Donnerstag, 21. Juli 2011

5. Devil and Angel

Wie ein weißer Wirbel aus Licht flog Kira auf die Angreifer zu. Sie hatte sich aus ihrem Versteck katapultiert und schwebte nun über den Boden des ehemals wunderschönen Ballsaals, der nun mit dem Blut und der Leichen derer, die nicht schnell genug geflohen waren, befleckt war. Sie hatte ihre beiden Pistolen, die sie unter ihrem weiten Kleid versteckt gehalten hatte, gezogen und in ihrem Flug schon etliche Gegner niedergestreckt bevor diese überhaupt wussten was passierte.
Sie landete auf den Gewehr eines ihrer Gegner und richtete ihre Waffe von oben auf seinen Kopf, drückte ab und hatte sich selbst schon wieder in die Luft geschleudert bevor das Gewehr zu Boden fallen konnte.
Ihre Blick galt dem Balkon vor ihr, durch den die ersten Angreifer hereingestürmt waren und es dürstete ihr, ihnen hinterher zu preschen als sie die Flucht antraten – doch etwas band sie an diesen Ort: Ihr Boss.
Es war ihre Aufgabe, ihn zu beschützen – sie durfte nicht von seiner Seite weichen, bis sie wusste, dass er in Sicherheit war. Was würde es ihr nutzen diese Soldaten auszuschalten, wenn sie in ihrer eigentlichen Aufgabe versagte?
Doch als sie ihren Kopf in seine Richtung drehte, sah sie wie die Sicherheitskräfte endlich in den Raum vorgedrungen waren und ihm aufhalfen. Sie wand ihren Blick wieder dem Balkon zu und sprang. Galant landete sich auf dem Geländer und nahm sofort die Verfolgung auf.
Die meisten hatte Kira schon getötet oder sie waren unten von den Sicherheitsleute erwischt worden – nur eine Hand voll liefen nun vor ihr in der Dunkelheit der Gänge des prunkvollen Gebäudes, in der man die Veranstaltung abgehalten hatte. Ihre Feinde stürzt Treppen hinauf und weitere Gänge entlang, doch einer nach dem anderen wurde von den gezielten Schüssen aus ihrer Pistole niedergestreckt und schließlich hörte sie nur noch ein paar Füße vor sich in der Dunkelheit gefolgt von dem Knarren eines Fensters. Glaubte dieser Narr etwa er könnte über die Dächer fliehen?
Im nächsten Moment sah Kira das Mondlicht durch das halbgeöffnete Dachfenster scheinen und mit einem geschickten Sprung durch selbiges befand auch sie sich auf dem Dach. Die Kälte griff nach ihrer Haut doch die Hitze des Kampf schmolz sie ohne das Kira sich ihrer überhaupt bewusst war.
Ihre Beute stand am Abgrund und musste gerade feststellen, dass das nächste Haus zu weit weg war um auf dessen Dach zu springen. Er drehte sich zu Kira um und richtete seine Waffe auf sie, aber beide wussten, dass es ein Bluff war – seine Munition war längst verbraucht.
Er ließ das nutzlose Ding fallen und hob seine Hände um sich zu ergeben. Kira zielte immer noch auf seinen Kopf als sie zischte: „On your knees!“
Dem Befehl folge leistend sank er auf seine Knie und flehte: “Please… don’t kill me!”
Kira überging seine Bitte und fragte eiskalt: „Who are you working for?“
„I don’t know – he wanted to stay anonymous!“ wimmerte er.
Kira setzte einen Warnschuss ab, der sein Ohr nur um Millimeter verfehlte und knurrte: „I – don’t – believe – you!“
„Please – I really don’t know anything!“ schluchzte er und eine Träne rollte ihm über die Wange.
Für eine Sekunde fragte sich Kira, wer dieser Mann war. Auf jeden Fall kein kaltblütiger Attentäter - so viel war sicher. Ein solcher würde in so einer Situation keine Miene verziehen – das war ein armer Junge – er schien nicht viel älter als sie selbst zu sein - der ahnungslos in diese Situation geschlittert war.
„Well…“ sagte Kira und ihr Mund formte sich zu einem Lächeln. „If you really don’t know anything…“
Ein Hoffnungsschimmer breitete sich auf seinem Gesicht aus, der aber im nächsten Moment blanken Entsetzen wich.
„…then I’m afraid you are useless to me.“ beendete Kira ihrer Satz während sich ihr Lächeln immer weiter verfinsterte und sie langsam den Abzug ihrer Pistole zu drücken begann.
„No!“ wimmerte er. „Please…“
Aber es war zu spät – die Kugel verließ Kiras Pistole und bohrte sich in seinen Kopf. Im nächsten Moment rollte er das Dach hinunter und zerschmetterte auf dem kalten Beton am Fuß des Gebäudes um schließlich als rote Blutlache dort liegen zu bleiben.

„Are you sure you are ok, Mister Kaiba?“ fragte ihn der Sekretär des Veranstalters schon zum 3. Mal und er verlor endgültig die Geduld.
„Yes – I – am – ok!“ zischte er und endlich wand sich der Mann jemand anderes zu.
Der CEO sah sich um und versuchte irgendwie durch das Gewirr aus Rettungs- und Polizeiautos, Sanitäter, Polizisten und Geretteten zu kommen. Er hätte nicht in Worte fassen können wie wütend er war – Kira, sein Bodyguard! – war verschwunden und nun musste er sie auch noch suchen. Er hatte gewusst, er hätte sie nicht mitnehmen sollen – das sie nur Ärger machen würde. Doch ein kleiner Teil von ihm wusste, dass er ihr Unrecht tat. Wäre sie nicht gewesen, dann wäre er jetzt höchstwahrscheinlich tot.
Aber noch eine andere Sache quälte ihn: Wer waren diese Männer? Hatte der Selbe sie angeheuert, der es auf ihn abgesehen hatte? War er das eigentliche Ziel dieses Anschlags gewesen und die anderen nur die Kollateralschaden? Oder hatte diese Sache nichts mit den Attentaten auf ihn zu tun? Sein Instinkt sagte ihm, dass das zu viel des Zufalls wäre…
Endlich hatte er es quer durch Menschenmenge geschafft, aber Kira hatte er immer noch nicht entdecken können.
How ever…
Er lehnte sich etwas abseits gegen eine Hauswand und wollte warten bis die meisten Rettungsfahrzeuge weg waren. Er hatte keine Lust mehr sich dort durchzuquetschen als sein Blick auf das Dach fiel und er Kira darauf entdeckte. Was zum Teufel machte sie dort oben?
Er nahm am Boden die Verfolgung auf und fand sich an der Rückseite des Gebäudes wieder.
Kira stand dort oben, ihre Waffe direkt auf den Kopf des Mannes vor ihr gerichtet, dessen vor Angst verzerrtes Gesicht wurde vom Vollmond hell erleuchtet – genau wie Kiras teuflisches Lächeln. Der Wind wirbelte ihr schneeweißes Kleid auf und ließ sie wie Mondlicht wie einen Engel strahlen – wie einen Engel des Todes.
Dann drückte sie ab und im nächsten Moment landete der Mann nur wenige Meter von ihrem Boss entfernt am Boden.
Mit vor Schrecken geweiteten Augen hatte er das Spektakel verfolgt und starrte nun auf den toten Attentäter. Sie hatte ihn nicht nur kaltblütig ermordet – es hatte ihr offensichtlich auch noch Spaß gemacht!
„You shouldn’t be here – I think, I got all, but one never know…“ sagte Kira gelassen als sie neben ihm auftauchte. Er hatte gar nicht mitbekommen wie sie vom Dach gekommen war, aber er war schon Zeuge ihrer Sprungkünste geworden also wunderte es ihn nicht.
„You murdered him!“ brachte er schließlich hervor und funkelte sie an.
„He didn’t know anyting so we don’t need him…“ antworte sie mit einem Schulterzucken.
„That’s not what I meant!“ zischte er und umso mehr er an Fassung gewann umso wütender wurde er.
„I don’t see why you complain – this is not the first time I murder for you…“ sagte sie immer noch gleichgültig.
Mit einem Schlag wurde es ihm bewusst – der Attentäter auf dem Dach. Wenn sie ihn genau in den Kopf hatte treffen können, dann hätte sie ihn sicher auch kampfunfähig machen können ohne ihn zu töten. Aber das war nie ihrer Absicht gewesen – sie wollte töten. Sie genoss es – ihr sadistisches Lächeln, als sie den Abzug betätigte hatte, war der Beweis dafür gewesen. Wieso nur hatte er es nicht früher bemerkt? Schon das, was sich damals vor dem Kaiba Corp. Gebäude abgespielt hatte, hätte ihm zu denken geben müssen.
„We better heading back before someone notice that you are gone…” unterbrach Kira seine Gedanken während sie ihre Waffen wieder unter ihrem Kleid versteckte und selbiges richtete.
„And then?“ fragte er schließlich scharf. „What if they find your weapons? Both of us are going to be in trouble!”
„We are going to be in more trouble if we just leave…“ sagte sie und begann schließlich wissend zu lächeln. “…but don’t worry – they won’t find them!”
Ohne drauf zu achten ob er ihr folgte machte sich Kira auf den Weg zurück zu der Menschenmasse, die inzwischen geschrumpft war. Nun waren großteils nur noch Polizisten da, die Gäste, die dazu in der Lage waren, über die Geschehnisse befragten.
Ihr Boss war inzwischen an ihre Seite getreten als auch schon ein Polizist auf sie zu kam – aber nicht irgendeiner, der Einsatzleiter persönlich. Kein Wunder, war der junge CEO doch einer der wichtigsten Firmenbosse der Welt.
„Mr. Kaiba.“ sagte er Officer. „Can I speak to you and your companion?”
Doch bevor er etwas antworten konnte hörte er ein Schluchzen neben sich und als er sich in die Richtung drehte, aus der es kam, sah er Kira, die am ganzen Körper zitterte und ihre Arme krampfhaft um ihren Oberkörper geschlungen hatte.
„Officer… it…it… was so horrible…“ wimmerte sie und Tränen liefen über ihre Wangen. Schmerz und Qual huschten über ihr unschuldiges, zartes Gesicht und schnitten sich in sein Herz. Bereute sie, was sie getan hatte?
„So many blood… so many… I don’t remember…“ presste sie hervor und begann leicht zu schwanken. Ihr Boss streckte instinktiv einen Arm hervor um sie im Notfall auffangen zu können.
„Miss…“ sagte der Polizist und sein Gesicht war gezeichnet von Mitleid – auch er hatte einen Arm gehoben um Kira im Notfall auffangen zu können.
Dann wand er sich dem CEO zu und flüsterte leise: „I think we already know everything about what happened in there… so it won’t necessary to further torture this young lady… you better bring her home.“
Wie auf Befehl sah er einen seiner Butler, der ihn gerade entdeckt hatte, auf ihn zulaufen und konnte dahinter seine Limousine ausmachen. Der Polizist sah ihnen nach als er Kira zum Wagen brachte und ihr beim Einsteigen half – danach stieg der CEO selbst in den Wagen und dann waren sie auch schon auf dem Weg zurück zu seiner Villa.
Seto Kaiba warf einen letzten Blick zurück auf das Geschehen und sah, wie sich der Polizist von dem Ort, wo sie gerade noch gestanden hatten, entfernte. Das wand er sich Kira zu und setzte an: „Are you o…?“ als er ihr zufriedenes, finsteres Lächeln sah.
„See…“ sagte sie gelassen. „…I told you – nothing to worry about!“
Er traute seinen Augen und Ohren kaum – Sekunden zuvor war sie noch völlig aufgelöst gewesen und nun…
„Most men are so predictable… a weak woman and a few tears is enough and their protective instinct makes a fool out of them!” führte sie aus genüsslich.
Ihr Boss antworte ihr nicht – er war zu wütend dazu. Wütend auf sie… und noch wütender auf sich selbst. Wie konnte er, nachdem er gesehen hatte, wozu sie fähig war nur eine Sekunde auf dieses Spiel hereinfallen?
„But I’m impressed how well you played along…“ sagte sie nach einer Weile.
“…I almost believed that you where worried about me.” fügte sie noch leicht lachend hinzu.
Dann blieb die Limousine vor dem Eingang seiner Villa stehen und ein Butler öffnete den beiden die Tür, worauf sie beide wortlos ausstiegen. Das Mondlicht beschien nun seine Gesichtszüge und verriet seine Wut.
Kira sah ihn verwundert an, aber er achtete nicht auf sie und lies sie einfach stehen als er mit schnellem Schritt hinein ging.
Sie sah ihm mit weit aufgerissenen Augen nach als ihr schließlich klar wurde wieso er so wütend war.
You didn’t play along, did you…? You really felt that way!
Kira fühlte wie ihre Wangen heiß wurden und sie schaute zu Boden. Sie war wirklich froh, dass er sie jetzt nicht sah während ihr nur ein Gedanke im Kopf herumschwirrte: Why?

9 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

*Leierkastenmodus an* :D

Mal wieder wunderschön, meine liebe Chinda!

Aber du und deine Liebe zu Cliffhangern! Das mach mich noch mal wahnsinnig ;)

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. :-)

Naja, eine gute Story kommt nicht ohne Cliffhanger aus... mit unter können sie sogar Leben retten (Du kennst die Legende von der Prinzessin, die die Geschichten aus 1001 Nacht erzählt hat, oder? :-D)... ;-)

Anonym hat gesagt…

Diese Kira wird mir langsam ein bisschen unheimlich. :-D
Tolle Fortsetzung!
Bin gespannt, wie sich die Beziehung zwischen den beiden noch entwickeln wird - und auch, was Du von Kira sonst noch so alles durchblicken lassen wirst nach und nach.
Ich freu mich schon auf den nächsten Teil!

LG Papyra

Anonym hat gesagt…

Nachtrag: Ich liebe Deine Cliffhanger! :-D

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Ach, da kommt noch so einiges... ich bin gespannt, was du am Schluss für eine Meinung von ihr hast. :-D

Anonym hat gesagt…

Jaa, diese Frau hat Tiefen, das hat man gleich im ersten Teil gespürt.
OK, jetz bin ich aber WIRKLICH gespannt, wie es weiter geht.
*nach dem nächsten Teil lechz*

LG Papyra

P.S. Wie viele Teile wird es denn noch geben? *treuherzig guck* :-D
Ich frag ja nur von wegen Meinungsbildung und so. *unschuldig pfeif*

Chinda-chan hat gesagt…

Morgen wird es den geben, versprochen. ;-)

Ich denke, es werden insgesamt 12 Kapitel (exkl. Pro- und Epilog) sein, ganz genau kann man das aber nicht sagen, weil ich, bevor ich es schreibe, noch nicht genau weiß, wie lange gewissen Stellen werden. :-)

Anonym hat gesagt…

Ah, dann bist Du jetzt ca. auf der Hälfte - den 6. Teil jetzt schon mitgerechnet.
(Hab ihn schon mit Genuss gelesen!) :-)
Gut zu wissen, danke für die Info!

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Aber wie gesagt, es lässt sich noch nicht so genau sagen, also +/- 2 Teile können es locker sein, aber ja, das wir ca. bei der Hälfte sind, kann passen. :-)

(Ich denk eher etappenweise, da ich nicht wie andere Autoren, die ihre Geschichte auf einmal schreiben und dabei am Anfang noch was ändern bzw. den Schluss vor dem Anfang schreiben können, handeln kann, habe ich einen roten Faden und so Etappen, denen ich folge. Aber wie lang genau da eine wird, dass zeigt sich dann erst. Wie viele ich da habe, verrate ich jetzt aber nicht, das wäre schon ein bissi ein Spoiler. ;-))