Dienstag, 1. März 2011

Epilog

Schwarz. Schwarz wie die Nacht. So war das Kleid, das ich trug – eigentlich hätte es zu diesem Anlass weiß sein müssen. Aber diese Farbe passte nicht zu mir. Nicht mehr – ich hatte all meine Unschuld, meine Reinheit, mein Licht hinter mir gelassen und mich der Finsternis hingegeben.
Bereitwillig war ich ihr entgegen gegangen – direkt in Alon’s Arme.
Die Schuld verschlag mich wie ein hungriges Tier – ich hatte sie alle verraten und doch konnte ich es nicht bereuen. Ich konnte nur weiter gehen auf meinem dunklen Pfad – dem Schicksal entgegen, dem ich nie hatte entrinnen können.
Das weite, prachtvolle Kleid wehte bei jedem meiner Schritte um mich herum – voller edler Verzierungen, Spitze, Samt und Seide in höchster Vollendung. Dazu schmückte weißes Gold und Diamanten, die mit den Sternen um die Wette hätten leuchten können, meinen Hals, Ohren, Handgelenke und Finger. Doch alles wurde in den Schatten gestellt von dem Diadem, das ich auf meinem Kopf trug und dem Schleier, der daran befestigt war und über meine Schulter bis zum Boden reichte und dabei sogar hinter mir her schlief.
Die großen, schweren Türen der reichlich verzierten und geschmückten Kapelle öffneten sich vor mir und eine düstere Musik kam mir entgegen – auf den mit vielen, schwarzen Blüten geschmückten Bänken links und rechts neben mir hatten sich eine Vielzahl von Wesen versammelt, von denen einige mehr und andere weniger menschlich aussahen und doch war ich mir sicher, hier der einzige Mensch zu sein.
Doch wirklich achtete ich nicht auf sie – mein Blick war fest geradeaus gerichtet auf das Ziel meines Ganges, das Ziel meines ganzen Daseins: Alon.
Er wartete da auf mich – in einer Rüstung, die noch um einiges edler und verzierter war, als die, die ich schon kannte und sein langer, schwarzer Samtumhang umspielte ihn und machte deutlich, wer er war: Der Herrscher der ganzen Welt – der diesseitigen und der jenseitigen.
Und trotzdem wollte er nur eines: Mich. Eine einfache Menschenfrau, der das Schicksal etwas anderes vorgesehen hatte.
Ich trat neben ihn und er ergriff sogleich meine Hand.
„Esmeralda…“ flüsterte er und ich sah ihm tief in die Augen. Früher hatte es mich gestört, wenn er mich bei meinem alten Namen nannte, aber nun hatte ich ihn akzeptiert – es war der Name, der einer Kaiserin würdig war und genau das würde ich nun werden. Alles andere lag hinter mir und war längst zu kalter Asche zerfallen.
Er hob seine Stimme und begann zu sprechen: „Ich schwöre dir, dich zu lieben und zu schützen - bis an das Ende aller Tage.“
Ich sah ihm noch einmal tief in die Augen und antwortete ihm: „Ich schwöre euch, euch zu lieben und euer zu sein – bis an das Ende aller Tag.“
Dann nahm Alon einen Ring aus einem mir unbekannten Material, das silbern glänzte und steckte ihn mir an den Finger während er flüsterte: „Auf ewig mein.“
Die Stelle, an der der Ring meinen Finger berührte, wurde warm, aber das Gefühl verschwand sofort wieder.
Ich nahm den anderen Ring und steckte ihn Alon an den Finger und flüsterte: „Auf ewig dein.“ - auch sein Ring wurde kurz warm.
Dann küsste er mich leidenschaftlich und die Welt um mich herum begann sich zu drehen – mit einem Mal wusste ich nicht mehr wer ich war und wo ich war. Erst als sich seine Lippen von meinen lösten, trat die Welt wieder an mich heran.
Dann nahm Alon mich an der Hand und führte mich aus der Kapelle – die Gäste, die sich am Ende der Zeremonie erhoben hatte, knieten sich Reihe um Reihe nieder, als wir an ihnen vorbei kamen und folgten uns dann in einigem Abstand.
Wir wandelten durch das Schloss bis wir im Thronsaal angekommen waren – doch Alon ging an am Thron vorbei und führte mich zu einem Balkon, von dem man das ganze Schloss und auch noch einige Teile des Umlandes erkennen konnte. Und obwohl es immer noch furchterregend war, hatte ich keine Angst – nicht, solange Alon an meiner Seite war.
Doch das Unglaublichste war, dass dort unten – soweit das Auge reichte – dicht gedrängt Leute standen. Wobei, Leute war nicht die richtige Bezeichnung: Wesen hätte es besser getroffen. Wesen aller Art.
Alon führte mich bis zur Brüstung und sprach: „Volk von Seria – kniet nieder vor eurer Kaiserin!“
Und mit einem Mal ging eine Welle durch die Masse, als sie sich alle auf die Knie fallen ließen. Beeindruckt von dem Spektakel ries ich die Augen auf – wer hätte gedacht, dass sich Dämonen vor einer Menschenfrau niederwerfen würden?
Alon schien meine Gedanken zu lesen als er mir einen Arm um die Hüfte legte und mich von dem Balkon in Richtung Thron führte. „Du bist jetzt kein Mensch mehr – du bist meine Gemahlin.“ flüsterte er mir ins Ohr. „Für alle Ewigkeit.“
„Ja.“ antworteich mit fester Stimme als ich meinen Blick vom Thron abwandte und Alon tief in die Augen sah. „Für alle Ewigkeit.“

9 Kommentare:

Eava hat gesagt…

Tolles Ende, mir gefällts, da es unerwartet kam. Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass die zwei heiraten werden ;)

Anonym hat gesagt…

Na, jetzt haben sie sich ja doch noch gekriegt. :-D
Aber ich frag mich doch, was aus Hedrik geworden ist. (Allerdings denke ich mir schon, dass Alon ihn auch liquidiert hat.)
Und der alte Körper von Esmeralda war quasi nur ein Souvenir für Alon, bis sie wieder in ihrer neuen Inkarnation zu ihm zurückkehren konnte?
Auf jeden Fall eine Geschichte, die einen nicht so schnell los lässt. *Daumen hoch*

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Eava - Danke! Ich bin immer für Überraschungen gut. ;-D

Papyra - DAS willst du so genau nicht wissen - aber ja, Alon hat ihn getötet.
Im Prinzip ja, was soll er denn damit machen? ;-)
Danke. :-)

Anonym hat gesagt…

Wunderschönes und unerwartetes Ende!

Allerdings, der Konfettiregen fehlt immer noch! *lol* (Späßle ;-))

So und jetzt ab zur nächsten Geschichte :-D

Lg, Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Danke :-)

(Das kommt noch, der Fasching ist noch net vorbei. =D)

;-)

Anonym hat gesagt…

Na dann ists ja gut :-D


Ich warte dann mal noch geduldig ;-)

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

;-D

Anonym hat gesagt…

ich finde auch das die geschichte ein tolles ende hat :liebe:

aber auch bissel wehmütig bin...hätte noch ewig so weiter gehen können :-)

lg big.s

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. :-)

Ja, ich auch - die Story hat mich jetzt ja auch sehr lange begleitet. Und wie heißt es so schön? Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. ;-)

Und außerdem ist jedes Ende ja auch ein Anfang - in dem Fall, einer neuen Story. ;-)