Donnerstag, 1. Dezember 2011

1. Die schlechte Neuigkeit

Langsam und anmutig – wie man es von einer Kaiserin erwartete – schritt ich durch die Gänge des Schlosses. Meine oberste Hofdame, Angelika, und zwei Wachen begleiteten mich, denn Alon mochte es nicht, wenn ich alleine durch das Schloss streifte. Er meinte, es wäre zu gefährlich – auch wenn ich mir sicher war, dass seine Sorge unbegründet war, denn das Schloss war gut bewacht, sowohl von Soldaten als auch von etlichen Schutzzaubern. Und seit Kantos mich damals aus dem Schloss gelockt hatte, hatte Alon die Maßnahmen sicher noch verschärft.
Trotzdem leistete ich seinem Wunsch folge und verließ meine Gemächer nicht alleine – so wie jetzt, als ich auf dem Weg zum Thronsaal war. Alon meinte, er hätte wichtige Besprechungen, doch nun hatte er mich rufen lassen – ich war glücklich darüber, schließlich waren die Tage ohne ihn langweilig und leer.
Die Wachen vor dem Thronsaal verbeugten sich vor mir und ließen mich hinein – auch meine Wachen blieben vor der Türe stehen, nur meine Hofdame begleitete mich. Wider Erwarten war Alon nicht auf seinem Thron, doch im selben Moment vernahm ich ein aufgeregtes Gespräch aus dem Hinterzimmer, dass durch einen schweren, edlen Samtvorhang – der nun zur Seite gebunden war - vom großen Saal getrennt war. Es war ebenfalls sehr geräumig und hatte einen riesigen, runden Tisch in seiner Mitte, der eine Landkarte der Welt abgebildete hatte und darauf standen einige Figuren.
Alon unterhielt sich angeregt mit einigen seiner Generäle, die verschiedene Abteilungen seines Heeres befehligten – und natürlich Laures, Alon’s rechte Hand. Laures mochte mich nicht – wobei, ‚nicht mögen‘ nicht die richtige Bezeichnung war – ‚aus tiefsten Herzen hassen‘ würde es besser treffen – war ich doch der Grund, wieso ihm Alon eines seiner roten Augen genommen hatte. Doch ich war seine Kaiserin und dementsprechend waren ihm die Hände gebunden.
Ich ließ meinen Blick über die Runde streifen und eine Gestalt, die etwas abseits stand, erregte meine Aufmerksamkeit – er war neu hier, was mehr als ungewöhnlich war, denn Alon besetzte normal nie Stellen um, es sei denn jemand leistete sich einen Fehler und es schien auch so, als würde er gar nicht dazu gehören, denn niemand schenkte ihm nur die geringste Beachtung. Er hatte lange, silberne Haare und violette Augen und schön, wie alle hochrangigen Dämonen, doch irgendwas war anders an ihm, auch wenn ich nicht sagen konnte, was es war.
„Wer ist das?“ flüsterte ich Angelika möglichst leise zu – sie war jemand, der immer die neusten Neuigkeiten bei Hofe kannte.
Sie folgte meinem Blick und antwortete so emotionslos wie es jede von Alon’s Dienerinnen tat – wenn sie überhaupt sprachen: „Meister Sei, General Laures‘ Sohn, meine Kaiserin.“
Laures‘ Sohn?!
Laures war für mich der letzte Men… Mann, von dem ich je erwartet hätte, er würde mit einer Frau… und gar ein Kind in die Welt setzten. Dämonen, wie er einer war, waren zudem unsterblich – Kinder waren deswegen für sie überflüssig. Nein, im Gegenteil, sogar eine Gefahr, denn ihre einzige Möglichkeit in der Hierarchie steigen zu können lag darin ihre eigenen Eltern zu ermorden.
„Was?!“ entfuhr mir nun etwas zu laut und die Runde wurde dadurch auf mich aufmerksam.
„Esmeralda!“ rief Alon erfreut und wand sich mir zu. „Komm nur her!“
Mit einem Mal waren all das aus meinem Kopf verschwunden und um Alon alleine schwirrten meine Gedanken – ich lief ihm entgegen, bis ich kurz vor ihm stand während er alle anderen im Raum weg schickte.
„Liebste.“ sagte er sanft während er mir zärtlich über die Wange streichelte. „Es gibt eine Angelegenheit, für die ich für einige Zeit das Schloss verlassen werde müssen...“
„Was?“ flüsterte ich geschockt. So etwas war noch nie passiert – und es waren schon viele Jahre verstrichen seit unserer Vermählung. Ich konnte nicht einmal mehr genau sagen, wie viele es waren – schließlich sorgte Alon’s Magie dafür, dass auch mir ewige Jugend vergönnt war.
„Warum?“ setzte ich noch gequält nach – ich wollte nicht von ihm getrennt sein, allein der Gedanke daran war unerträglich.
„Eres, ein alter Dämonenlord, ist wieder auferstanden und macht Ärger – ich muss ihn auf seinen Platz verweisen.“ erklärte er mir ruhig.
„Das heißt, du ziehst in den Krieg?!“ schloss ich hysterisch.
„Esmeralda, Liebste…“ sagte er liebevoll während er erneut meine Wange streichelte um mich zu beruhigen. „Das ist keine große Sache – aber etwas, das ich als Kaiser selbst erledigen muss.“
„Ich will mit dir kommen!“ forderte ich bestimmt.
„Ein Schlachtfeld ist wohl kaum der richtige Platz für eine Kaiserin!“ konterte er mit einem resignierten Seufzer.
„Aber…“ setzte ich an, aber er unterbrach mich. „Ich werde bald wieder zurück sein…“
Dann nahmen seine Augen wieder diesen verführerischen Blick an, der mir schon so oft den Verstand geraubt hatte. „…und dann werde ich dich für die Nächte, die du allein verbringen musst, mehr als gut entschädigen!“
Bei seinen letzten Worten hatte er sich zu meinem Ohr herunter gebeugt und sie leise hinein gehaucht und nun wanderten seine Lippen an meinem Hals entlang und machten es unmöglich nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen.
„Also, sei ein braves Mädchen und mach es mir nicht noch schwerer als es ohnehin schon ist, ja?“ forderte er nun während er sich wieder aufrichtete und mir tief in die Augen sah.
Was hätte ich da schon erwidern können, nachdem er mich so fragte? Vor allem, da ich wusste, dass er recht hatte. Wäre ich an seiner Stelle gewesen, hätte ich mich auch nicht mitgenommen – ein zerbrechlicher Mensch, auf einen Schlachtfeld in einem Krieg zwischen Dämonen? Viel zu gefährlich!
Mir schwirrte immer noch der Kopf als ich schließlich stotternd antwortet: „O…ok.“
„Gutes Kind.“ sagte er mir leicht belustigter Stimme und küsste mich auf die Stirn.
Ich schnaufte leise, als ich das Wort ‚Kind‘ hörte – ich wusste, dass Alon viele Jahrtausende älter war als ich, aber ich konnte es trotzdem nicht leiden, wenn er mich so nannte. Er fand das jedoch sehr erheiternd und lachte leise vor sich – sicher auch seines leicht errungenen Triumphes.
„Nun muss ich mich wieder den Vorbereitungen widmen…“ sagte er schließlich nachdem er mich nochmal zärtlich auf die Lippen geküsst hatte – mit einem Kuss auf die Stirn hätte ich mich auch nicht abspeisen lassen.
Ich wollte protestieren, aber ich wusste, dass es sinnlos war – Alon hatte schließlich auch Verpflichtungen. Also verließ ich mit einem langen Blick zurück den Raum und sah, wie die Generäle an mir vorbei wieder zurück kamen. Was mir dabei jedoch auffiel, war, das Sei und Laures möglichst weit voneinander weg gingen.
Plötzlich hörte ich das höhnische Geflüster zwischen zwei der anderen Generälen: „Wieso ist der überhaupt hier?“
Mein Blick folgte ihren und ich bemerkte, dass sie von Sei sprachen.
„Keine Ahnung, es ist ja nicht so, als würde seine Majestät einen Halbdämon mit in die Schlacht nehmen.“ erwiderte der Zweite, wobei er das Wort ‚Halbdämon‘ mit einer solchen Verachtung aussprach, als würde er von stinkendem Abschaum reden.
Halbdämon? Laures Sohn ist ein Halbdämon… das bedeute ja das seine Mutter ist… ein Mensch?
Das machte einfach keinen Sinn! Laures hasste Menschen – mich im Besonderen, aber auch allgemein hatte er nur Verachtung für meine Art über. Nicht, dass Dämonen allgemein viel von Menschen hielten – in ihren Augen taugten wir nur als Spielzeug oder Futter – aber bei Laures war es besonders ausgeprägt. Wieso also hatte er mit einer Menschenfrau ein Kind gezeugt?
„Wahrscheinlich darf er das Schloss hüten während wir weg sind…“ hörte ich sie weiter lästern. „Ja, wie ein Wachhund – das passt!“
Dann war ich schon zu weit weg um mehr hören zu können und sie hatten sich auch schon wieder zusammen mit Alon um den Tisch versammelt um weitere Maßnahmen zu besprechen. Angelika war wieder zu mir gestoßen um mich auf dem Weg zurück zu meinen Gemächern zu begleiten.
Ich schüttelte innerlich den Kopf – was interessierte mich, was Laures tat? Ich würde nun für eine unbestimmte Zeit alleine – ohne meinen Liebsten – zurück bleiben müssen! Und noch schlimmer, ich wusste, dass er in den Krieg zog – auch wenn er sagte, dass es eine Kleinigkeit war, so konnte ich nicht umhin, mir Sorgen zu machen! Doch mir würde nichts anderes übrig bleiben, als hier geduldig auf ihn zu warten – egal, wie sehr ich es hasste, nichts tun zu können.
Mit diesen bedrückenden Gedanken trat ich meinen Weg zurück an während ich verzweifelt versuchte, meine Tränen zu unterdrücken – zumindest bis ich in die Sicherheit meines Bettes verschwinden konnte, wo mich niemand weinen sehen würde…

10 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ha, de erste "richtige" Teil! *freu*
Na, das fängt ja schon mal gut an. Laures als Papa eines Halbdämonen, da steckt ja schonmal viel Sprengstoff drin!
Da bin ich auf die Fortsetzungen gespannt.:-D

LG Papyra

ma_belle hat gesagt…

*michalsneuerGroupieanmeld*
Mehr! :)

Chinda-chan hat gesagt…

Papyra - Du hast es erfasst! :-D

ma_belle - Herzlich Willkommen! Mehr gibt es in ca. 2 Wochen. ;-)

Anonym hat gesagt…

So ich bin jetzt auch mal dazu gekommen in Ruhe zu lesen :D

Ui, wunderbarer dynamischer Lesestoff :D

Ich freu mich wie immer auf mehr :D

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Geht bei dir ja schnell... ;-D

Danke. :-)

Anonym hat gesagt…

Chindalein, ich warne dich ;-):-D

Ich kann doch gar nix für, wenn deine Dämonenhorde es sich in den Kopf gesetzt hat mich am Lesen zu hindern! :(

Phil

Chinda-chan hat gesagt…

Gar nicht wahr, die schlafen alle noch - ist noch nicht Silvester. =P

Seshat hat gesagt…

Na schlafwandelnd sind die auch nicht ungefährlicher! :D

Chinda-chan hat gesagt…

Die schlafwandeln nicht, die müssen nur ab und zu für kleine Dämonen. :-D

Seshat hat gesagt…

Na toll! Und da müssen die ausgerechnet MIR über den Weg laufen? :-D