Montag, 3. Mai 2010

10. Der unerwartete Luxus

Mit einem Mal schlug ich meine Augen auf und setzte mich ruckartig auf. Panisch blickte ich mich um während die Bilder des vergangenen Albtraums langsam verblassten und sich mein Kopf schwer und schmerzhaft anfühlte. Ich versuchte meine Gedanken zu sortieren – heraus zu finden, was Traum und was Wirklichkeit war, doch es gelang mir nicht.
Langsam jedoch nahm meine Umgebung Gestalt an - ich erkannte, dass ich auf einem riesigen Himmelbett lag, dass sich offensichtlich in einem Zelt befand, denn die Wände waren aus einer Art schweren, dunklen Stoff. Alles sah edel aus – die zwei Truhen links und rechts des Bettes sowie der reich verzierte Holztisch mit den dazu passenden Stühlen. Und alles war in dunklen Tönen gehalten – das konnte ich trotz der Düsterkeit, die hier herrschte, erkennen. Denn das einzige Licht kam von zwei seltsamen, ebenfalls reichlich verzierten, Kugeln, die auf den Wänden links und rechts des Bettes angebracht waren - ihr Leuchten war jedoch nur ganz schwach.
Ich griff mir mit der Hand reflexartig auf den Kopf, als eine Welle Bilder mich durchfuhr und kniff die Augen zu.
„...ich bin Kaiser Alon von Sato.“
Seine Stimme hallte durch meinen Kopf während ich seinen stechenden, kalten Blick vor meinem inneren Auge auftauchte. Panik stieg langsam in mir auf – mir wurde bewusst, dass ich mich mitten in der Hölle des Löwen befand. Spontan fragte ich mich, wieso ich noch am Leben war. Wieso ich in diesem Bett gelegen hatte anstatt neben Sophi.
Plötzlich huschte eine Gestalt beim Zelteingang hinein und ich zuckte reflexartig zusammen. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass es sich um eine junge, wunderschöne Frau in einem edlen, weißen Kleid handelte. Sie trug eine Tablett auf dem Arm, das sie lautlos auf dem Tisch abstellte und schneller wieder nach draußen verschwunden war, als ich nur den Mund aufmachen konnte um ihr eine Frage zu stellen.
Ich lugte neugierig zu dem Tablett hinüber und sah lauter Köstlichkeiten darauf – Früchte, die man normalerweise nur im Sommer fand, zusammen mit saftigen Fleisch und frisch dampfenden Kartoffeln, sowie Dinge, die ich noch nie gesehen hatte. Mein Magen knurrte als Antwort drauf und erst jetzt bemerkte ich, wie hungrig ich war und mir fiel ein, dass ich seit fast einem Tag nichts mehr gegessen hatte.
Einen Moment zögerte ich, bevor ich schließlich aufstand und zu dem Tisch hinüber schwankte – ich wusste ja nicht, ob das Essen wirklich für mich bestimmt war. Doch im Grunde war ich viel zu hungrig um mir weitere Gedanken darüber zu machen und ließ mich auf einen der Stühle gleiten. Ich begann sofort zu essen und hörte erst auf, nachdem ich mich so voll fühlte, dass ich keinen Bissen mehr hätte herunter bringen können.
Plötzlich stand wieder jeder Frau vor mir und nahm das Tablett wieder mit – dann war sie genauso schnell wieder verschwunden wie beim ersten Mal. Doch diesen Mal wurde sie von einer zweiten Frau begleitet, die ebenfalls wunderschön war und genauso gekleidet war wie sie. Diese ging auf eine der Stoffwände zu und zog sie an einer Stelle auseinander, wodurch ein Durchgang entstand.
„Soll ich da rein gehen?“ fragte ich, während ich ihr in die Augen sah und sie nickte als Antwort.
Ich stand auf und ging hindurch, als ich mich plötzlich an einem warmen, dampfenden Ort befand – es dauerte ein paar Augenblicke, bis ich mich an die gänzlich anderen Bedingungen gewohnt hatte. Nicht, dass das Schlafgemach nicht angenehm warm gewesen wäre – aber hier war es viel feuchter und auch viel heller, auch wenn ich nicht ausmachen konnte, woher das Licht kam.
Plötzlich spürte ich Hände auf meinen Schultern und fuhr reflexartig um, die Hände ließen jedoch nicht los – grob waren sie aber auch nicht. Im nächsten Augenblick sah ich in die Augen einer weiteren Frau und erkannte, dass die Hände ihr und einer weiteren Frau gehörten, sie sich gerade dran machen, meine Kleider zu öffnen. Im ersten Moment wollte ich mich entsetzt wehren, dann jedoch viel mein Blick auf dem Ort, an dem ich mich befand.
Der Boden war gefliest und zwar mit dem feinsten Marmor, den man sich hätte vorstellen können. In der Mitte befand sich eine Art riesige Badewanne, die tief genug schien um bis zur Taille darin zu stehen und groß genug, dass sich mindestens 20 Menschen darin hätten ausstrecken können. Sie war in Gold und in Edelsteinen eingefasst und mit dampfenden, schäumenden Wasser gefüllt.
Während ich über dieses prächtige Badezelt staunte machten sich die zwei Frauen weiter an meinen Kleidern zu schaffen und als ich mich schließlich gefasst hatte, stand ich nur mehr in Unterwäsche da.
Als sie schließlich auch noch auch noch versuchten, diese zu entfernen, versuchten ich schließlich doch, mich zu wehren – die zwei ließen sie jedoch nicht beirren. Schließlich gab ich auf und half noch, mich zu entkleiden um ihre Berührungen so gering wie möglich zu halten. Denn, wenn ich ehrlich war, der Gedanken mal wieder ein Bad zu nehmen, war nicht gerade unangenehm. Als ich schließlich völlig entkleidet war, stieg ich über eine ausgedehnte Treppe langsam in das warme Wasser und ließ mich schließlich ganz hinein gleiten.
Als ich mich umdrehte, bemerkte ich mit Entsetzen, dass die zwei Frauen sich ebenfalls entkleidetet hatten und ins Wasser gestiegen waren – in ihren Händen hielten sie etwas, dass nach Schwämmen aussah. Ich starrte sie geschockt an, während die zwei näher kamen - bis mir schließlich bewusst wurde, was die zwei vor hatten: Mich waschen.
Zuerst erwog ich, ob ich mich wehren sollte – dies ging jetzt schließlich endgültig zu weit, aber ich wusste aus jüngster Erfahrung wie beharrlich die zwei waren und ließ es über mich ergehen. Nach einiger Zeit kam auch noch eine dritten Frau hinzu und brachte edle Flaschen mit verschiedensten Tinkturen, Lotionen und Balsamen, die atemberaubend dufteten. Nachdem sie mit meinem Körper fertig waren, widmeten sie sich meinen Haaren und meinem Gesicht – ich war mir sicher, in meinem ganzen Leben noch nie so sauber, weich und gut duftend gewesen zu sein.
Danach kam sie dritte Frau mit einigen riesigen Badetüchern zurück und sie wickelten mich darin ein, als ich aus dem Wasser stieg.
Nachdem sie mich abgetrocknet hatten, begannen sie meine Haare zu bürsten und zu trocken, sowie mich mit Cremen zu salben. Als sie damit fertig waren, führten sich mich zurück in das Schlafgemach, wo schon eine Frau mit einem Bündel Stoff in der Hand, dass ich als Kleidung identifizieren konnte, auf uns wartete.
Schließlich begannen sie mich wieder an zu kleiden und die Haare kunstvoll hoch zu stecken – die ganze Zeit hatte ich mich gefragt, welchen Zweck das wohl diente – bis mir schließlich die Art Kleidung, die ich trug - bewusst wurde. Der Rock des weiten Kleides war praktisch durchsichtig – wenn auch mehrere Lagen dazu das Offensichtlichste verdeckten, nur der Brustbereich war aus blickdichten, reichlich bestickten Stoff – dafür reichte der Ausschnitt sehr weit hinunter und entblößte mehr, als er versteckten – wenn auch das Wichtigste bedeckt war. Außerdem wurde alles nur von ein paar Bändchen zusammen gehalten. Schließlich fielen mir wieder seine Worte ein...
„Lass ihr ein Abendessen und ein Bad bereiten!“
Ich erstarrt, als mir bewusst wurde, wieso ich noch am Leben war. Ich hätte es eigentlich wissen müssen – was sonst konnte er wollen? Wieso sonst hätte er mich vor diesen Wolfsdämon - Wolfum- gerettet – wenn nicht um mich zu schänden bevor ich schließlich Sophis Schicksal teilen würde?!
Die Frauen legten mir noch massiven Schmuck an, doch ich war viel zu geschockt um sie wirklich zu beachten. Dann verschwanden sie und ließen mich mit meiner Verzweiflung alleine.
Ich ließ mich auf den Rand des Bettes sinken und begann zu schluchzen – wäre ich nur bei Hedrik geblieben, dann wäre das alles nicht passiert. Jetzt würde ich sterben ohne meine Aufgabe – Sophis Eltern die Wahrheit zu bringen – je erfüllen zu können. Ohne je meine Chance auf Rache zu bekommen...
Rache... Rache!
Reflexartig schloss mein Kopf in die Höhe und ich blickte mich im Raum, von dem ich mir jetzt sicher war, dass es sich um sein Gemach handelte - um. Wie konnte ich nur so dumm sein? Ja, ich würde sterben – aber meine Chancen auf Rache standen besser denn je! Ich war mitten in Alon's Lager und er wollte offensichtlich mit mir schlafen – ich würde ihm näher kommen, als ich es je hätte hoffen können. Und das noch, ohne dass er eine schützende Rüstung trug und abgelenkt von dem, was er mit mir vor hatte. Das Einzige, was ich noch brauchte war eine Waffe und dann musste ich nur noch den richtigen Augenblick abwarten. Natürlich würden mich seine Leute danach töten – aber ich würde sowieso sterben. Und so konnte ich wenigstens noch all den Frauen und Kindern, die er geschlachtet hatte, Gerechtigkeit bringen.
Hoch motiviert sprang ich auf und sah mich erneut im Raum um, als mein Blick auf die Truhen fiel. Ich schickte ein stilles Gebet gegen Himmel, dass jetzt keine der Frauen oder - noch schlimmer – Alon hereinkommen würde und öffnete eine der beiden Truhen.
Bingo!
Neben ein paar Rüstungsteilen und anderen Waffen lag darin ein reichlich verzierter Dolch, den ich sofort an mich nahm und unter einem der Kopfpolster versteckte. Dann schloss ich die Truhe so leise wie möglich wieder und lächelte in Vorfreude auf meine Rache finster in mich hinein.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Spitzen-Fortsetzung! Gefällt mir!
Na, mal schauen, was Alon jetzt wirklich mit Aya vor hat...

LG Papyra

Eava hat gesagt…

Das wird ja richtig spannend! Hoffentlich kommt der nächste Teil auch bald :)