Freitag, 19. Juni 2009

Prolog

Ein Blütenblatt streifte meine Wange zart, ich schaute auf und sah wie der Wind die Blüten zerriss und ihre Blätter durch die Luft trug. Sie glitzerten in der Morgensonne wie Diamanten, als sich das Licht in ihrem Tau brach.
Der Wind ließ mich frösteln, denn die Sonne schaffte es noch nicht, gegen die Kälte der Nacht anzukämpfen. Trotzdem schmälerte er nicht das Glück, das ich empfand, so frei auf der atemberaubend schönen Wiese zu stehen. Ich hätte gerne die Zeit angehalten, denn ich wusste, das ich nun zurück musste – bevor jemand mein Verschwinden entdeckte.
Seufzend ließ ich meinen Blick kurz zum angrenzenden Wand schweifen, bevor ich mich umdrehte und in Richtung Stadt ging. Zuerst verschwand der Wald und dann die Wiese - mit ihren zauberhaften Blumen - hinter mir, als die Häuser langsam in meinem Blickfeld auftauchten. Aber das war nicht der Ort, an den ich zurück musste – ich schaute unwillkürlich zu dem Schloss auf und seufzte. In den Augen der meisten Menschen muss es wunderschön gewesen sein, aber ich empfand nicht so. Für mich war es ein Gefängnis, ein goldener Käfig. Dorthin musste ich zurück und zwar schnell, denn das Morgenlicht langte immer weiter über das Land.
Also lief ich, so schnell es ging, mein schwarzes Haar wehte umher und mein Atem begann zu rasen – aber nicht nur wegen der Anstrengung, auch wegen der Angst, was mir drohte, würde mich jemand so sehen. Ich konnte ihre Worte förmlich hören… „So etwas schickt sich nicht für eine Prinzessin.“
Es war furchtbar, nie konnte ich tun, was ich wollte, nie konnte ich frei sein… ich hasste es, eine Prinzessin zu sein. Und ich wusste welches Schicksal mir drohte – ich würde in nicht allzu langer Zeit wahrscheinlich mit einem hässlichen oder alten Mann verheiratet werden. Vielleicht war er ja auch beides. Ich schüttelte den Kopf um den grauenhaften Gedanken zu vertreiben, wusste ich doch, dass ich keine Alternativen hatte. Ich würde mir ihn nicht aussuchen können, ich würde den nehmen müssen, der für unser Land am besten war. Also reich und mächtig, nicht schön und liebevoll.
Was würde ich tun um keine Prinzessin zu sein? Was würde ich dafür tun, frei zu sein? Alles. Dessen war ich mir sicher.
Inzwischen hatte ich das Schloss erreicht und hoffte, dass die Wachen am Bediensteteneingang immer noch dösen würden, so wie bei meiner Flucht. Ich stöhnte erleichtert, als sie es wirklich taten und schlich mich hinein. Das Schlimmste war überstanden – das dachte ich zuminderst. Als ich von der Küche auf den Gang huschen wollte, stand mir plötzlich meine Zofe Anni gegenüber und funkelte mich böse an. Ein leiser Schreckenslaut entfuhr meinen Lippen, dann setzte sie zu sprechen an.
„Was denkt Ihr euch dabei nur, Esmeralda?“ schimpfte sie.
„Ich war krank vor Sorge! Euch hätte wer weiß was passieren können!“
„Mir ist aber nichts passiert.“ gab ich kleinlaut zurück.
Wut zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. „Zum Glück, aber das ändert nichts daran, wie unverantwortungsvoll das war… ich bin mir sicher, Euer Vater sieht das genauso!“
Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich und ich leichenblass wurde.
„Bitte, bitte, sag es ihm nicht!“ stieß ich ängstlich hervor.
Sie schaute mich grimmig an, aber ihre Züge wurden weicher, als sie schließlich sagte: „Wenn Ihr mir versprecht, das nie wieder zu machen…“
Ich stürzte mich auf sie und schlang ihr die Arme um den Hals, während ich ein „Danke“ heraus stieß. Es war wirklich gemein, denn ich wusste, dass ich dieses Versprechen nicht halten würde. Schließlich hatte ich es nicht zum ersten Mal gegeben, aber ich konnte nicht anders. Wenigstens ein paar Stunden diesen dicken Steinmauern zu entfliehen, war einfach zu verführerisch.
„Prinzessin.“ sagte sie und versuchte es streng klingen zu lassen, aber es gelang ihr nicht recht. Sie wusste, dass sich so ein Verhalten nicht gebührte, aber dennoch war sie gerührt. Nachdem meine Mutter bei meiner Geburt gestorben, war Anni für mich das, was man eine Mutter bezeichnen kann. Sie war streng, aber liebevoll. Ich wusste, dass sie es immer nur gut mit mir meinte.
Als ich die Umarmung löste, sagte sie schließlich: „Kommt jetzt schnell, bevor noch jemand entdeckt, das Euer Bett leer ist.“ Ich folgte Anni durch die Gänge und über Treppen, bis wir schließlich vor meinem Zimmer standen und hineinschlüpften. Ich zog die Magdkleider, die ich zur Tarnung angezogen hatte, aus und ließ mich von Anni einkleiden. Sie wählte ein grünes Samtkleid mit goldenen Verziehrungen, das meinem hellen Porzellanteint schmeichelte. Dann kämmte sie mir die Haare und holte aus einem Kästchen goldenen Smaragd-Schmuck hervor.
„Ach, das passt euch so gut.“ schmachtete sie. „Die Steine haben genau dieselbe Farbe wie euere Augen.“
Das hatte sie schon tausendmal gesagt, ich konnte es nicht mehr hören und verdreht unwillkürlich die Augen, aber sie sah es nicht.
Ich schluckte und dachte mit Grauen an den bevorstehenden Tag. Es war einer wie jeder anderer, aber ich war nicht glücklich mit meinem Leben. Ich machte nur das Beste daraus – gute Miene zum bösen Spiel.
Ob ich wohl anders gedacht hätte, hätte ich gewusst, dass es der letzte Tag dieses Lebens sein würde? Ich weiß es nicht, denn ich ahnte nicht im Geringsten, was kommen würde.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schon der erste Satz ist grammatikalisch alles andere als vertretbar.

Chinda-chan hat gesagt…

Ist ja auch kein Deutschaufsatz. ;-)