Sonntag, 20. Dezember 2009

Epilog

Schweren Schrittes ging er den finsteren Weg entlang und auf die große, verzierte Tür der steinernen Kapelle zu. Er öffnete selbige bestimmt, trat ein und schloss sie hinter sich wieder.
Am anderen Ende des hohen, reichlich verzierten Raumes saß ein Mädchen und starrte in die Ferne. Als den Neuankömmling jedoch bemerkte, wand sie sich ihm zu und schaute ihn erwartungsvoll an. Sie wirkte jung, klein und zerbrechlich, doch ihr weißes Haar und ihr erfahrener Blick widersprachen dem.
„Ich habe euch erwartet, Herr.“ sagte sie schließlich.
„Dann weißt du auch, wieso ich dich aufsuche, Seherin!“ antwortete er ihr wirsch.
„Ja, Herr.“ erwiderte sie gehorsam.
„Die Zukunft war unbeständig…“ setzte sie scheu fort.
„…aber nun hat sie sich gefestigt.“
„Dann sag mir, was du gesehen hast!“ befahl er ihr schroff.
Augenblicklich schloss sie ihre Augen und konzentrierte sich.
Eine glänzende Aura umhüllte sie und als erneut zu spreche begann, war ihre Stimme eine andere. Schwer und wie von einer anderen Welt klangen nun die Worte, die ihren Mund verließen.
Tausend und tausend Jahre zogen ins Land,
seit jenem Tag, an dem sie verschwand.
Umspannt vom Band der Zeit,
da trieb sie so unendlich weit.
Doch wird sie nicht im Licht vergehen,
denn die Finsternis ist erneut zu sehen.
Wenn sich ihr Schicksal dreht,
wird die Vergangenheit auf immer verweht.
Und die Engel werden sie segnen,
ob dann sie einander erneut begegnen.
Die leuchtende Aura um die Seherin verschwand und sie öffnete ihre Augen wieder.
Ihr Blick richtete sich auf ihn und sie sagte: „Mehr kann ich euch nicht mitteilen, Herr… die Ereignisse liegen zu weit in ferner Zukunft.“
In ihr zog es sich zusammen, sie befürchtete, dass er sie für ihre ungenauen Worte strafen würde.
Doch er war ganz zufrieden, auch wenn er sich mehr erhofft hatte.
„Dann schick mir einen Boten, wenn du mehr weißt!“ befahl er ihr noch und drehte sich um.
Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen verließ er die Kapelle und machte sich zu einem anderen Gebäude auf, dass noch viel reichlicher verziert war. Die Wachen davor verbeugen sich demütig, als er eintrat.
Zweitausend Jahre waren eine lange Zeit, selbst für einen unsterblichen Dämomenlord wie ihn. Doch er würde warten – selbst wenn es Hunderttausend Jahre gewesen wären, er würde trotzdem warten.
Er stritt den langen, prunkvollen Gang hinunter bis er zu einem noch majestätischeren Raum gelangte. In dessen Mitte stand ein Himmelbett, das wirkte, als ob Feen es in mühsamster Kleinarbeit erschaffen hätten. Er schob den seidenen, transparenten Schleier zur Seite und betrachtete die Frau, die dort inmitten der wunderschönsten Blumen lag, als ob sie nur friedlich schlafen würde. Doch das Leben war aus ihr gewichen und auch wenn seine Magie verhindern konnte, dass der Zahn der Zeit ihren Körper zerfraß, so würde sie doch auf ewig ruhen.
Sanft berührte er mit seiner Hand ihre zarte Wange. Niemals wollte er eine andere als sie. Nur sie allein, für immer. Und er vertraue drauf, dass sich die Prophezeiung erfüllen und sie ihr Wort halten würde. Sie würde zu ihm zurückkehren und dann würde er sie halten – bis in alle Ewigkeit.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Seherin finde ich ja klasse!
Ich finde das Ende ganz wunderschön, sehr gut zur Geschichte passend. *große Runde beifall*

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Danke. :-)

Freut mich, dass dir die Story gefallen hat. :-)