn losgeschickt hatte um Seto zu suchen.
„Ni-sama… sie kommt nicht zurück, oder?“ fragte er schließlich und mit einem Ziehen in seinem Herzen wurde ihm bewusst, dass es stimmte – vielleicht auch deswegen, weil sich der Druck der Hände auf seiner Schulter bei der Frage kurz verstärkte.
Dann stand der CEO auf und sagte ohne seine Bruder anzusehen: „Lauf zum Ausgang, Mokuba – es sollten keine Wachen mehr unterwegs sein…“ – der Alarm hatte sie sicher aus dem Gebäude getrieben, schließlich würden auch sie nicht bei der Explosion sterben wollen – „…sei aber trotzdem vorsichtig – wir treffen uns da!“
„Ni-sama…“ antwortete der jüngere Bruder unsicher, er hörte das an dem Tag schon zum zweiten Mal, nickte aber mit einem „…ok.“, schließlich wollte er seinem Bruder vertrauen.
Seto hörte wie sich die Schritte Mokubas Schritte entfernten und machte sich wieder auf in die Richtung, in der Kira vermutete – er rannte so schnell er konnte, als er plötzlich von einer Erschütterung von den Beinen gerissen wurde und nur mit Not einer Wand, die auf ihn herunterstürzte, ausweichen konnte.
„Kira!“ keuchte er, als ihm bewusst wurde, dass er zu spät war – sie hatte die innere Bombe zur Detonation gebracht, denn die 30 Minuten waren noch nicht um und die Erschütterung war für alle 5 Bomben nicht stark genug gewesen.
Er zog sich wieder auf die Beine und machte sich weiter zum Zentrum auf – bevor er ihre Leiche nicht gesehen hatte, würde er sie nicht aufgeben! Den Gedanken, dass nicht genug von ihr übrig geblieben sein könnte, dass er überhaupt etwas fand, versuchte er zu verdrängen.
Nachdem er sich über einige Trümmer gekämpft hatte und Löchern in Boden ausgewichen war, entdeckte er am Ende des Ganges eine Tür, die aus den Angeln gerissen und verkohlt war – der Eingang zum Hauptcomputer-Raum, dort musste sie sein!
Er trat auf die Brücke, die wie durch ein Wunder großteils verschont geblieben war und seine Augen weiteten sich als er die Verwüstung sah – kaum ein Stein war auf dem anderen geblieben, die Einzelteile des Computers lange auf der ganzen mittleren Plattform verstreut, dazwischen Trümmer, große und kleine Glassplitter und verkohlte Leichen und Leichen…teile.
Frustriert senkte er den Kopf und ballte seine Hände zu Fäusten – eine… oder mehre dieser verbrannten Körper oder Körperteile musste Kira sein, er würde wahrscheinlich nicht mal herausfinden können welcher…
Plötzlich fiel sein Blick auf etwas Helles im Graben links neben der Brücke und als er genauer hinsah erkannte er Kiras platinblondes Haar. Sie lag zwischen den Trümmern und Blut floss aus zahlreichen Wunden, besonders eine in ihrem Bauch, in der ein großer Glassplitter steckte.
Sein Herz schlug schneller und schnell schaute er sich nach einem Weg zum Grund des Grabens um und fand eine kleine Treppe am Rand der Brücke, die er hinab sprintete. Er stürzte an ihre Seite und versuchte ihren Puls zu fühlen, als er sah, wie sich ihre Brust ganz leicht hob und senkte – sie lebte!
Langsam hob er sie an, worauf ihre Augen zu flattern begannen und sie ihn mit trübem Blick ansah.
„Seto…?“ fragte sie und ihre Stimme hörte sich verwaschen an, er hörte die Anstrengung, die ihr das Reden kostete. „Why? I… I should be in hell… I don’t… don’t deserve… heaven…“
Sie hält mich für einen Engel?!
„You’re not dead…and you won’t die! I won’t let you!“ antwortete er ihr bestimmt und glaubte mit jedem Wort dran.
Ihr Blick klärte sich etwas, als ob sie sich ihre Situation bewusst würde: „After everthing you know about me… you should hate me…“
Sie glaubte, er würde sie hassen?! Sie hatte ja keine Ahnung… doch bevor er etwas antworten konnte, fielen ihre Augen wieder zu, doch ihre Brust hob und senkte sich nach wie vor langsam.
„Hold on! I don’t allow you to die – you belong to me!” sagte er energisch, mehr zu sich selbst als zu ihr, denn sie war ohnehin nicht bei Bewusstsein und hob sie mit einem Ruck hoch.
Mit der jungen Frau in seinen Armen machte er sich auf den Rückweg, so schnell er konnte – es war nicht einfach, die Trümmer versperrten ihn den Weg und ohne Hände war es noch viel schwerer durch diesen Parcour zu kommen. Doch nicht eine einzige Sekunde dachte er dran aufzugeben und sie zurückzulassen. Es schien ihm genauso unmöglich wie es gewesen ihm wäre, Mokuba im Stich zu lassen.
Umso weiter er sich vorkämpfte umso weniger wurde glücklicherweise auch die Verwüstung und er kam schneller voran, bis nur noch ein paar Risse in den Wänden und etwas Unordnung an die Explosion erinnerten… und ein großes Loch in der Außenmauer?
Ihm wurde sofort bewusst, dass dieses einen anderen Ursprung haben musste, denn darum herum waren keine Spuren der Explosion zu sehen. Eigentlich hätte ihn das alarmieren müssen, doch er hatte keine Zeit vorsichtig zu sein – der Durchbruch führte direkt nach draußen und er würde unnötig Zeit vergeuden, wenn er einen anderen Ausgang suchte!
Als er unter freiem Himmel trat, erkannte er, dass er sich nicht weit weg von der Stelle befand, wo Kira gegen den Helikopter gekämpft hatte – seine Trümmer lange ein Stück rechts von ihm am Grund des Grabens, wo er sich nun auch befand. Wie zum Donner sollte er da rauf kommen? Kira und er hatte sich über ein Seil, das inzwischen ohnehin gerissen war, viele Meter über ihrem jetzigen Standort hinüber gleiten lassen… und wo war eigentlich Mokuba?
Plötzlich schrie jemand von links her seinen Namen und er sah, dass der Gesuchte dort von einem intakten Helikopter her angerannt kam – zusammen mit einer schwer bewaffneten Soldatin!
Reflexartig drehte er sich um, als hinter sich eine Bewegung ausmachte und vor sich zwei weitere Soldaten sah – verdammt, sie waren soweit gekommen nur um hier von den Überresten von Petersons Armee getötet zu werden?!
Er knirschte die Zähne zusammen – was konnte er jetzt noch tun? Gegen 3 bis an die Zähne bewaffnete Soldaten hatte er wohl kaum eine Chance… umso überraschter war er, als einer der beiden Soldaten, ein großer, kräftiger Mann, braungebrannter mit Muskel wie ein Bodybilder und einem Band um seine Stirn sowie unzähligen Narben im Gesicht, vor ihm salutierte.
„Mr. Kaiba, Ser, Miss Kira called us to escort you!“ sagte er dabei und als er ihren Namen erwähnte wanderte sein Blick kurz zu der verletzten Frau in den Armen des CEOs.
Er sah zu Kira hinab und im wurde schlagartig bewusst, dass Kira von Anfang an geahnt hatte, dass sie das hier nicht heil rauskommen würde!
Inzwischen war auch die Soldatin mit den kurzen, knallroten Haaren und der dunkelbraunen Haut zusammen mit Mokuba aufgetaucht und stellte nüchtern doch mit einem bedauernden Unterton fest: „Seem‘s like this time she had bite off a little bit more than she could chew…“
Einen Augenblick sah sie Kira noch an, dann hatte sich der CEO gefasst und forderte: „Bring me to the next hospital - immediately!“
Der große Soldat und die Soldatin schauten ungläubig, als hätten sie keine Hoffnung, dass Kira noch zur retten war, sagten aber nix und machten sich zusammen mit Mokuba, dem der Schock bezüglich Kiras zustand ins Gesicht geschrieben stand, auf zum Helikopter. Nur der dritte Soldat, ein schlacker, eher hellhäutiger Mann mit schwarz, glatten Haaren, die er im Nacken zusammengebunden hatte, zeigte sich von all dem uninteressiert und stapfte ausdruckslos hinter den anderen her.
Zu der Erleichterung des CEOs befand sich in dem Helikopter eine Barre, auf der er Kira ablegen konnte und schon im nächsten Moment hoben sie ab. Geschickt flog sie der große Soldat, der sich zwischenzeitlich als Joe vorstellte, über die Ruine. Er stellte auch noch die anderen zwei vor – Mia und Alex, die jedoch ihm Gegensatz zu ihrem bärenhaften Kollegen sehr schweigsam waren.
Endlich erreichten sie die Stadt und landeten am Hubschrauberplatz des Krankenhauses – sofort wurde die Barre mit Kira drauf von den Sanitätern übernommen und der CEO rannte mit ihnen die Gänge des Spitals entlang, bis sie den OP-Raum erreichten, vor dem er warten musste.
Durch ein Glasfenster hindurch beobachte er die Ärzte, die hektisch um sie herum hantierten, ihr eine Blutkonserve anhängten und versuchten, die Splitter aus ihrem Körper zu entfernen. Er merkte nicht, wie Mokuba und die drei Soldaten an seine Seite traten und ihn traurig beobachteten.
Die Zacken, die an einem der Monitore Kiras Herzschlag symbolisierte wurde immer kleiner und schließlich verwandelte sie sich in eine gerade Linie, die von einem monotonen Klang begleitet wurde.
Seto Kaiba ballte die Fäuste und schlug gegen die Glaswand während er schrie: „Kira!!!“
Mokuba beobachtete seinen Bruder, der auf seine Knie gerutscht war und flüsterte – zu leise, um von irgendjemand gehört zu werden: „Du hast sie geliebt, nicht war, Ni-sama…?“

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

WOW! Große Runde Applaus!

Wie geht es weiter??? *hibbel*

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. :-)

Verrate ich nicht. :-D

Anonym hat gesagt…

Mist! Hätte ja klappen können. :-D

(Aber ich tippe mal, dass da nicht mehr viele Kapitel kommen. :-p)

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

:-D

Das stimmt. ;-)