Freitag, 4. Juni 2010

11. Die unglaubliche Nacht

Endlich erkannte ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung am Eingang des Zeltes. Als ich mich in die Richtung gedreht hatte, stand er schon direkt vor mir und musterte mich. Ich sah zu ihm auf und konnte an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass ihm gefiel, was er sah.
Mit ein paar geschickten Griffen legte er seinen Brustharnschi ab und legte ihn über einen der Stühle. Darunter trug er ein tiefschwarzes Hemd, das locker in in der ebenfalls schwarzen Hose steckte. Er zog es heraus und verdeckte so die silberne Gürtelschnalle.
Ich beobachte jeder seiner Bewegungen genau, damit ich auf keinen Fall meine Chance verpassen würde. Mir war durchaus bewusst, dass ihm das auffallen würde, doch war ich mir sicher, dass er das Motiv dahinter nie erahnen würde.
Als er schließlich fertig war, ging er langsam auf mich zu bis er direkt vor mir stand und beugte sich zu mir hinunter, während er mein Kinn anhob. In meiner Brust zog es sich zusammen, als mir bewusst wurde, was gleich kommen würde. Er würde mich küssen und es gab nichts, was ich dagegen tun konnte – er würde ohnehin bekommen, was er wollte.
Es gab Zeiten, da glaubte ich, meinen ersten Kuss dem Mann, den ich lieben würde, zu schenken. Und nun endete es so – so und hier. Aber ich hatte eine Mission, die ich unbedingt erfüllen musste, also unterdrückte ich die Tränen und versuchte, dem Ganzen so unbeteiligt wie nur möglich beizuwohnen.
Er schaute mir ein paar Sekunden in die Augen bevor er mich schließlich küsste und langsam auf das Bett drückte, bis ich auf dem Rücken lag – unglaublich sanft.
Ich hatte erwartet, dass es hart und brutal werden würde – ich war nicht so naiv, dass ich nicht wusste, wie so etwas ab lief. Wieso war er also so zärtlich zu mir? Wieso fühlte es sich... gut an?
Doch ich durfte mich nicht beirren lassen, ich wusste, wozu er imstande war. Ich hatte gesehen, was er Sophi und all den anderen Frauen angetan hatte. An die Kinder wollte ich gar nicht erst denken!
Schließlich löste er den Kuss und sah mir in die Augen. Ich erwiderte den Blick und sah wie sich Lust in seinen Augen spiegelte. Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und begann langsam meinen Körper zu erkunden.
Ich wusste, dass meine Chance bald kommen würde – wenn er erst zu sehr auf das konzentriert war, was er gerade tat, dann würde ich den Dolch hervorziehen und dem ein Ende bereiten. Vielleicht konnte ich sogar noch meine Unschuld behalten, doch ich machte mir keine großen Hoffnungen. Ich würde so und so sterben, also machte es keinen großen Unterschied.
Schließlich begann er die filigranen Bänder meines Kleides zu lösen und entblößte mich. Ich konnte nicht anders als rot zu werden und drehte beschämt meinen Kopf weg. Egal, wie sehr ich mir auch einredete, dass mich das alles in Wirklichkeit nicht betraf – es es betraf, ich war es, die da lag und es wäre gelogen, hätte ich behauptet, dass ich keine Angst hatte. Ich wäre am liebsten weggelaufen – aber das hätte mir ohnehin nichts gebracht. Ich musste das so sachlich wie nur irgendwie möglich sehen.
Meine Reaktion brachte mir jedoch ein unterdrücktes Lachen von ihm ein und ich sah wieder zu ihm auf. Er hatte sich gerade aufgesetzt und begonnen, sein Hemd zu öffnen. Er öffnete jeden Knopf langsam und schaute mir dabei tief in die Augen, bis es schließlich ganz offen war. Er streifte es ab und schmiss es in eine Ecke des Zeltes.
Nun, bei allem Schlechten, was man von ihm sagen konnte – er nicht gerade unattraktiv. Nichts jedoch als eine schöne Hülle für ein hässliches Inneres – eine tiefschwarze Seele, falls er überhaupt eine besaß.
Schließlich entledigte er sich auch noch seiner Hose und schloss mich sanft in die Arme, während er mich erneut küsste – dieses Mal jedoch viel leidenschaftlicher als beim ersten Mal. Mir wurde plötzlich heiß und kalt gleichzeitig. Woher kam nur dieses seltsame Gefühl? Wurde ich nun doch noch wahnsinnig? Ich musste endlich handeln, bevor ich noch ganz den Verstand verlor!
Ich wühlte zuerst mit meiner Hand durch die Decke um mich langsam zum Polster vorzuarbeiten – er jedoch war zu sehr in diesen Kuss vertieft um das überhaupt zu bemerken.
Endlich hatte ich den Dolch ertastet und schloss meine Hand um den Griff – alles würde sich nun entscheiden. Würde ich ihn so treffen, dass er tödlich verwundet wurde? Ich hatte nur diese eine Chance. Ich klammerte mich praktisch an den Dolch, als meine Hand schließlich hervorschießen ließ und direkt auf seinen Rücken zielte.
Doch so weit kam ich nicht – eine seiner Hände fing meinen Arm in seiner Bewegung ab – schneller, als ich es überhaupt reagieren konnte. Seine Hand glitt meinen Unterarm entlang bis sie schließlich auf meine traf und drückte mir den Dolche sanft aus der Hand.
Dieser fiel klirrend zu Boden – er jedoch unterbrach nicht einmal den Kuss. Er schob mich nur ein wenig zurecht – so, als ob ich nur ein wenig verrutscht wäre!
Mir wurde schwindlig und mein Magen zog sich zusammen. Wie konnte es nur sein, dass ihn mein Mordversuch so kalt lies? Wieso bestrafte er mich nicht? In meinem Kopf malte ich mir hunderte möglichen Folterungen aus, die mich für das, was ich getan hatte, erwarten würde.
Nein, das war nicht ganz richtig, nicht getan – versucht!
Plötzlich schossen mir Tränen in die Augen: Ich hatte versagt!
Ich hatte sie alle enttäuscht: Sophie, die Frauen, die Kinder – ich würde mein Leben ganz sinnlos verlieren, eine weitere auf der unendlich langen Liste.
Ich spürte wie sich die Tränen ihren Weg über mein Gesicht bahnten, als er schließlich den Kuss enden ließ. Er sah mir in die Augen, die Tränen versperrten mir die Sicht jedoch zu sehr, als das ich irgendetwas aus ihnen hätte lesen hätte können.
Schließlich spürte ich wie er mir sanft die Tränen von der Wange küsste – einer nach der anderen, ganz zärtlich und ich wurde nur noch verwirrter.
Wieso? Wieso tut er das?
„Weine nicht...“ hauchte er mir dann zärtlich ins Ohr.
„...ich verspreche dir, du wirst es genießen...“ setzte er dann noch fort, wobei seine Stimme immer rauchiger und tiefer wurde.
„Wa...s?“ antworte ich überrascht und bemerkte, wie leise und gebrochen sich meine wurde.
Doch er antwortete mir nicht sondern küsste mich wieder. Noch leidenschaftlicher und fordernder – und ich hatte das Gefühl, mein ganzer Körper begann zu prickeln und ich war nicht mehr im Stande nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen.
Schließlich zog er mich zu sich hinauf und drückte seinen Körper gegen meinen, bis sie schließlich miteinander verschmolzen.
Und plötzlich vergaß ich alles um mich herum und gab mich vollkommen dieser Nacht hin – was auch immer mich erwarten würde...

4 Kommentare:

Mel Eyre hat gesagt…

hat mir echt gut gefallen - ich mag deinen Schreibstil =)

hast du schon mal überlegt was an einem Bücherverlag zu schicken?

GLG Mel E.

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. Freut mich, dass es dir gefällt. :-)

Bis jetzt sind meine ganzen Geschichten leider viel zu kurz für ein Buch. Aber vllt. einmal - es wäre schon wirklich toll, mal die eigene Story als Buch in Händen zu halten. *nick*

Anonym hat gesagt…

Huhu, Chinda,

das ist ein supertoller Teil, ich finde alles ganz wunderbar beschrieben! *beifall*
...und ich bin natürlich wieder mal gespannt, wie es weitergeht. Haha, wer hätte das gedacht? :-D

Liebe Grüße
Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Ich hör ja immer an den spannenden Stellen auf, ich weiß. *g*