Dienstag, 8. Dezember 2009

10. Der eiserne Kampf

Unter mir breitete sich eine weite Ebene aus und der Wind fuhr durch mein langes, schwarzes Haar. Das Schreckensross unter mir trabte nervös und seine Feueraugen flackerten unruhig, obwohl es eine Kreatur der Unterwelt war. Die Meisten, die diesen Ort zum ersten Mal sahen, wären wohl vor Angst erschaudert, aber mich durchzuckte nur ein wohliges und doch finsteres Gefühl der Vorfreude – mein Ziel war zum Greifen nah.
Die ewige Finsternis, die über diesem Ort hing, wurde nur durch die roten Adern kochender Lava durchbrochen, die sich durch diese Ebene zogen, als wäre diese ein lebendes, pulsierendes Wesen.
In der Mitte der Ebene vereinten sie sich und fielen in eine riesige, kreisrunde Schlucht ab, in deren Zentrum eine schreckenerregende Burg stand, deren Mauern von der Lava unter ihr unheilvoll beleuchtet wurden. Der einzige Zugang zu jener Burg bestand in der Brücke, die sie mit der Ebene um sie herum verband.
Obwohl ich diesen Ort von außen noch nie gesehen hatte, so wusste ich doch, wo ich mich befand. Ich stand direkt vor Alons Schloss, jenem verfluchten Ort, an dem ich mein Leben gelassen hatte.
Wut stieg in mir auf, aber ich unterdrückte sie. Noch war der Augenblick dafür nicht gekommen.
Ich drehte noch einmal meinen Kopf prüfend nach hinten und ließ meinen Blick über die kleine Armee schweifen, die mir Kantos freundlicherweise überlassen hatte. Schauderhafte Skelettkrieger mischten sich mit furchterregenden Dämonen und auch einige Drachen waren unter ihnen.
Ich wand mich erneut dem Schloss zu und hob zum Zeichen mein Schwert. Nun, endlich war es soweit!
Ich ließ mein Schwert hinunter sausen und hörte, wie sich die Menge hinter mir in Bewegung setzte. Gleichzeit gab ich meinem Ross die Sporen und preschte die Ebene hinunter. Und da, auf der Brücke sah ich sie kommen. Ja, Alon hatte meine Herausforderung angenommen. Ich schweifte mit meinem Blick über sie und im nächsten Moment setzte pure Enttäuschung ein. Alon war nirgends zu entdecken. Wut stieg in mir auf – nicht nur, dass er mich kaltblütig ermordet hatte, nun hielt er mich auch noch für zu unwichtig, sich mir persönlich zu stellen!
Ich brachte mich aber sofort wieder unter Kontrolle - ich würde schon dafür sorgen, dass er sich mir stellt. Wenn ich seine gesamte Armee vernichtet hatte, musste er sich mir stellen!
Mit einem grimmigen Lächeln beobachtete ich aus dem Augenwinkel, wie sich die ersten meiner Diener auf Alons Krieger stürzten. Gerade wollte ich mich mit ihnen in den Kampf stürzen, aber dann entdeckte ich, dass sich das große Tor einen Spalt weit auftat. Das war meine Chance in das Innere zu gelangen und ich wand mich durch die Kämpfenden der Ebene und hielt auf die nun leere Brücke zu. Doch ich war zu spät, der Spalt hatte sich wieder geschlossen. Bevor ich jedoch noch Wut drüber empfinden konnte, sah ich, dass nun eine Gestalt vor dem Tor auf mich wartete.
Laures!
Alon hatte seinen treusten General geschickt, sich mir zu stellen.
Gut, das kann er haben. Ich bring ihm seinen Kopf!
Abrupt blieb ich bei der Brücke stehen und schwang mich von meinem Ross. Ich zog mein Schwert und ging direkt auf Laures zu.
In einiger Entfernung zu ihm blieb ich stehen und wartete. Ich wusste, dass er mir noch etwas zu sagen hatte. Ich vergönnte ihm seine letzten Worte.
„Ich habe dich bereits erwartet.“ sagte er mit seiner eiskalten Stimme.
Natürlich hatte er das. Ich hatte mein Kommen bereitwillig angekündigt.
„Dein Weg wird hier enden!“ setze er noch nach und zog langsam sein Schwert.
„Das wird sich zeigen.“ antwortete ich mit einem finsteren Grinsen und machte mich bereit.
Ich rannte auf ihn zu und setze zum Sprung an. Während ich durch die Luft flog, schwang ich mein Schwert und zielte direkt auf seinen Kopf.
Doch er war schnell. Er parierte meinen Schlag und lächelte gehässig.
„Ist das alles, was du kannst?“ fragte er mich spöttisch.
Er wollte es offensichtlich auf die harte Tour – nun, das konnte er haben.
Mit einer geschickten Drehung meines Körpers wand ich mein Schwert und taucht unter seiner Deckung hin durch. Doch auch dieses Mal konnte er meinen Angriff parieren, bevor ich seine ungeschützten Stellen treffen konnte.
Widerwillig gestand ich mir ein, dass er gar nicht so schlecht war. Er hatte etwas drauf – ich würde mich tatsächlich anstrengen müssen um ihn zu besiegen.
„Nun, wie wäre es, wenn nun ich dir zeige, was ich kann…“ schlug er hämisch vor.
Ich hob spöttisch die Augenbraue und antwortete: „Du kannst etwas?“
Im nächsten Augenblick schon sah ich das Schwert auf mich zukommen, doch er hatte mich unterschätzt. Mit einer leichten Bewegung parierte ich seinen Angriff. Auch der zweite und dritte Angriff war nicht minder besser - er beleidigte damit nur mein Können.
Beim vierten Angriff hatte ich genug, während ich parierte, setzte ich zum Gegenangriff über. Ich zog mit meiner anderen Hand einen Dolch und streife seine ungeschützte Seite. Meine Waffe schnitt sich durch weiches Fleisch und rotes Blut floss über die Klinge und tropfte zu Boden. Ich hatte ihn erwischt.
Nun, fair war es nicht gewesen. Aber was bedeute schon Fairness? War es fair eine wehrlose Frau – wie ich es einst war - zu ermorden? Eben.
Er biss seine Zähne zusammen, aber er hatte sich sofort wieder im Griff. Doch das Gehässige in seinem Gesichtsausdruck war verschwunden, stattdessen sah ich in seinen Augen tiefen Hass. Unter seiner kühlen Oberfläche brodelte es, das entging mir nicht.
Sekunden verstrichen, während er nur da stand. Und dann geschah es. Wie von Zauberhand stand er plötzlich hinter mir und ehe ich reagieren konnte, schleuderte er mich über die Brücke. Ich traf mit dem Rücken auf einem steinernen Stützpfosten auf und hörte wie einige meiner Rippen gefährlich knacksten. Ich biss mir auf die Lippen, um nicht zu schreien und mich damit noch mehr der Scham preis zu geben und sank zu Boden. Der eklige Geschmack von Blut breitete sich in meinem Mund aus und mein Rücken schmerzte höllisch.
Mein Kopf drehte sich und mein Blick war verschleiert. Ich verstand die Welt nicht mehr.
Was ist passiert?
Wie konnte er auf einmal so schnell sein? Und wieso hatte er das nicht gleich ausgenützt?
„Das kommt dir teuer zu stehen, Miststück!“ hörte ich seine vor Wut gepresste Stimme auf mich zukommen.
Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf.
Werde ich nun erneut sterben? Werde ich nun für immer in dieser Hölle gefangen sein?
Panik stieg in mir auf und ich versuchte verzweifelt mich aufzurichten. Der Gedanke an Rache verschwand hinter etwas viel mächtigeren: Fluchtinstinkt.
Doch ich schaffte es nicht einmal meinen Kopf zu heben. Geschweige den, aufzustehen.
Endlich schaffte ich es aufzusehen und stellte mit Schrecken fest, dass er direkt vor mir stand. Er bückte sich zu mir hinunter und streckte gerade seine Hand nach mir aus. Ich duckte mich innerlich in Erwartung auf Schmerzen.
„Genug jetzt!“ durchbrach eine tiefe Stimme sogar den Kampflärm um uns herum und ich wand mühevoll den Kopf in die Richtung, aus der sie kam.
Dort, vor dem mächtigen Tor stand er: Alon.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Erst versteckt er sich, dann kommt er doch, der "gute" Alon.
Na, bin mal gespannt, was er jetzt zu sagen hat.

LG Papyra

Chinda-chan hat gesagt…

Naja, 'versteckt' trifft es nicht ganz. ^^"