Samstag, 1. Januar 2011

21. Die mysteriöse Versprechen

Mit einem Mal schlug ich die Augen auf und sah das grüne Blätterdach über mir, kniff aber sofort meine Augen wieder zu. Mein Kopf tat weh und das grelle Licht des Tages machte es nicht besser.
Dann setzte ich mich langsam auf und merkte sofort, dass mein Kopf nicht das Einzige war, das mir Schmerzen bereitete. Um genauer zu sein – mein ganzer Körper fühlte sich an, als hätte ich eine Nacht auf einem Dornenfeld hinter mir.
Ich sah mich um und fragte mich plötzlich wo ich war und wie ich hierhergekommen war. Was war passiert?
Doch im nächsten Moment schon bereute ich die Frage, als die Bilder des vergangen Tages über mich hin einbrachen und wäre ich schon aufgestanden gewesen, so wäre ich augenblicklich wieder zusammengesunken. Tränen liefen mir über meine schmerzenden Wagen und das Brennen meiner Augen sagte mir, dass ich wohl auch unter Tränen eingeschlafen war.
Doch schließlich stand ich mit einem Ruck auf und wischte mir die Tränen aus den Augen – ich hatte keine Zeit mich selbst zu bemitleiden. Es gab etwas wichtigere zu tun. Etwas viel wichtigeres!
Ich musste die Zurückgeblieben im Lager warnen! Alon hatte gewusst, dass wir auf ihn warteten - das hatte sein Verhalten eindeutig gezeigt – also war es nur eine Frage der Zeit, bis er auch das Lager finden würde. Als letzter verbliebener Kämpfer musste ich die anderen in Sicherheit bringen – das war das Minderste, was ich tun konnte, nach all dem Leid, das meinetwegen über sie gekommen war!
Also lief ich durch den Wald und nach einiger Zeit begann ich mich wieder zu orientieren – ich war in der letzten Nacht weiter gekommen als ich zu hoffen gewagt hatte, bevor mich die Erschöpfung übermahnt hatte und ich am nacktem Waldboden eingeschlafen war.
Nur noch wenige Meter trennten mich von unserem Lager und in Gedanken befasste ich mich damit, wie ich den Anderen unsere schreckliche Niederlage beibringen sollte - was mir einen schmerzhaften Kloß im Hals bescherte - als ich schließlich durch das letzte schützende Geäst stürmte.
Im nächsten Moment blieb ich versteinert stehen und ein Entsetzenschrei verstummte ungehört in meiner Kehle – ich war zu spät!
Tod und Verwüstung überzogen das Lager und an einigen Stellen brannten noch die Überreste einiger Hütten. Dazwischen lagen in Blutlachen die Leichen der dahin Gemeuchelten wie achtlos weg geworfene Puppen und ergaben ein morbides Stillleben des Schreckens.
„Wieso?“ entfuhr es verzweifelt meinen Lippen und ich war auf meine Knie gesunken.
Wieso kam ich immer zu spät? Wieso konnte ich niemanden retten und stürzte stattdessen nur alle, die sich meiner annahmen, in die Verderbnis? Womit hatte ich diesen Fluch nur verdient? Was hatte ich nur getan, dass…? War das die Strafe für die Schuld, die ich in meinem letzten Leben auf mich geladen hatte? Aber wieso mussten dann andere für mich büßen? Es scherte mich nicht mehr, was mit mir geschah – nein, ich wollte nur nicht, dass noch jemand anderes für mich leiden musste!
Langsam stand ich auf und wanderte zwischen den Toten und den Ruinen umher, obwohl ich eigentlich das Weite hätte suchen müssen.
Es war abzusehen, dass Alon wieder hierher zurückkommen würde um nach mir zu suchen – so wie er es bei meinem Dorf getan hatte. Aber wo sollte ich hin? Jeder, der die Güte haben würde, mich aufzunehmen, erwartete nur ein grausamer Tod! Nein, so etwas durfte nie wieder geschehen – ich musste mich von anderen Menschen fern halten!
Plötzlich fragte ich mich wozu Hedrik sich für mich geopfert hatte – meine Flucht hatte Alons Laune sicher nicht gerade verbessert und er würde seine Wut an ihm ausgelassen haben. Wieso hatte ich also seinen Rat befolgt und war geflohen? Nur um unser Lager verwüstet vorzufinden?
Alles war so sinnlos – ich hätte mich Alon genauso gut stellen können, dann hätten die Toten zu meinem Füßen vielleicht nicht so sehr leiden müssen.
Plötzlich fand ich mich vor der einzigen noch halbwegs intakten Hütte wieder – Hedriks Hütte – und ging hinein. Die Tür war aus den Angeln gerissen worden, die Scheiben des Fensters lagen zerbrochen am Boden und auch die ganze Einrichtung war demoliert worden – aber zumindest standen waren die Wände noch und das Dach war größtenteils unversehrt.
Ich fragte mich woran das lag und sah mich um – und zum ersten Mal fiel mir auf, dass seine Hütte etwas abseits stand. Wieso war mir das bisher nie aufgefallen?
Ich sah mich um – ohne zu wissen, was ich eigentlich suchte, als ich plötzlich stolperte und um ein Haar hingefallen wäre. Aber im letzten Moment schaffte ich es mich an der Wand neben dem Bett abzustützen.
Reflexartig drehte ich mich um, um nach dem Grund meines Stolperns Ausschau zu halten und sah, dass der Teppich vor dem Bett seltsame Wellen warf. Ich zog ihn zur Seite und entdecke, dass darunter ein paar Bretter lose waren. Ich hob sie an und traute meinen Augen kaum – darunter war ein tiefes Loch in die Erde gegraben, dessen Ende ich in der Finsternis nicht erkennen konnte. Ich blickte mich um und entdeckte zu meinem Glück am Boden eine Öllampe, die die Schlacht unversehrt überstanden hatte. Sogleich entzündete ich sie und hielt sie in das Loch, das sich sogleich als ein Zugang zu einem unterirdischen Gang entpuppte.
Ich zögerte keinen Augenblick und stieg hinunter – vielleicht hatten sich ja einige aus dem Dorf hier her retten können? Hedrik war wirklich ein guter Führer gewesen, dass er für den Notfall einen geheimen Unterschlupf bereit gehalten hatte!
Unten angekommen musste ich meinen Kopf etwas einziehen, denn selbst für eine relativ kleine Person für wie mich war der aus kalter Erde geschlagene Gang nicht noch genug. Er war auch kaum breiter als das mehr als ein Mann hätte nebeneinander durchgehen hätte können, aber das, was zählte, war, dass man überhaupt durch kam.
Plötzlich machte der Gang eine Biegung und führte in eine etwas größere Höhle, in der man sogar aufrecht stehen konnte. Und im selben Moment verwandelte sich meine Hoffnung in bittere Enttäuschung – die Höhle, die das Ende des Ganges darstellte, war leer. Keine Menschenseele war hier!
Plötzlich brach die Erkenntnis über mich hinein, dass ich nichts von dieser geheimen Höhle gewusst hatte – also wahrscheinlich die Anderen, die hier Zuflucht hätten finden können, auch nicht. Aber wozu dann das Ganze? Wozu ein Versteck, wenn niemand davon wusste um es nutzen zu können?
Dann sah ich am Boden etwas leicht im Licht der Lampe schimmern. Langsam ging ich drauf zu und lies mich davor in die Hocke fallen. Beim näheren Hinsehen entpuppte sich das Etwas als eine lange, aber flache metallische Truhe, die eindeutig in die Jahre gekommen war. Auch die Umgebung hatte ihr nicht gut getan, denn Schmutz, Staub und Erde überzogen sie so sehr, dass es ein Wunder war, dass sie überhaupt etwas vom Licht hatte reflektieren können.
Ich strich mit meiner Hand über sie und ein seltsames Gefühl ergriff von mir Besitz – fast so etwas wie freudige Erregung. Etwas in mir sagte mir, dass etwas sehr Wertvolles in dieser schäbigen Truhe lag und ich öffnete sie.
Mein Instinkt hatte mich nicht getäuscht – der Inhalt stand im stärksten Widerspruch zu ihrem Äußeren. Auf feinstem rotem Samt gebetet lag ein kostbar glänzendes Schwert mit einem Griff aus sorgfältig gearbeitetem Metall, dass in edlem, schwarzem Leder gebunden war. In der Mitte war ein schwarzer Stein eingelassen, der so aussah, als würde in seiner Tiefe ein ganzes Universum verborgen liegen. Auf der leicht glänzenden Scheide waren seltsame Runen eingeprägt, deren Bedeutung ich nicht kannte – doch eines wusste ich: Das war ein Schwert, das einem König würdig war!
Behutsam nahm ich es in die Hand um es noch genauer studieren zu können, als ich plötzlich eine Stimme vernahm und mich reflexartig umdrehte.
„Aya…“ hauchte sie, aber ich konnte niemand entdecken. Wer versteckte sich da vor mir in den Schatten?
„Aya…“ hörte ich die Stimme erneut, aber wieder konnte ich sie nicht ausmachen, obwohl sie sich anhörte, als müsste sie sich direkt neben mir befinden.
„Endlich… frei…“ hörte ich die Stimme wieder. „Ich danke dir, dass du mich aus meinem Gefängnis befreit hast…!“
Ungläubig starrte ich auf das Schwert in meiner Hand, als mir bewusst wurde, dass die Stimme davon ausging… das Schwert sprach zu mir!
„Wer bist du?“ fragte ich hysterisch, denn die Sache war mehr als unheimlich, aber ich kam mir in selben Moment auch sehr dumm vor. Wer fragte schon ein Schwert, wer es ist?!
„Mein Name ist Vyliss und ich bin ein magisches Schwert… als Dank für meine Rettung möchte ich dir helfen!“ säuselte es schließlich.
„Helfen? Wobei? “ fragte ich unsicher – ich traute der Sache nicht. Irgendetwas Unheimliches ging von dem Schwert aus.
„Alon… Alon zu besiegen… ihn zu töten…“ kam mit sanfter Stimme als Antwort.
„Woher weißt du davon…?“ fragte ich nun noch misstrauischer. „Und was hast du davon…?“ setzte ich nach – es war offensichtlich, dass ich ihm die Geschichte mit der Dankbarkeit nicht abkaufte. Hedrik hätte dieses Schwert sicher gegen Alon eingesetzte, hätte die Sache nicht einen Haken gehabt.
„…sagen wir einmal so – ich habe noch eine Rechnung mit ihm offen…“ antwortete es nun bitter – es hatte offensichtlich den Versuch aufgegeben, mich zu bezirzen. „Wirst du mich also gegen ihn in die Schlacht führen?“ setze es erwartungsvoll nach.
Plötzlich fiel mir wieder die Prophezeiung ein, von der Bert mir erzählt hatte – ich hatte es als Unsinn abgeschrieben und mich gefragt, wie ein weiser Mann wie Hedrik dran hatte glauben können. Nun verstand ich es – er hatte das Schwert die ganze Zeit besessen. Und er hatte wohl auch Recht damit, dass ich es führen konnte – zumindest bot es mir das gerade an.
Und das, obwohl ich keine Jungfrau mehr war – also fragte ich mich, ob wohl der letzte Teil der Prophezeiung stimmte… dass ich meine Seele als Preis würde zahlen müssen. Aber was spielte das für eine Rolle im Vergleich zu der Möglichkeit Alon endlich zu besiegen und Rache zu nehmen?
„Ich werde es tun!“

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

WOW, Chinda!
Wieder mal ein super Teil!
Was für ein schönes Jahresbeginn!
(Irgendwie machst Du echt alles platt in Deiner Geschichte, was? Ich kann mir aber vorstellen, dass das Spaß macht. :-D)

Tja, jetzt bin ich mal wieder absolut gespannt, wie es weitergeht. Haha, das ist was ganz Neues, oder? :-D

Alles Gute und liebe Grüße
von Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Ja, zu Silvester muss man es ja krachen lassen - andere schießen Raketten und ich mach Dörfer platt. :-D

Ein Ass hab ich noch im Ärmel, wir gehen ja jetzt in die finale Runde. ^^"

Anonym hat gesagt…

Sprich, es kommen nur noch 1-2 Teile und dann der Epilog???
*zappel*
:-D

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

So in etwa. ^^"

Jetzt sollte ich mich dann auch endlich mal entscheiden, welche Story ich als Nächstes anfangen soll... gar nicht so einfach, ich hab zuviele Ideen. ^^"

Anonym hat gesagt…

Ich *zappel* mit :D

Es wird immer spannender und langsam stellen sich bei mir immer mehr Theorien vor *lol* :D

Ich bin schon richtig gespannt wie's weitergeht *nick*

Lg, Philyra