Donnerstag, 1. September 2011

7. Fast and Furious

Peng.
Ein Schuss zerriss die Luft und Kira war schon bei ihrem Boss um ihn zu beschützen – aber diese Mal war er nicht das Ziel gewesen. Der Mann, der ihr Gefangener gewesen war, sackte zu Boden, Teile seines Gehirns waren hinter ihm verstreut und Blut lief aus der Wunde an seiner Stirn. Wer auch immer es auf sie abgesehen hatte – Versagen war für ihn keine Option.
„Hurry!“ schrie sie den CEO an während sie mit ihm zurück zu ihrem Motorrad rannte. „We have to get out of here!“
Sie ließ sich dann drauf gleiten und deutete ihm, sich hinter sie zu setzen. Er setzte sich rasch hinter sie – aber in dem Moment, wo er seine Arme um ihren Bauch schlagen musste um sich festzuhalten zögerte er. Noch nie war er ihr so nah gewesen… aber wieso kümmerte es ihn überhaupt?
Er gab sich einen Ruck und schloss schließlich seine Arme um ihre Taille bevor sie noch irgendetwas sagen konnte, obwohl er sehen konnte, dass sie schon ihren Mund geöffnet hatte. Als sie spürte, wie er sich schließlich festhielt machte sie ihren Mund wieder zu und fuhr los – gerade noch rechtzeitig, denn sie konnte fast spüren wie ihnen schließlich die Kugeln um die Ohren flogen.
Sie bretterten durch die dunklen, alten Gänge, aber Kira dachte nicht einmal dran vom Gas zu steigen – im Gegenteil, sie beschleunigte immer mehr. Ihre Reflexe waren wie die einer Katze – galant nahm sie jede Kurve und nicht eine einzige Sekunde hatte sie ihr Fahrzeug nicht unter Kontrolle. Ihr Boss wagte einen Seitenblick nach hinten, konnte aber ihre Verfolger nicht erkennen. Waren sie zu schnell für sie?
Plötzlich brachen aus dem Gebäude und hinein in einen kleinen Waldweg – obwohl er uneben war, wurde sie auch hier nicht langsamer. Nach einer kurzen Weile waren sie auf einer befestigten Straße und dann erreichten sie schon den Rand der Stadt. Immer wieder wagte er einen Seitenblick, aber von ihren Verfolgern war keine Spur.
Langsam entspannte er sich – es sah so aus, als hätten sie sie abgehängt, also wand er sich wieder Kira zu.
„So, why did you come?“ fragte er sie schließlich.
„To save you, of course!“ antworte sie ihm und schien amüsiert über diese Frage.
„That was not what I meant!” erklärte er etwas ungehalten – er mochte es nicht, wenn sie sich blöd stellte. „I did gave you off today – you had no reason to come for me!“
„Well…” sagte sie. “…your little brother pleaded so sweet for you live… I just couldn't resist.” schmunzelte sie.
Nun, das war ein Spiel, das zwei spielen konnten.
„I didn’t know that you have a soft spot for children… in fact, I didn’t know that you have a soft spot at all!“ konterte er.
„I don’t have a soft spot!” pfauchte sie.
Volltreffer!
“He… just reminds me of… somebody!” setzte sie schließlich fort und ihre Stimme klang plötzlich melancholisch.
Doch bevor er noch etwas drauf sagen konnte schrie sie plötzlich: „Hold on tight!“
Im nächsten Moment machte sie eine scharfe Kurve und er konnte plötzlich ein schwarzes Auto sehen, aus dessen Fenstern sich bewaffnete Männer lehnten. Bevor sie jedoch schießen konnten hatte Kira schon eine ihrer Pistolen gezogen und dem Fahrer einen Kopfschuss verpasst, worauf sich das Auto zu drehen begann, gegen die nächste Hauswand schlitterte und dort explodierte.
Doch sie waren noch nicht in Sicherheit – schon im nächsten Moment nahmen zwei weitere Autos ihre Verfolgung auf.
„Can you ride a motorcycle?“ fragte Kira ihn plötzlich während sie auf ihre Verfolger schoss, die jedoch aus ihrem Vorgänger gelernt hatten und sich nicht so leicht treffen ließen.
„Yes…“ antworte er und wollte noch fragen wieso, aber Kira machte sich schon zum Absprung bereit und sagte nur: „Good – then do it!“
Bevor er noch protestieren konnte sprang Kira mit einem galanten Sprung auf die Motorhaube des nahsten Verfolgers und ihr Boss griff im selben Moment nach dem Lenkrad um die Steuerung zu übernehmen.
Der Lenker des Autos versuchte Kira mit ein paar ruckartigen Bewegungen abzuschütteln, aber es war zu spät – sie hatte den Todesschuss schon gelöst und bevor auch dieses Auto an der nächsten Wand zerschellte war sie schon zum nächsten gesprungen.
Sie hatte gerade die zwei Schützen niedergestreckt und wollte gerade den Fahrer erledigen, aber dann sah sie wie weitere Autos auf einer Brücke vor ihr auftauchten. Ihr Blick wanderte zu ihrem Boss und sie schrie: „Kingston Bridge – in two minutes!“
Bevor er noch antworten konnte hatte sie den Fahrer des Autos, auf dem sie sich gerade befand erschossen und war zu einem weiteren gesprungen, das weiter weg von ihrem Motorrad fuhr.
Sie erledigte auch dieses, aber es wurden immer mehr und bald hatte sie sich schon bis zur Brücke vorgekämpft unter welcher plötzlich ein Zug durchfuhr.
Kira lächelte finster – darauf hatte sie gewartet! Sie ließ eine kleine Bombe zurück und sprang von einem Auto direkt auf den Zug. Im selben Moment explodierte es hinter ihr - das Chaos und der Rauch oben würde es ihren Verfolgern deutlich schwerer machen.
Doch bei der nächsten Brücke sprangen ein paar Männer neben Kira auf dem Zug – einen konnte sie mit einem gezielten Schuss sofort wieder hinunter befördern - aber ein zweiter, sehr muskelbepackter hatte sie von hinten an ihrem rechten Handgelenk erwischt, ihr ihre Pistole aus der Hand gedrückt und hielt sie nun fest. Mit einem schnellen Tritt konnte sie ihn von sich weg und vom Zug schleudern, doch ein dritter hatte sie zu Boden geschmissen und ihr dabei ihre zweite Pistole entrissen. Er wollte damit gerade auf sie zielen, aber Kira trat sie ihm von unten aus der Hand und robbte zu ihrer anderen Pistole. Sie hatte sie gerade erreicht und wollte ihn erschießen bevor er die andere wieder an sich nehmen konnte, als…

Kaum hatte sie ihm ihren Treffpunkt gesagt, war sie auch schon weg – diese Frau brachte ihn wirklich um den Verstand! Aber im Moment würde ihm nichts anderes übrig bleiben als sich mit ihr an dieser Brücke zu treffen.
Als er die Autos von der Brücke vor ihnen auf sich zukommen sah, bog der CEO mit dem Motorrad in eine Seitengasse ein – dort würden sie ihm nicht so leicht folgen können, aber er wusste, dass er das Gewirr aus kleinen Gässchen schnell wieder verlassen musste, bevor er wie eine Maus in der Falle saß.
Er brach aus der kleinen Gasse wieder auf die Hauptstraße und es war noch schlimmer als er befürchtet hatte – nicht nur Autos sondern auch ein Truck fuhren geradewegs auf ihn zu. Er starrte ein paar Schreckenssekunden auf das Ungetüm als plötzlich ein Schuss die Luft durchschnitt und direkt zwischen den Augen des Trucklenkers, dessen Fahrzeug sich darauf hin zu drehen begann und die Autos neben sich dabei weg schob bevor sie den CEO erreichen konnten.
Reflexartig drehte er sich in die Richtung um aus der der Schuss gekommen war und sah Kira, die auf dem Rücken auf einen vorbeifahrenden Zug über der Brücke, zu der die Straße, auf der er sich nun befand, führte, lag und einen Arm, der eine Pistole hielt, in die Richtung des Trucks zeigte.
Einen Augenblick trafen sich ihre Blicke und er wusste, dass sie es war, die ihn erneut gerettet hatte.
Dann wand sie sich wieder dem Angreifer über sich zu und versetzte ihm mit beiden Beinen einen Tritt in den Bauch, der ihn vom Zug schleuderte. Nun sammelte ihre zweite Pistole auf während sie im Augenwinkel beobachtete wie sich weitere Männer ihr näherten.
In dem Moment sah sie auch, wie ihr Boss auf ihrem Motorrad unter ihr durch die Brücke fuhr. Mit einem gezielten Sprung warf sie sich vom Zug und von der Brücke hinunter und landete direkt auf ihrem Motorrad – mit einem Fuß am Sitz hinter ihrem Boss und mit dem anderen direkt auf der Mitte des Lenkers.
Reflexartig schaute er zu ihr hoch und stellte etwas peinlich berührt fest, dass sich sein Kopf direkt zwischen ihren Beinen befand.
„Enjoying the view?“ lachte sie und er wollte gerade – während er sofort den Kopf wieder weg drehte - wütend etwas antworten als es furchtbar hinter ihnen krachte.
Er sah sich nach hinten um und sah das Feuer und den Rauch einer zweiten Explosion, die jedoch um einiges größer als die erste gewesen war und sogar die Brücke zum Einsturz gebracht hatte.
„Good riddance!“ sagte sie mit einem Blick über ihre Schulter.
“Well, then… let me drive again!” setzte sie fort und wand ihrem Boss dabei wieder ihren Blick zu.
„Hell no! I had enough of that!“ funkelte er sie an.
Kira zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts und ließ sich hinter ihm auf den Sitz gleiten. Dann schlug sie ihre Arme um seine Hüfte und lehnte ihren Kopf an seinen Rücken. Nach einiger Zeit schloss sie dann die Augen und lauschte den Geräuschen des Windes bis sie eine Stimme ungehalten wieder in die Realität zurückholte.
„Did you fall asleep?!“ fauchte ihr Boss sie an. „What if they return?!“
„I would hear them…” antworte sie seltsam gelassen. „Beside that… I don’t sleep, I just listen to the voice of angles…!“
“Angles?!” schlaufte er verächtlich. “Don’t tell me you’re believing in this nonsense!”
“No…” sagte sie immer noch unberührt von seiner schroffen Art. „…I just hope that afterlife exists – even if I would drive to hell for sure!”
“Why do you want an afterlife then?” fragte er nun immer so unwirsch, aber nicht mehr so schroff wie zuvor.
„Because…“ flüsterte sie nun, öffnete ihren Augen wieder und sah zum Himmel. „… they would be in heaven then.”
Er war sich nicht mal mehr sicher ob sie ihm noch zuhörte so abwesend sah sie aus trotzdem fragte er – mehr reflexartig als bewusst: “They?”
Ich blick wand sich wieder ihm zu und sie musterte ihn eindringlich. Mit einem bannendem Blick sagte sie schließlich: „My family.“
Einige Sekunden vergangen, in denen er abwog, ob er weiter nachfragen wollte und sich fragte, wieso es ihn überhaupt interessierte, aber schließlich fragte er: „What happened to them?“
Wieder herrschte Stille bis Kira schließlich erklärte: „They were murdered when I was ten – a punch of men did come to our house and kill everyone who came in their way…”
„Was justice done to them?” fragte er nach einer Weile.
„In a war there’s no justice!” antworte sie nun bitter.
Nun sagte er nichts mehr – er hätte es sich eigentlich denken können. Wie sonst konnte sie, obwohl sie noch so jung war, solch eine gute Kämpferin sein, wenn nicht dadurch dass sie auf einem Schlachtfeld aufgewachsen war?
Er straffte seine Schultern entschlossen und betrachtete den Sonnenaufgang vor ihnen während er ihren warmen Atem in seinem Nacken spürte. Die Vergangenheit lag hintere ihnen – das Einzige, das zählte, war die Zukunft – eine Zukunft, die er selbst bestimmen konnte.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Woah, bei Dir wird auch in jedem Teil immer ein ordentlicher Flurschaden angerichtet. :-D
Langsam fange ich an, das zu mögen.
Deine Schreibe mag ich ja sowieso.
Schön finde ich auch, dass Kiras Geheimnis sich aufzudecken beginnt.

Freu mich auf den nächsten Teil. :-)

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Tja. :-D

Danke. :-)

Anonym hat gesagt…

*boom* *bang* *schepper*

Uuups, ich hab mich wohl etwas von der Geschichte mitreißen lassen ;)

Na ich bin ja mal gespannt wie lange Kiras melancholische Ader anhält :D

Wieder wunderschön geschrieben, liebe Chinda!

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. :-)

Nagellackprinzessin hat gesagt…

ich war beim müller auf der mariahilferstraße aber der hat die neuen standardsachen noch garnicht, dafür ein abgegrabbeltes LE-Display von natventurista. mein dm (gleich daneben auf der hilfer in der nähe von der neubaugasse) hat schon die neuen standardlacke, da hab ich meine auch her. und ebenfalls ein abgegrabbeltes display ;) (hab das auch bei mir gepostet für die anderen)