Sonntag, 27. Dezember 2009

Prolog

Es war ein Morgen wie jeder andere, dass der Tag jedoch so anderes werden würde, als jeder zuvor, hätte ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen vorstellen können. Und dabei waren diese oft wirklich seltsam – ich konnte mir nie einen Reim aus ihnen machen.
Manchmal war das Leben hier langweilig gewesen, manchmal war es – vor allem in den langen, kalten Wintern – sehr entbehrlich gewesen, aber ich war glücklich. Meist zumindert.
Unser Dorf lag im verwunschenen Wald, wie ihn die Alten nannten. Sie sagten, schreckliche Kreaturen lauerten dort auf jene, die sich in ihm verirrten. Ich selbst hielt nicht viel von diesen Schauermärchen, die erzählt wurden, um kleine Kinder davon abzuhalten, in den Wald zu gehen.
Genauso wenig hielt ich von den Gruselgeschichten um unseren Kaiser, der ein Dämon sein soll und angeblich Menschen verschlang. Alberne Geschichten, die mich höchstens zum Lachen brachten. Noch nie hatte ich den Kaiser oder eine seiner schrecklichen Diener gesehen, von denen erzählt wurde. Nur ab und zu kam eine Wache aus einer entfernten Stadt und trieb die Steuern ein.
Ich war wirklich naiv gewesen und hatte mein Glück nicht zu schätzen gewusste. Aber so ist es oft, man weiß erst was man hat, wenn es verloren ist.
So auch an jenem, verhängnisvollen Tag. Wieder einmal trödelte ich beim Holzsammeln. Meine beste Freundin Sophia war um einiges fleißiger als ich. Und ruhiger, ordentlicher und was weiß ich nicht noch alles. Das war wahrscheinlich auch der Grund, wieso sie schon einen Mann hatte und ich nicht. Zuminderst behauptete das immer die alte Emma, die kein gutes Haar an mir lassen konnte.
Aber es stimmte, Sophias Holzkorb war schon fast voll, obwohl sie in einem anderen Zustand war, was deutlich an ihrer Kraft zerrte. Mir wurde bei dem Gedanken dran auch anders. Es kam mir wie gestern vor, da waren wir selbst noch Kinder. Und nun würde Sophi bald ihr eigenes haben.
Sie legte noch ein paar Zweige in ihren Korb und drehte sich nach mir um. Dabei fielen ein paar rote Locken aus ihrem Zopf, die sie sofort wieder zurück strich. Wir ähnelten uns auch äußerlich kaum – im Vergleich zu ihren weichen, leuchtenden Haaren wirkten meine glatten, tiefschwarzen Haare schwer. Aber das, was mich sogar von allen anderen im Dorf unterschied, waren meine Augen, die in einem seltsamen Grün gehalten waren, während sonst jeder haselnussbraune hatte. Selbst zu meinen Eltern passte ich kaum und viele munkelten, ich wäre nicht ihr richtiges Kind. Aber das war mir egal, ich liebte sie und für mich waren sie meine Eltern - ich wollte keine anderen.
„Aya!“ sagte sie streng, aber doch lieblich, wie sie immer war. Sie konnte einfach niemand böse sein.
„Wenn du den ganzen Tag vor dich hin träumst, wird deine Familie im Winter frieren müssen!“
„Ja, ja, ich mach ja schon weiter.“ sagte ich und bückte mich nach ein paar Zweigen.
Ich gestand es mir nicht gerne ein, aber sie hatte Recht. Der Sommer war vorüber und es wurde jeden Tag kälter. Der Winter kam hier sehr schnell und unerbitterlich, wir waren weit im Norden – hatte ich mir sagen lassen. Angeblich gab es Orte auf dieser Welt, wo niemals Schnee fiel, doch das konnte ich mir nicht vorstellen. Hier war fast immer Winter, der Sommer kam mir oft nur wie ein einziger Tag vor.
„So.“ sagte Sophi schließlich und als ich mich erneut nach ihr umdrehte, sah ich, dass ihr Korb voll war. Ganz im Gegensatz zu meinem.
Auch sie sah mich an und bekam zuerst einen mitleidigen, dann einen weichen Gesichtsausdruck. Meine Freundin stellte ihren Korb zur Seite und sagte: „Komm, ich helfe dir!“
Das war typisch für sie. Ich trödelte und sie half mir dann bei der Arbeit. Dieses Mal schämte ich mich wirklich dafür – sie brauchte Ruhe und anstatt ihr zu helfen, machte ich ihr noch mehr Arbeit. Aber ich konnte ihre Hilfe nicht ausschlagen. Meine Familie brauchte das Holz und ich würde ohne ihr nie rechtzeitig zum Mittag fertig werden.
Dieses Mal riss ich mich zusammen und sammelte auch fleißig Holz. So waren wir im Nu fertig.
„Puh!“ sagte ich und wischte mir den kalten Schweiß von der Stirn.
„Das hätten wir.“ setzte ich nach.
Sophi kicherte leise, nahm ihren Korb und drehte sich Richtung Dorf.
„Lass uns heim gehen.“ sagt sie lieblich. „Patrin wartet bestimmt schon auf mich.“
Ich seufzte und folgte ihr. Irgendwie war alles anders seit ihrer Hochzeit. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen. Und das sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich das tat.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das geht ja völlig anders los, als ich es jetzt gedacht hätte.
Ich bin gespannt, wie sich die Geschichte weiter entwickelt.
...und wer wohl der schreckliche Dämonen-Kaiser ist... :-D

LG Papyra

Eava hat gesagt…

Ich freu mich schon auf den nächsten Teil der Geschichte, bin schon gespannt, wie es diesmal ausgehen wird :)

Chinda-chan hat gesagt…

Papyra - ich bin doch immer für eine Überraschung gut, oder? ;-)
Jaja, das ist die große Frage. =D

Eava - Freut mich, dass es dir gefällt. :-)