Mittwoch, 1. Dezember 2010

19. Die seltsame Prophezeiung

„Ahh!“ schrie ich als ich schmerzhaft auf meinen Hintern landete, doch ließ ich meinen Stab nicht los -so viel hatte ich schon gelernt, der nächste Angriff würde nicht lange auf sich warten lassen.
Als ich meinen Blick nach oben wand, sah ich Bert auch schon über mir, wie er mit seinem Stab ausholte – aber ich war schneller und blockte den Schlag ab.
„Sehr gut!“ rief er, während er mir die Hand hin hielt um mir beim Aufstehen zu helfen.
„Du lernst wirklich schnell!“ setze er noch nach, als ich seine Hand ergriff und mich hochziehen ließ.
„Danke…“ antwortete ich verlegen. „Du bist aber auch ein guter Lehrer!“
„Ich muss zugeben, als ich hörte, dass sich eine Frau unserer Truppe anschließen will, war auch ich sehr skeptisch…“ setzte er verlegen fort. „…aber du bist wie für das Kämpfen geboren. Hätten wir mehr Leute wie dich, wäre die Schlacht gegen diesen miesen Dämon ein Klacks!“ lachte er – doch ich erkannte die Verbitterung in seiner Stimme.
Wir beide wussten, dass der Krieg gegen Alon alles, aber kein Klacks werden würde – nur die wenigstens von uns würden lebend zurückkehren – falls es überhaupt jemand schafte und wir unser Leben nicht völlig sinnlos gaben… nein, das war so nicht richtig, sinnlos würde es so und so nicht sein, denn wir hatten es zumindest versucht!
„Lass uns eine Pause machen und etwas essen gehen!“ schlug er vor und ich nickte, bevor ich ihm vom Übungsplatz Richtung Lager folgte.
Während mein Blick über das kleine Walddörfchen – ein paar Häuser zum Schlafen, eine Suppenküche und ein Waffenlager, sowie Aussichtsposten auf den hohen Bäumen über uns - glitt, schweiften meine Gedanken den vergangen Monat zurück, denn so lange war es her, dass mich Hedrik im verwunschen Wand gefunden und hier her zurück gebracht hatte.
Die ersten Tage hatte ich fast nur geschlafen und mich erholt – ich wollte auch nicht wirklich aufstehen und zwang mich dann nur Hedrik – der so viel riskiert hatte um mich zu retten - zuliebe dazu. Alles kam mir so sinnlos vor und auch die Tatsache, dass mich auch Hedriks Bemühungen nicht trösten konnten, machte es nur noch schlimmer – er hatte das nicht verdient! Und trotzdem fiel es mir so schwer mich zusammen zu reißen…
Doch dann hörte ich zufällig, wie einige Männer über den bevorstehenden Angriff auf Alon redetet und fällte augenblicklich meine Entscheidung: Er hatte mir alles genommen… aber nicht mein Verlangen nach Rache - so wie die meisten hier – und bat darum, sie im Kampf unterstützen zu können.
Sie waren zwar erfreut über jede Hilfe, die sie bekommen konnten – aber auch skeptisch, ob ich wirklich nützlich war. Vor allem, da ich drauf bestand, mich aktiv im Kampf zu beteiligen!
Hedrik war strikt dagegen, aber Bert meinte, er würde mir eine Chance geben und ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich ihm dafür bin. Und bei den Fortschritten, die ich machte, würde auch Hedrik bald nicht darum herumkommen, es gut zu heißen.
Mit dieser freudigen Erwartung trat ich also zusammen mit Bert in die Suppenküche und entdeckte Hedrik, der mit ein paar anderen Männern, die ich nicht so gut kannte zusammen saß – als er mich entdeckte, lächelte er mich an, entschuldigte sich bei den anderen und kam auf mich zu.
„Aya…“ sagte er freundig. „Wie geht es dir?“
„Danke, sehr gut! Bert sagt, ich mache große Fortschritte.“ strahlte ich ihn erwartungsvoll an.
Seine Stimmung schlug im augenblicklich um und er flüsterte düster - mehr zu sich selbst als zu mir: „Bert…“
„Hallo Hedrik!“ sagte dieser, der plötzlich mit zwei Schüsseln Eintopf und etwas Brot hinter mir aufgetaucht war und auch seine Stimmung war plötzlich eisig – die beiden starrten sich an, als ob sie erbitterte Erzfeinde wären. Und das, obwohl ich immer wieder hörte, dass die zwei angeblich die besten Freunde wären – doch das konnte ich mir so, wie sie nun miteinander umgingen, beim besten Willen nicht vorstellen.
Bert wand sich dann mir zu und sagte - auf einmal wieder sehr freundlich: „Aya, ich hab uns was zum Essen geholt – kannst du uns das schnell zu unserem Tisch tragen?“
Ich nickte und nahm ihm die Sachen ab, warf Hedrik noch einen freundlichen Blick zu und verabschiedete mich bei ihm, bevor ich mich zu einem der großen Esstische begab. Nachdem ich die Sachen dort abgestellt hatte, warf ich noch einen Blick auf die Zwei, denn ich hatte ein ungutes Gefühl – aber Bert hatte sich schon von Hedrik abgewandt und kam auf mich zu.
Irgendwie hätte es mich schon interessiert, was die beiden noch geredet hatten – aber Bert hat mir mehr als deutlich gemacht, dass das nicht für meine Ohren bestimmt war, also riss ich mich zusammen. Ich hatte ihnen allen so viel zu verdanken, dass alles andere nur furchtbar undankbar gewesen wäre.
Er setze sich gegenüber von mir hin und begann wortlos zu essen – die Luft war fast zum Schneiden und ich erkannte, als ich vorsichtig ab und zu meinen Blick hob, dass er wirklich wütend war. Die Frage nach dem Grund brannte mir auf der Zunge – aber ich wagte es nicht, sie zu stellen. Und bald musste ich auch erkennen, dass dies auch gar nicht nötig war.
„Ach verdammt!“ sagte er plötzlich und ließ seinen Löffel in den Eintopf fallen.
„Es ist mir egal, was Hedrik sagt – Anführer oder nicht – du verdienst es, die Wahrheit zu wissen!“
Ich sah ihn zugleich erschrocken als auch erwartungsvoll an, doch er schaute sich zuerst einmal um und ich bemerkte erst jetzt, dass wir inzwischen alleine waren – es war schon Nachmittag und alle anderen waren schon mit dem Essen fertig gewesen.
„Also…“ begann er dann und beugte sich zu mir, während er die Stimme senkte.
„…dir wird schon aufgefallen sein, das Hedrik von deinem Training nicht sonderlich begeistert ist…“
Ich nickte – ja, das war unverkennbar, auch wenn ich einfach nicht verstand wieso.
„…zum einen macht er sich Sorgen, dass du dabei verletzt wirst, es liegt ihm viel an dir, er…“ – Bert wand kurz den Blick ab und setzte dann fort – „…aber da ist noch ein anderer Grund! Es geht um eine Prophezeiung… um ein magisches Schwert, das nur von einer Jungfrau gelenkt werden kann und unglaubliche magische Kräfte besitzt… doch der Preis für diese Macht ist die eigene Seele. Und er glaubt, dass du es bist, die dafür bestimmt ist, dieses Schwert zu lenken und er will das um jeden Preis verhindern!“
Ich wusste nicht ob ich zu lachen oder zu weinen beginnen sollte – ich konnte unmöglich die Jungfrau aus der Prophezeiung sein… denn ich war keine mehr! Alon hatte mir selbst das geraubt, doch ich hatte mich davor gehütet, irgendjemand zu erzählen, was in dieser Nacht geschehen war und auch von Alons Lügen hatte ich ihnen nichts erzählt – am Ende hätten sie sie noch geglaubt!
Diese lächerlichen Prophezeiungen fingen langsam, aber sicher, an mich zu nerven – ich war nur ein einfaches Bauernmädchen, das in etwas hinein geraten war, das viel größer war als sie… ein kleines, unbedeutendes Zahnrad im riesigen Getriebe der Welt! Wieso nur verstand das niemand?!
„Und was hältst du von der Geschichte?“ fragte ich ihn schließlich skeptisch.
„Nichts – ein albernes Ammenmärchen, aber Hedrik glaubt fest dran und meint, dich davor beschützen zu müssen… als könntest du nicht auf dich selbst aufpassen! “ sagte er mit einem Grinsen und rieb sich die Seite, wo ich ihm heute einen Stoß mit meinem Stab versetzt hatte.
Ja, das ist der Bert den ich kenne.
„Gut!“ sagte ich lächelnd und erleichtert. „Für Märchen sind wir doch wohl schon zu alt, oder?“
„Meine Rede!“ lachte er und klopfe mir mit seiner riesen Pranke auf die Schulter, so dass ich glaubte, die Bank würde gleich unter mir zusammenbrechen – doch ich stimmte ihn sein Lachen mit ein. Es hatte etwas unglaublich befreiendes, einfach nur normal zu sein - auch wenn ich wusste, dass die Zeit gegen uns arbeitete und die Schlacht immer näher kam…

8 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Cool! Als Überraschung zum 1. Dezember eine Fortsetzung! *freu*
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wie das wohl weitergeht. :-D

...ich habe so eine Ahnung, wie das enden könnte...aber ich sag lieber nix. Ich werde dann sehen, ob ich richtig liege.

LG Papyra

Eava hat gesagt…

Toll, ein neuer Teil! Das wird ja immer spannender, ich freu mich schon auf den nächsten :D

Chinda-chan hat gesagt…

Danke, ihr Zwei! :-)

Papyra - Es werden noch Wetten bezüglich: "Wer kriegt das Mädchen?" angenommen, zu gewinnen gibt es einen feuchten Händedruck. :-D

Anonym hat gesagt…

Ich soll wetten? O_o
Wetten, dass ich voll daneben liege? :-D
...aber so ein feuchter Händedruck, der hätte schon was. *grübel*
*lol*

LG Papyra

Anonym hat gesagt…

Ich wiederhole mich hier ja auch ständig, Papyra :D Bleibt aber bei so wunderbaren und spannenden Teilen nicht aus ;)

Ich habe auch ne Ahnung, aber ich verrate sie auch nicht :p, nen feuchten Händedruck kann ich mir nämlich auch wo anders holen :D Da muss ich nicht nach Wien ;)

Ich freu mich wie immer auf den nächsten Teil *nick*

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Papyra - Der Einsatz ist... nix. Du hast also net viel zu verlieren. :-D

Phil - Danke. :-)
Mäh, mein Händedruck ist aber was ganz besonderes. :-P

Anonym hat gesagt…

Glaube ich dir gerne :-D Ich verzichte aber trotzdem dankend :-D
A Tafel Schoklad' wär mir lieber :-D

Lg,
Philyra

Chinda-chan hat gesagt…

Wenn du richtig ratest, können wir darüber reden. ;-D