Sonntag, 1. Mai 2011

2. Ignorance and Protection

„Send me those files and I will consider it.“ sprach er in sein Handy – eines von der ganz neuen Generation mit allem drum und dran. Er ging zielstrebig in Richtung Hauptausgang ohne drauf zu achten ob er jemanden niederrennen könnte. Wieso auch? Schließlich war er der CEO, die Leute hatten ihm aus dem Weg zu gehen – wer es nicht tat, dem würde es leid tun.
Kira folgte ihrem neuen Boss in kurzem Abstand und verdrehte kontinuierlich die Augen, auch wenn man das hinter ihrer Brille nicht sehen konnte. Das Ganze begann ihr auf die Nerven zu gehen und vor allem: Sie zu langweilen.
Die letzte Woche hatte sie nichts anderes getan als ihm jeden Tag wie ein Hündchen zu folgen. Sie war mit ihm bis spät in die Nacht in seinem Büro gewesen, hatte ihn zu Meetings begleitet und ihm beim Essen Gesellschaft geleistet – nur in der Nacht trennten sich ihre Weg, wenn auch nicht weit, schließlich war sie in sein Haus eingezogen, damit sie im Notfall in seiner Nähe war.
Obwohl Haus ja nicht die richtige Bezeichnung war – Palast hätte es schon viel eher getroffen. Es war eine riesige Villa mit einigen Seitenflügen und einem riesigen, parkähnlichen Garten mit angrenzendem Wald – und das, obwohl es praktisch mitten in der Stadt stand. Auch hier fanden sich immer wieder Blue-Eyes-White-Dragon-Motive – zum Beispiel in Form eines riesigen Springbrunnens direkt vor dem Haupteingang und am Boden des riesigen Mosaikpools.
Es war lange her gewesen, als Kira das letzte Mal in solch einem Haus gewohnt hatte… in einem anderen Leben, in einer anderen Zeit. Sie schob die Gedanken beiseite und widmete sich wieder ganz ihrer Aufgabe, auch wenn sie sich nicht viel erhoffte. Irgendwie war es nicht das, was sie erwartet hatte. Es war lähmend, es passierte einfach nichts. Genauso gut hätte sie in ein Altersheim ziehen können.
Natürlich, nach allem, was passiert war, hatte sie sich ein bisschen Ruhe gewünscht, aber auch das kannte Grenzen – für sowas war sie einfach nicht gemacht. Wieso hatte sie sich nur dazu breitschlagen lassen?
Nun, zumindest hatte es eine gute Seite: Ihr Boss versuchte nicht irgendeine Art von Beziehung zu ihr aufzubauen, das hätte ihr gerade noch gefehlt. Er sprach nur mit ihr, wenn es nötig war und ignorierte sie sonst geflissentlich, auch wenn die Menschen in seiner Umgebung teilweise recht erschrocken auf ihre Erscheinung reagierten, wie zum Beispiel sein Bruder.
Sie fragte sich wirklich, wie jemand wie er solch einen kleinen Bruder haben konnte, die zwei waren wie Tag und Nacht. Ihr Boss war ein arroganter, eiskalter Businessman während sein Bruder ein ganz normaler, aufgeweckter, aber freundlicher Teenager war. Ok, zumindest normalerweise - als er sie gesehen hatte, war er eindeutig verschreckt und hielt immer den nötigen Abstand zu ihr. Eine Tatsache, die ihr nur recht war. Nichts war ihr lieber, als wenn die Menschen sie in Frieden ließen.

Mr. Kaiba verließ gerade das Hauptgebäude und ärgerte sich gerade wieder einmal über die Unfähigkeit seiner Geschäftspartner. Wieso musste er sich wieder mit solch einem Idioten herumschlagen? Hätte er das gewusst, hätte er auf diese Kooperation verzichtet!
Es war schon wieder spät in der Nacht, so wie jeden Tag, wenn er nachhause fuhr und selbst mitten in der Stadt waren kaum noch Menschen unterwegs, schon gar nicht mitten auf dem Gelände der Kaiba Corp.
Plötzlich spürte er einen harten Schlag auf seiner Brust, sein Smartphone flog ihm in hohem Bogen aus der Hand und zerbrach in einige Teile als es am harten Beton aufschlug.
Die Welt drehte sich um ihn und dann landete er selbst am Boden - begleitetet von einem zum einem verwunderten zum anderen verärgertem Ausruf: „What…?“
Doch weiter kam er nicht, denn er wurde von einem lauten Geräusch – einen Mischung aus Aufprall und splitterndem Glas - unterbrochen. Reflexartig schaute er sich nach der Quelle um und sah, dass eine Kugel genau dort die Glasfront des Kaiba Corp. Hauptgebäudes zerschlagen hatte, wo Sekunden zuvor noch sein Kopf gewesen war.
Das nächste, was er wahrnahm war Kira, die, nachdem sie ihm den harten Schlag auf die Brust verpasst hatte, direkt an ihm vorbeigezischt war. Sie schielte einmal kurz links und rechts während sie zielstrebig nach Vorne rannte. Mit ein paar gekonnten Bewegungen griff sie nach den Teilen des Scharfschützengewehrs, das sie zerlegt an ihren Oberschenkeln verstaut hatte.
Sie steckte die Teile blind zusammen während sie mit einem gekonnten Sprung direkt auf einem der Blue-Eyes-White-Dragon-Statuen landete.
Sie legte die Waffe an und zielte – ein finsteres Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie flüsterte: „Gotch ya!“
Im nächsten Moment verließ ein Schuss ihr Gewehr und als sie ihre Waffe senkte, wirkte sie zufrieden. Mit einem Salto landete sie wieder auf der Erde und ging auf ihren Boss zu, der immer noch am Boden saß.
Doch anstatt irgendwelche Anstalten zu machen, ihm aufzuhelfen stand sie nur wartend da. Nun, nicht, dass er sich von ihr hätte aufhelfen lassen, aber er war es einfach nicht gewohnt, so behandelt zu werden. Schließlich war es sie, die ihn äußerst unsanft zu Boden befördert hatte.
Er stand auf und wollte gerade zu sprechen beginnen, als einer seiner Angestellten – ein Nachtwächter – auf sie kam zugelaufen kam und sie schockiert erkundigte: „Mr. Kaiba, are you ok?“
„Yes.“ sagte er genervt und wollte gerade wieder etwas sagen, als er zum 2. Mal unterbrochen wurde.
„You.“ pfauchte Kira den Angestellten an. „Call the CEO from that building!“
Sie zeigte auf das Gebäude, auf das sie zuvor geschossen hatte.
„Tell him that he has a dead body on his roof and that we want it.”
Sie griff in eine ihrer versteckten Taschen und zog ein Stück Papier hinaus, das sie dem Nachtwächter gab.
„And tell him if he’s going to refuse or let anybody know about this – there is much more like these and it’s going directly to the press if he’s not cooperating!” führte sie aus.
“And – whatever you do – tell no one – really no one – what had happened here! Understood?!”
Der Angestellte schaute Kira schockiert an und drehte sich dann ängstlich zu seinem Boss.
Dieser verdrehte die Augen und sagte: „Fine. Go.“
Nach einer weiteren Schreckenssekunde drehte sich der Nachtwächter um und schaute, dass er schnellstmöglich Land gewann.
Als er außer Hörweite war fuhr Kaiba Kira an: „What do you think you are doing?!“
Kira ließ sich davon nicht beeindrucken und antwortete kühl: „Saving your life?“
„You had no authenticity to order my employees around!“ pfauchte er sie weiter an. “Beside that – what did you gave him?!”
“A photograph.” antworte sie weiter gelassen.
Der CEO wurde misstrauisch und hackte weiter nach: „What kind of photograph?“
Sie grinste böse und erklärte: „The kind of no CEO would want to be seen from the public…“
Kaiba zog die Augenbraue hoch und wartet.
Sie seufzte und erklärte weiter: „It’s showing him having fun with a not really adult prostitute…”
“Pff.” machte ihr Boss, während er kurz die Augen schloss um sie dann wieder mit seinem typisch arrogantem Blick anzusehen.
“And where did you got that picture from?“ fragte er dann.
Sie lächelte ebenfalls arrogant und antwortete ihm: “Professional secret.“
“Hmpf.” machte er. “However - what do you anticipate from that… body?”
Sie lachte kurz und antwortete dann ebenfalls mit einer Frage: “Well, a hint of who wants to see you dead…”
Er zog wieder eine Augenbraue hoch und sagte: „Do you really think they would make it that esay?“
Kira wollte ihm gerade antworten, da kam plötzlich der Nachtwächter wieder angelaufen und schnaufte: „We have the body – I brought it into the garage…“
“Fine.” sagte der CEO und machte sich in die Richtung besagter Garage auf. Es handelte sich dabei um einen übliche Tiefgarage und befand sich unter dem Kaiba Corp. Gebäude. Normalerweise waren hier immer alle Parkplätze vergeben, aber mitten in der Nacht standen hier nur ein paar vereinzelte Fahrzeuge, die wohl den Nachtwächtern oder Mitarbeitern, die gerade auf Dienstreise waren, gehörten.
Nahe des Notfallausgangs lag auf einer Plane ein ganz in schwarz gekleideter, schwer bewaffneter Mann. Er dürfte Mitte Dreißig gewesen sein und sein braunes, kurz geschnittenes Haar wies schon ein paar weiße Strähnen auf.
Man hätte fast der Ansicht erliegen können, er würde nur schlafen – wäre da nicht ein Einschussloch genau in der Mitte seiner Stirn gewesen, an dem schon leicht getrocknetes Blut klebte.
Der CEO kam nicht umher zu bemerken, wie präzise der Schuss gewesen war – es waren mindesten zwei Kilometer vom Boden vor der Kaiba Corp. bis zum Dach des Gebäudes gewesen und trotzdem hatte sie so genau getroffen. Woher hatte sie nur diese Fähigkeiten?
Kira hatte sich schon zu dem toten Mann heruntergebeugt und durchsuchte ihn. Er fragte sich wirklich, nach was sie suchte. Er kannte sich nicht wirklich mit Attentätern aus, aber er bezweifelte, dass er einen Ausweis oder die Telefonnummer seines Auftraggebers mit sich herumschleppen würde.
„Do you know how assassins get paid?“ fragte sie ihm plötzlich als sie etwas Glitzerndes aus der Tasche des Toten zog.
„No. I never needed one…“ antwortete er genervt.
“Well.” fuhr sie – seinen herablassenden Kommentar ignorierend und immer noch mit der Leiche beschäftigt – fort. „It’s pretty easy. All you need is a locker in a public area – like a rail station or an airport and two keys for it. The client stores the money in the locker, the assassin claims it a little time later.”
Dann drehte sie sich wieder dem Angestellten zu: “You! Did the press already find out about the assassination attempt?”
“No.” antwortete dieser erschrocken.
“Well, then it’s time. Spread the rumor that Seto Kaiba got killed by an assassin. I don’t care how but do it inconspicuous!” befahl sie ihm.
Dieses Mal vergewisserte er sich gar nicht, ob sein Boss damit einverstanden war sondern machte sich gleich auf, den Befehl zu erfüllen – die schwer bewaffnete Frau war ihm einfach zu unheimlich.
„What did I say about not ordering my employees around?!“ fuhr Kaiba Kira nun wieder an.
„And why do you want everyone to think I’m dead? Have you any idea what that is going to do with the Kaiba Corp. shares?!”
Kira hielt ihm nun das glitzernde Etwas, das sie dem toten Attentäter abgenommen hatte, hin und er erkannte nun, dass es sich um einen Schlüssel handelte.
„Remember what I told you about the payment?“ fragte sie nun völlig unbeeindruckt von seiner Wut.
„Well, it’s always 50% before and 50% after… what means that he still need to get the second part of the money… and this is the key to the locker.“
Der CEO beruhigte sich langsam wieder als er Kiras Plan verstand: „And you are trying to catch the client when he stores the money in locker?“
“Exactly.” antworte sie nun mit einem für sie typischen Lächeln.
„But…“ sagte nun ihr Boss. „…he is dead. Why should the client pay?”
“Because he won’t come to know about that.” sagte sie. “It is much too dangerous to call each other and so there is only one way to verify if the job is done…”
Mr. Kaiba verzog seine Lippen zu einem Grinsen als er verstand: „That is why you faked my death…“
“Exactly.” antworte sie wieder und steckte den Schlüssel ein. „Make sure no one sees you tonight – tomorrow you can hold a press conference to clarify that these was a rumor…”
Sie ging zu ihrem Motorrad, das ein paar Meter weiter parkte – sie hatte es hier gelassen, nachdem sie immer mit ihm in seiner Limousine mitfahren musste – und stieg auf.
„…I’m going to hunt him down!“ sagte sie und startete die Maschine. Bevor der CEO noch etwas sagen konnte war sie bereits in die Nacht verschwunden.

6 Kommentare:

retrokitten hat gesagt…

okay, nun würd ich schon gern wissen, wies weitergeht^^

Chinda-chan hat gesagt…

Späterstens am 1. Juni geht's weiter, versprochen. ;-)

Anonym hat gesagt…

Manno, machs doch nicht immer so spannend, Chindalein ;)
Jetzt muss ich wieder auf glühenden Kohlen sitzen! *lol*

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Also langsam müsstest du das von mir schon gewöhnt sein. :-D

Anonym hat gesagt…

Huhu, ich bin leider jetzt erst dazu gekommen, den neuen Teil zu lesen - und ich finde ihn saugut!

...und jetzt habe ich noch einen Grund mehr, mich auf den 1. Juni zu freuen! :-D

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Macht ja nix. :-)

Danke. :-D ;-)