Freitag, 1. April 2011

1. Fire and Ice

Brumm. Brumm. Quietsch.
Ein schwarzes Motorrad flog fast die Auffahrt zum Hauptgebäude der Kaiba Corp. hinauf und zwischen den drei Blue-Eyes-White-Dragon-Statuen hindurch. Erschrockene Menschen sprangen zur Seite und musterten das Gefährt, als es quietschend mit einem Drift zum Stehen kam - punktgenau vor dem Eingang.
Eine junge Frau stieg mit einer lässigen Bewegung ab – sie trug einen hautengen, schwarzen Ledersuit mit einem tiefem Ausschnitt, der bis zu ihren Schultern ging, im Brustbereich wurde dieser jedoch von einem massiven Bustier verdeckt, der an der Vorderseite in regelmäßigen Abstand Riemen hatte.
Unter den verwirrten und schockierten Blicken der Passanten schritt sie auf den Eingang zu – lautlos, obwohl sie schwere, kniehohe Rangerstiefel an hatte, die ebenfalls mit Riemen verstärkt waren. Aus jedem der zwei Stiefel stand der Griff eines Kampfmessers heraus.
Die automatische Glastür öffnete sich vor ihr und die Mitarbeiter, die sich in der Vorhalle befanden, unterbrachen augenblicklich ihre Gespräche und schauten die Frau an, die sich von der Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde, völlig unbeeindruckt zeigte. Ihre Haare hatte sie zu einem mittleren Pferdeschwanz zusammengefasst, dem nur ein paar Strähnen entkommen waren und in ihr Gesicht fielen, das hinter einer schmalen, aber durchgängigen schwarzen Sonnenbrille verdeckt war.
Sie ging zu Empfangsschalter und stützte sich mit den Armen lässig auf, die bis zum Ellbogen in Armstulpen steckten, die ebenfalls Riemen hatten – außerdem waren auch hier kleine Dolche versteckt.
„Name‘s Kirara. I have an appointment with Mr. Kaiba…” sagte sie trocken.
Die junge Sekretärin schaute sah Kira noch ein paar Sekunden geschockt an, fing sich dann aber und tippte hektisch auf der Tastatur ihres Computers.
„Ye-yes, I see…” stotterte die Sekretärin „…his office is on the top floor.” setzte sie fort und wies in Richtung des Aufzugs.
Ohne sich zu bedanken, drehte sich Kira weg und ging auf selbigen zu.
„Uhm.“ setzte die Office-Dame dann an und stand zitternd auf. „I-It is not allowed to carry wappons in this building…“ sagte sie dann und schluckte, während sie auf Kiras Waffen schaute - zwei Pistolen, eine an jedem Oberschenkel und ein Scharfschützengewehr, dass zerlegt – auch auf beide Seiten verteilt war. “You have to leave them here…” Sie hatte sicher ihren ganzen Mut aufbringen müssen um diese Worte über die Lippen zu bringen.
Kira drehte sich zu ihr um und schien sie einen Moment lang zu muster bevor sie ihren Mund zu einem finsteren Lächeln verzog.
„Make me…“ sagte sie triumphierend und ohne auf eine Antwort zu warten ging sie weiter zum Aufzug. Sie drückte den Knopf für den obersten Stock und sah noch das geschockte Gesicht der Sekretärin, als sich die Türen vor ihr schlossen.
As usual. Die Menschen sind so berechenbar…

Klopf. Klopf.
Seto Kaiba saß wie üblich an seinem Schreibtisch – an dessen Front ein Schild mit den Worten „Seto Kaiba - CEO“ stand - in seinem großräumigen, edlen Büro – hinter ihm nahm eine Glasfront die ganze Wand ein und erhellte den ganzen Raum. Es war nicht einmal eine Woche her, seitdem er angeschossen wurde und deine Wunde schmerzte noch, aber ein Mann in seiner Position konnte es sich nicht leisten, zu lange weg zu sein – es würde immer genug Hyänen geben, die die Situation ausnutzen wollen würden.
Vor ihm stand sein Laptop und daneben einige Akten, in die er gerade vertief war, als es jemand wagte, ihn zu stören.
„Mr. Kaiba, I beg your pardon to disturb you.” sagte der Störenfried und schien sehr angespannt.
„Mister Jenkins.“ antworte Kaiba kühl. „What is it?“
„Well.“ antwortete dieser. „It is about the bodyguard you asked me for...”
“Have you found one?” fragte der CEO.
“Well, yes…” antworte Jenkins und es schien, als würde er nun noch mehr schwitzen.
„Is there a problem with him?“ fragte der Boss nun und seine saphirblauen Augen verengten sich.
„No!“ antworte Jenkins schon fast hysterisch. „It is just… well… he is actually, uhm… a she.“
“A Woman?” sagte Kaiba. “The best bodyguard you found me is a woman?”
Jenkins gefror fast unter dem eiskalten Blick seines Bosses und brauchte ein paar Sekunden, bis er seine Sprache wieder fand.
„Yes, I was wondering too, but our contact said she is the best. And she has an amazing reputation…”
“Fine.” unterbrach ihn der CEO. “And where is… she?”
“The Secretary said she waiting outside…” antworte Jenkins sichtlich erleichtert.
“Then go get her…” sagte sein Boss und widmete sich wieder seinen Akten.

Jenkins verließ den Raum und ging den Gang – der wie alles in dem Gebäude edel und modern gehalten war - ein Stück entlang, bis er eine an eine Wand gelehnte, schwarz gekleidete Frau entdeckte, die sich mit einem ihrer Beine an der Wand abstützte. Als Jenkins näher kam drehte sie ihm ihren Kopf zu und musterte den Mann. Er war ein typischer Angestellter um die fünfzig in einem schlichten, altmodischen Anzug, der offensichtlich sehr gestresst war.
„Miss Kirara…?“ fragte er geschockt.
„Yes?“ antworte sie lustlos.
Ein paar Sekunden vergingen, in denen Jenkins Gesicht jede Emotion spiegelte – nun, nur die schlechten – bis er sich wieder fing.
„Mr. Kaiba is awaiting you…“ sagte er schließlich und wies in die Richtung, aus der er gekommen war.
Kira federte sich daraufhin gekonnt von der Wand ab und ging an Jenkins vorbei in Richtung des Büros während sie sagte: „Hell, that was about time…“

Die Tür von Kaiba‘s Büro ging fast lautlos auf und Kira trat ein – sie war wie eine Katze, leise und gefährlich. Sie musterte zuerst das Büro – außer dem großen Schreibtisch in der Mitte waren noch ein Regal auf einer Seite und ein taillenhoher Kasten auf der anderen Seite untergebracht, so wie ein Couch mit zwei passenden Sessel und einem Glastisch – und dann den Mann, der hinter dem Schreibtisch saß. Sie war überrascht, auch wenn sie es sich niemals hätte anmerken lassen – denn er passte so gar nicht zu dem, was sie erwartet hatte.
Normalerweise waren die CEOs von so großen Firmen alte Männer, aber er schien nicht viel älter als Zwanzig zu sein. Nicht viel älter als sie selbst. Er hatte braune, mittellange Haare, von denen ihm einige ins Gesicht fielen.
Schließlich löste er sich von seinem Computer und musterte nun die Frau, die vor ihm stand. Sie war sich sicher, dass auch sie nicht war, was er sich erwartet hatte – selbst wenn er es nicht zeigte, denn Pokerface war in diesem Business alles.
„So…“ setzte der CEO an. „Miss…?“
„Kirara.“ antworte sie genauso kühl wie er gesprochen hatte.
„And?“ fragte er und zog eine Augenbraue hoch.
„Just Kirara… but call me Kira.“ ergänzte sie und nahm ihre Sonnenbrille an, hinter der sich ein paar grün-grauer Augen versteckt hatten. Sie war ohne Zweifel sehr hübsch, die Art von Frau, nach der die Männer sich umdrehten. Selbst dann, wenn sie ein weniger auffälliges Outfit an hätte. Ihre kühlen, aber zarten Gesichtszüge wirkten erwachsen auch wenn sie nicht viel älter als 20 sein konnte – wie konnte eine so junge, fast zerbrechlich wirkende Frau zu solch einer Kriegerin geworden sein?
„Ok, Kira… why should I just hire you?” leite er das Gespräch nun direkt ein.
„Simply – because I’m the best… and because you desperately need a good bodyguard.“ antworte sie und lächelte überlegen.
„I do?” sagte er arrogant “I have plenty of security personal here.”
„Yeah? And who would stop me if I would attempt to kill you now? What if I would be another assassin? I did made it into your office without any problems.” entgegnete sie.
Er verengte seine eiskalten, blauen Augen und sah sie scharf an bevor er erneut sprach: “Are you?”
Im selben Moment begann sie schallend zu lachen.
„No…“ setzte sie immer noch leicht lachend an.
„If I would be…“ setzte sie fort und nun verengte sie ihre Augen und ihre Stimme wurde schneidend wie ein Messer. „…you would be dead by now.“
Für ein paar Sekunden trafen sich ihre Blicke – wie Feuer und Eis krachten sie gegeneinander - bevor sie sich schließlich voneinander lösen und die Spannung, die sich in dem Raum aufgebaut hatte, wieder nachließ.
„However...“ sagte sie schließlich. „You really be more cautious if you want to live…”
Er hatte sich schon wieder in seine Akten zurückgezogen und sie nahm das als ein Zeichen zu gehen – um ehrlich zu sein, sie hatte nichts anderes erwartet. Was hatte so ein Aktenkoffer denn auch schon eine Ahnung vom wahren Leben? Vom Kampf auf Leben und Tod?
Nun, ein bisschen hatte sie es auch drauf angelegt, denn eigentlich wollte sie den Job ja nicht. Sie hatte sowas von genug davon. Für den Rest ihrer wahrscheinlich kurzen Tage.
Sie wollte gerade zur Tür gehen als Kaiba ohne aufzusehen sagte: „You are hired.“
Dann wand er seinen Blick aber doch noch ihr zu – gerade zu langsam um zu sehen, wie sie für eine Sekunde ihr Gesicht in Überraschung getaucht hatte, bevor sie sich wieder im Griff hatte.
„When can you start?“ fragte er kühl.
“Immediately.” antwortete sie lächelnd. Dieser Mann überraschte sie nun schon zum zweiten Mal – vielleicht würde die Sache ja doch ganz interessant werden.
„But just for the record - I won’t wear any silly uniforms...!”

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hihi, da knisterts ja ganz schön :D

Wieder mal sehr gelungen, liebe Chinda!

So ich verabschiede mich mal und hibbel dem nächsten Teil entgegen *lol*

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. :-D

Es wird auch noch ganz schön rund gehen. :-D

Anonym hat gesagt…

Geile Geschichte! Hat mich jetzt schon voll gefesselt.
Kira find ich immer besser.

Beifall! Weiter so!


LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Ich hab mir schon gedacht, dass ihr sie mögen werdet. :-D

Vedra hat gesagt…

curious: why the Deutsch-Englisch-Mischmasch?

Chinda-chan hat gesagt…

Tja, wenn du dir die Ankündigung zu der Geschichte durchgelesen hättest, dann wüsstest du das. ;-)